Graben zwischen Wispag und Stadt

Die Mitglieder des Stadtparlaments genehmigten eine Nachzahlung von 300 000 Franken für das Betriebsjahr 2014 des IGP Sportpark Bergholz. Zu Diskussionen führte das angespannte Verhältnis zwischen der Betreiberin und der Besitzerin.

Philipp Haag
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Trotz des glatten Wasserspiegels im Hallenbad herrscht zwischen der IGP-Sportpark-Bergholz-Betreiberin Wispag und der Besitzerin der Anlage, die Stadt, ein hoher Wellengang. (Bild: Philipp Haag)

Trotz des glatten Wasserspiegels im Hallenbad herrscht zwischen der IGP-Sportpark-Bergholz-Betreiberin Wispag und der Besitzerin der Anlage, die Stadt, ein hoher Wellengang. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Dass sich ein Stadtrat öffentlich entschuldigt, kommt selten vor. Doch am Donnerstagabend war es der Fall. «Ich bedaure, dass wir heute an diesem Punkt stehen», sagte Marcus Zunzer, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) an der Sitzung des Stadtparlaments. Was er meinte: Das Verhältnis zwischen der Wispag, Betreiberin des IGP Sportpark Bergholz, und dem Departement BUV, unter dessen Federführung der Grossbau erstellt worden war, ist gestört. «Es herrscht ein tiefer Graben», sagte gar Mario Schmitt. Er präsidierte die vorberatende Kommission für einen Nachtragskredit in der Höhe von 300 000 Franken für das Betriebsjahr 2014, das mit einem Verlust von 590 000 Franken abgeschlossen hatte. Das Defizit ist auf nicht budgetierte Kosten für Erstanschaffung, welche die Stadt anscheinend kurzerhand der Wispag auferlegte, die Behebung von Mängeln am Baukomplex, einem zu positiven Businessplan im Bereich Wellness und auf fehlende Einnahmen aufgrund des miserablen Sommers 2014 zurückzuführen. Die nachzuzahlenden 200 000 Franken für Erstausstattungen und 100 000 Franken als Defizitbeitrag, durch welche die Wispag wieder auf gesunde Beine gestellt wird, waren bei den 43 Parlamentarierinnen und Parlamentariern unbestritten. Sie genehmigten den Kredit ohne Gegenstimme.

Gegenseitige Vorwürfe

Zu reden gab allerdings das angespannte Verhältnis zwischen der Wispag, an deren Spitze es zu einem Wechsel kommt (siehe Zweittext), und dem Departement BUV. Schmitt sprach von einem massiven Kommunikationsproblem, das zu einer gereizten Stimmung geführt habe. Während das Departement BUV die Ausgaben-Mentalität der Wispag kritisiere, sei deren Mitarbeitenden beispielsweise sauer aufgestossen, dass ihnen Massnahmen für einen Handy-Empfang in den Räumen verwehrt worden seien. «Die Situation ist nicht mehr tragbar», sagte Schmitt, wobei er einräumte, dass das Konstrukt mit den Involvierten Wispag, Departement BUV, Implenia und FC Wil kein einfaches sei. «Trotzdem muss das Personalproblem im BUV gelöst werden.» Darauf angesprochen, räumte Stadtrat Zunzer ein, «dass ich früher hätte Grenzen setzen müssen, mit dem Risiko, dass es zu einem Eclat gekommen wäre.» Er sprach von einer Parforce-Leistung, die wegen der Behebung von Mängeln und der Bereinigung der Schlussrechnung nach wie vor erbracht werden müsse, und die mit anderen Grossprojekten beim Leiter Hochbau zu einer Überbelastung geführt habe. Die vorberatende Kommission forderte Gegenmassnahmen. Eine sei ein Coaching, sagte Zunzer.

Dessen Aussagen stiessen Guido Wick (Grüne Prowil) sauer auf. «Es ist zu billig, das Problem auf eine Person abzuschieben», sagte er. Er sieht beim Departement BUV eine Führungsschwäche beim Vorsteher und beim Sekretär, die bei dieser vertrackten Situation bis anhin inexistent seien. Auch Mario Breu (FDP) erwartet ein Engagement der Führungsebene. «Die Verbesserung der Kommunikation zwischen der Wispag und dem Departement BUV ist Aufgabe des Departementsvorstehers, die bis jetzt leider zu wenig ernst genommen wurde.»

Fluktuation bei Mitarbeitenden

Auch die anderen Fraktionen forderten, dass die Missstände zwischen Wispag und Departement BUV behoben werden. Marianne Mettler (SP) ging noch auf die hohe Fluktuation bei den Mitarbeitenden ein. Von den acht, die von der Stadt zur Wispag gewechselt hatten, haben drei zwischenzeitlich den Betrieb verlassen, zwei haben gekündet, einem ist die Kündigung ausgesprochen worden. Marianne Mettler kritisierte, dass Zusicherungen bezüglich Anstellungsbedingung nicht eingehalten worden seien. Verträge seien zulasten der Mitarbeitenden abgeändert worden, «was nicht akzeptabel ist».

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