GOLF: Die besten Senioren in Niederbüren

Heute Mittwoch und morgen Donnerstag zeichnet der Ostschweizer Golfclub in Niederbüren (OSGC) verantwortlich für die Durchführung der Schweizer Meisterschaft Interclub der Senioren. Das Heimteam startet als Titelverteidiger mit Ambitionen.

Urs Nobel
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Martin Hörler aus Wil ist schon viele Jahre ein sicherer Wert im Interclub-Team der Senioren.

Martin Hörler aus Wil ist schon viele Jahre ein sicherer Wert im Interclub-Team der Senioren.

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch

Dem Ostschweizerischen Golf Club (OSGC) kommt dieses Jahr die Ehre zuteil, als Austragungsort zu fungieren. Bei den Senioren-Interclub-Meisterschaften treten insgesamt 84 Golfclubs in fünf Spielklassen gegeneinander an. In Niederbüren spielen 18 Teams der stärksten Spielklasse Seniors 1. Die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf dieser nationalen Meisterschaft trägt der Geschäftsführer des OSGC, Daniel Schweizer, der sich gemeinsam mit seinem Team seit Wochen auf diesen Anlass vorbereitet.

Daniel Schweizer, heute und morgen findet die Interclub-Schweizer-Meisterschaft auf Ihrer Anlage statt. Warum wird eine derart wichtige Veranstaltung unter der Woche und nicht am Wochenende durchgeführt?

Obwohl das Alter für Senioren vom Schweizerischen Golfverband ASG auf 50 Jahre hinabgesetzt wurde, ist es schon lange üblich, dass die Senioren ihre Meisterschaft jeweils am Mittwoch und Donnerstag durchführen.

Ihnen als Geschäftsführer des Golfclubs mag dieser Umstand sympathisch sein, weil so die eigenen Clubmitglieder am Wochenende bereits wieder auf dem Platz Golf spielen können?

Dass wir eine derartige Meisterschaft durchführen dürfen, erachten wir im OSGC in erster Linie als Auszeichnung seitens des Verbands. Es ist aber auch eine Art Verpflichtung, der wir immer wieder gerne nachkommen. So beispielsweise vor zwei Jahren, als wir die Junioren-Schweizer-Meisterschaften durchführten, oder vor einem Jahr, als das Omnium der Seniorinnen bei uns ausgetragen wurde. Dass man in solchen Fällen mit den Eigeninteressen etwas zurückstecken muss, versteht sich von selbst. Aber um auf die Frage zurückzukommen, es ist richtig, am Wochenende haben unsere Mitglieder die Anlage wieder für sich.

Das Interclub-Senioren-Team des OSGC tritt als Titelver­teidiger an. Im vergangenen Jahr siegte es in Waldkirch. Kann es den Pokal nochmals holen?

Natürlich haben wir uns zum Ziel gesetzt, erneut zu gewinnen. Schliesslich haben wir dafür auch unser stärkstes Team aufgeboten. Der amtierende Senioren-Europameister Markus Frank aus St. Gallen gehört beispielsweise dazu, aber auch unser Clubmeister Andreas Bauer aus Oberbüren, der regelmässig mit starken Ergebnissen aufwartet.

Hilft der Heimvorteil? Kann er den Unterschied zur Gegnerschaft ausmachen?

Es ist sicher richtig, dass es hilft, den Platz gut zu kennen, und so durchaus bessere Resultate erzielt werden können. Allerdings haben fast alle Turnierteilnehmer – selbst jene aus der Westschweiz – im Vorfeld der Meisterschaft schon hier in Niederbüren trainiert und wissen genau, was auf sie zukommt. Die Spieler der umliegenden Ostschweizer Golfclubs kennen unsere Anlage zudem von regelmässigen Teilnahmen an der St. Galler Meisterschaft, die alle Jahre hier stattfindet.

Ist die Golfanlage in Niederbüren besonders geeignet für Senioren, weil alles sehr flach ist?

Das dürfte auf diesem Spielniveau keine grosse Rolle spielen. Zum einen wurde das Seniorenalter ja erst kürzlich auf 50 Jahre hinabgesetzt. Zum anderen sind aber auch die älteren Interclub-Spieler in der Regel topfit und in sehr guter körperlichen Verfassung. Für die Vergabe der Schweizer Meisterschaft war die Lage des Platzes jedenfalls kein Kriterium.

Gibt es auf dem Golfplatz in Niederbüren besonders anspruchsvolle Lagen, an denen sich die Teilnehmer möglicherweise die Zähne ausbeissen könnten?

Die Schwierigkeiten unserer Anlage sind die verhältnismässig engen Fairways, die rechts und links von Wald und Wasser abgegrenzt sind. Auch die Greens sind nicht einfach zu lesen. Sie sind leicht onduliert und, je nachdem wo die Fahne gesteckt ist, schwierig zu bespielen.

Seit sechs Jahren sind Sie hier Geschäftsführer. Was fasziniert Sie am OSGC?

Besonders eindrücklich ist die Fahrt über die Thurbrücke. Hat man die Thur einmal überquert, befindet man sich in einer anderen Welt, idyllisch und mitten in der Natur. Dies färbt auch auf unsere Clubanlage und unser Clubleben ab. Man fühlt sich hier wie in den Ferien. Hinzu kommt, dass unser Golfclub selten stark belegt ist. Unsere Mitglieder können praktisch immer, auch ohne Vorreservation, Golf spielen. Man kennt sich und pflegt einen angenehmen und freundschaftlichen Umgang. Der Genuss­effekt hier im Golfclub in Niederbüren ist sehr hoch.

Das ist aus Ihrer Sicht garantiert richtig und auch schön. Handkehrum gibt es jene Leute ennet der Thur, die euch dies missgönnen und sagen, dass die Golfer mit ihnen nichts zu tun haben wollen und nur unter sich sein möchten.

Es ist richtig, dass uns dieses Image leider etwas anhaftet. Als Privatclub sind wir zurückhaltender als öffentliche Anlagen. Ich stelle aber immer wieder fest, dass Besucher positiv überrascht sind über das Clubleben und die Gastfreundschaft bei uns in Niederbüren.

Aber ein so offener Club wie beispielsweise Waldkirch möchte der OSGC doch nicht sein?

Die beiden Clubs sind völlig unterschiedlich ausgerichtet, ergänzen sich aber sehr gut. Es ist so eine Art von Symbiose. Unter den jüngeren Golfern und jenen, die die Sportart neu erlernen möchten, ist Waldkirch sehr beliebt. Der Club ermöglicht Einsteigern, die Sportart kennen zu lernen, ohne sich an den Club zu binden. Erfahrene Golfer hingegen entscheiden sich gerne für den OSGC, weil hier weniger Betrieb ist, das individuelle Training und das Clubleben im Vordergrund stehen.

Hauptsache also, dass Golf gespielt wird?

So kann man es auch sagen. Wir sind froh, dass die Migros derart viel für den Golfsport tut. Davon profitieren auch wir. Es ist ein bisschen wie beim Tennis. Auch diese Sportart galt lange Zeit als elitär und unzugänglich. Der Golfsport eignet sich für jedermann, und zwar bis ins hohe Alter. Bei dieser Sportart laufen Sie viel, müssen sich konzentrieren und sind sehr lange an der frischen Luft. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, das Image des Golfsports zu verbessern. Der Schweizerische Golfverband ASG hat zu diesem Zweck eigens eine Kampagne lanciert und investiert viel Zeit und Geld, um den Golfsport bekannter zu machen. Aber auch wir Privatclubs gehen neue Wege. In Niederbüren haben wir beispielsweise vor einem Jahr die Temporärmitgliedschaft eingeführt. Damit haben Interessierte die Möglichkeit, unseren Golfclub während drei Jahren kennen zu lernen, ohne sich mit einer hohen Eintrittsgebühr sofort verpflichten zu müssen.

Sie haben von Investieren gesprochen. Wo und wie wurde im OSGC in den vergangenen Jahren investiert, und wo bestehen noch Pläne?

Wir haben vor sechs Jahren den ganzen Platz saniert. Alle Greens und Abschläge wurden komplett erneuert, einzelne Bäume wurden gefällt und neue gepflanzt. Dem Naturschutz wichtige Anlageteile haben wir so ersetzt, dass sie den neuesten Normen entsprechen. Dieses Jahr durften wir dank einem Gönner aus dem Club einen neuen Naturweiher realisieren, was besonders die Amphibien freut, die sich dort bereits sehr wohl fühlen. Am 1. Oktober ersetzen wir unsere alte Baracke mit Zimmern durch ein neues Gebäude mit Zimmern, einer grossen Herrengarderobe und einem Caddy-Raum. Ebenso werden die Damengarderoben renoviert. Mittelfristig werden wir voraussichtlich auch Investitionen im Restaurant haben.

Etwas ganz anderes: Wie gefällt es Ihnen als Nicht-Ostschweizer in der Ostschweiz respektive in Niederbüren?

Man hört es, ich bin ein Baselbieter. Ich wurde hier sehr gut aufgenommen. Es ist eine schöne Aufgabe, hier in Niederbüren zu arbeiten. Und langweilig wird es einem nie. Jeder Tag verläuft etwas anders.

War es eigentlich Bedingung, dass Sie selber auch Golf spielen, als Sie als Geschäftsführer eingestellt wurden?

Massgebend war damals, dass ich im Golfbusiness über Erfahrung verfügte. Der OSGC verlangt von einem Geschäftsführer nicht, dass nur er Golf spielen kann. Vielmehr muss er mit den ­viel­fältigen Arbeiten wie Marketing, Buchhaltung, Restauration, Greenkeeping und noch einigen weiteren Aufgaben zurechtkommen. Das ist möglich, weil ich über gute motivierte Mitarbeiter verfüge, die ihren Teilbereich verantwortungsvoll und selbstständig führen und mir so den Rücken frei halten. Aber das Wichtigste ist, dass man ein Dienstleister mit Herz ist und Menschen mag.

Aber dem Greenkeeper werden Sie kaum in seine Tätigkeit dreinreden?

Doch, manchmal schon. Mit Kevin Caples haben wir allerdings einen Head-Greenkeeper, der schon über 20 Jahre in seinem Beruf arbeitet. Absprachen zwischen uns sowie dem Platzchef sind aber immer wieder notwendig.

Gesetzt den Fall, die Schweizer Meisterschaften Interclub der Senioren hätten schlechtes Wetter mit starken Regenfällen gehabt. Was hätte der Veranstalter unternehmen müssen?

Auf unserem Platz sickert Regenwasser glücklicherweise schnell wieder ab, weshalb wir höchst selten Turniere absagen müssen. Müssten die Schiedsrichter dennoch einen solchen Entscheid fällen, würde eine Verschiebung der Meisterschaft in Betracht gezogen. Dieses Jahr ist das aber glücklicherweise nicht der Fall!