Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Goalie-Trainer Alex Nussbaumer bildet junge Torhüter zuerst zum Feldspieler aus

Der Wiler Alex Nussbaumer ist in der Ostschweiz für die gezielte Förderung junger Torhüter zuständig. Derzeit sind gleich mehrere Talente in Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften engagiert. Noch vor einigen Jahren gab es keine Spezialtrainings für sie.
Simon Dudle

«Was ich damals nicht bekommen habe, will ich nun den Jungen mitgeben», sagt der 48-jährige Alex Nussbaumer. Der zweifache Familienvater hütete früher beim FC Wil in der Nationalliga B das Tor und war beim FC St. Gallen hinter Jörg Stiel die Nummer zwei. Fussballer wurde er neben dem Erlernen des Schreiners und Hochbauzeichners. Eine Torhüterförderung gab es damals nur ganz am Rande. Darum hat sich der Wiler auf die Fahne geschrieben, dies zu ändern.

Nachdem er ein erstes Konzept erarbeitet hatte, wurde Nussbaumer noch belächelt. Doch schnell wurde klar: Es handelt sich um ein Thema, das brachliegt. Heute hat sich der Wiler in der Branche längst einen Namen geschaffen und ist beim Ostschweizer Förderprojekt Future Champs Ostschweiz in einem Teilzeitmandat Torhüter-Ausbildner. Auch für den Schweizerischen Fussballverband arbeitet er in Mannschaften in verschiedenen Bereichen und als Goalietrainer-Instruktor.

Goalies werden zuerst als Feldspieler ausgebildet

Alex Nussbaumer fördert «Goalie-Spieler», wie er selber sagt. «Zu 80 Prozent hat ein Torhüter den Ball am Fuss und nur zu 20 Prozent in der Hand. Wenn ein Spieler nur im Tor steht, denkt er ausschliesslich defensiv. Ich will eine offensive Spielweise.» Darum trainieren die Goalies bis Stufe U12 als Feldspieler, ehe die gezielte Förderung beginnt. Stufengerecht werden sie herangeführt. «Es bringt nichts, wenn ich mit einem 13-Jährigen schon das Wegfausten von Flanken trainiere. In diesem Alter gibt es höchst selten Flanken im Spiel.» Die Zusammenstellung der Übungen in den Trainings erfolgt nicht zufällig, sondern gemäss einem Mehrjahresplan. Das Ziel dabei: Komplette Torhüter formen. Dazu gehören auch Themenbereiche wie Ernährungswissenschaft oder Selbsteinschätzung. Darum müssen sich die Goalies nach Spielen immer wieder selber beurteilen. Oftmals werden die Talente gefilmt, damit sie ihre Stärken sowie Schwächen sehen können.

Als Nussbaumer vor rund einem Jahrzehnt mit seiner Arbeit begann, förderte er Daniel Lopar. Zwar fehlt seither ein Nachfolger, der in St. Gallen oder Wil Stammtorhüter geworden wäre. Der Goalie-Förderer verspricht sich von den nächsten paar Jahren aber viel.

Das sind die derzeitigen Ostschweizer Talente

«Im letzten Jahrzehnt haben neun Ostschweizer Torhüter mindestens ein Länderspiel in einer Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaft bestritten», sagt Nussbaumer. So zum Beispiel Sladan Stanojevic (Jahrgang 1995), der von den Grasshoppers gekauft wurde, heute aber nicht mehr aktiv ist. Die Niederhelfenschwilerin Melanie Egli (Jahrgang 1998) spielte beim FC Zürich, ehe auch sie aufgehört hat. Gion Chande (Jahrgang 1998) wurde vom FC Basel übernommen und spielt dort aktuell in der ältesten Nachwuchsmannschaft. Der Niederhelfenschwiler Nico Krucker (Jahrgang 1999) war zuletzt die Nummer drei im Profiteam des FC St. Gallen, fällt derzeit wegen eines Bandscheibenvorfalls aber aus. Nico Strübi (Jahrgang 2000) spielt in der U21 der St. Galler und wurde unlängst zu einem Probetraining im Fanionteam des FC Wil aufgeboten. Gianluca Tolino (Jahrgang 2000) hat zwei Jahre im Nachwuchsbereich des FC Wil gespielt und ist U18-Goalie des FC St. Gallen. Weitere hoffnungsvolle Goalies sind Yuri Klein aus Balterswil mit Jahrgang 2001, Armin Abaz aus St. Gallen mit Jahrgang 2002 und Damian Böhler mit Jahrgang 2003

«Es ist eine junge und auch wilde Generation», sagt Nussbaumer. «Die Basis ist gelegt. Ich hoffe, dass es der eine oder andere in den nächsten Jahren in die erste Mannschaft des FC St. Gallen oder des FC Wil schafft.» Aus seiner Sicht ist die Torhüterarbeit in der Schweiz heute «top». Doch warum ist das so? «Wir haben nicht allzu viele Quantität in unserem kleinen Land. Also müssen wir es mit der Qualität machen. In der Torhüterförderung sprechen wir alle die gleiche Sprache, verwenden die gleichen Begriffe. Zudem sehen die Goalie-Trainingseinheiten im ganzen Land etwa gleich aus, ob nun in Basel oder St. Gallen. Wir Förderer sind alles Perfektionisten.»

Immer mehr zum Feldspieler geworden

Ein wichtiger Aspekt ist auch, Trends im internationalen Fussball zu erkennen. Darum haben Nussbaumer und seine Schweizer Goalieinstruktor-Kollegen in jedem Spiel der Europameisterschaft 2016 jede einzelne Aktion der Torhüter analysiert und verglichen. Das gleiche machen sie während der laufenden Weltmeisterschaft in Russland.

«In einem Trainingslager mit 36 Schweizer Nati-Goalies haben wir zudem bemerkt, dass viele Schwierigkeiten haben, weil sie nach dem Hechten falsch aufstehen», sagt Nussbaumer. Blickt er auf das vergangene Jahrzehnt zurück, so fällt ihm auf, dass der Goalie immer mehr zu einem Feldspieler geworden ist und offensiver denkt. So werde heute zum Beispiel vermehrt gegen vorne gehechtet.

Gezielte Torhüterförderung: Alex Nussbaumer fördert seit einem Jahrzehnt die Goalie-Talente der Ostschweiz. (Bild: Simon Dudle)

Gezielte Torhüterförderung: Alex Nussbaumer fördert seit einem Jahrzehnt die Goalie-Talente der Ostschweiz. (Bild: Simon Dudle)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.