Glühwürmchen aus Räbenlichtern

Unzählige flackernde Lichter, erwartungsfrohe Kinder, eine fast feierliche Stimmung in den Strassen. Es ist Dienstag nach St. Otmar, es ist Lägelisnacht in Flawil. Seit 87 Jahren der Anlass, der generationenübergreifend das ganze Dorf zu mobilisieren vermag – zumindest beinahe.

Andrea Häusler
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Sichtlicher Stolz auf das fahrende Kunstwerk.

Sichtlicher Stolz auf das fahrende Kunstwerk.

FLAWIL. Zürich hat sein Sechseläuten, St. Gallen das Kinderfest und Flawil die Lägelisnacht. Die Tradition ist alt, deren Ursprung nur vage dokumentiert, die Bedeutung jedoch bis heute ungebrochen. Für die Schulkinder, die im Zentrum des Lichterumzugs stehen, genauso wie für die Erwachsenen an den dunklen Strassenrändern, die sich später – genauso traditionell – in den Restaurants zu Kürbissuppe und Kürbisbackwaren treffen.

Eine einzige Variable nur gesellt sich zu den vielen Konstanten, die einem Brauche eigen sind: das Wetter. Was hat die Lägelisnacht nicht schon erlebt: von Regen über Nebel bis hin zu eisigen Minustemperaturen und Schneefall fast alles. Gestern abend schien sich der Wettergott genauso auf den Umzug der Jungen und Jüngsten zu freuen wie Flawils Bevölkerung. Trockenes, nahezu windstilles Wetter begleitete den Glühwürmchen- ähnlichen Lichterzug und entlastete die Mamis, Papis und Geschwister davon, die immer wieder erlöschenden Kerzchen wieder zum Flackern zu bringen.

Lägelisnacht, das bedeutet Räben und Kürbisse, liebevoll geschnitzt und verziert; hämisch grinsende Fratzen, drollige Mondgesichter, Kindernamen, aber auch kunstvoll gestaltete Kugellichter ganz im orientalischen Stil. Baumelnd an Folienästen oder Reisigbögen, welche die Leiterwagen schmücken, strahlen sie ihre liebliche Wärme aus und tauchen das verdunkelte Dorf in ein geheimnisvolles Licht. Vom Bahnhof weg schlängelte sich der Umzug, begleitet von Tambouren, Fackelträgern, Musikgruppen und Behördenmitgliedern, durchs Oberdorf- und Enzenbühlquartier dem traditionellen Ende bei Wurst und Brot entgegen.

Das Warten, bevor das Spiel der Tambouren den Start des Lichterumzugs signalisiert.

Das Warten, bevor das Spiel der Tambouren den Start des Lichterumzugs signalisiert.

Kürbisse, Räben, «HMF»-Schnitzereien und ganz viel gute Laune.

Kürbisse, Räben, «HMF»-Schnitzereien und ganz viel gute Laune.

Das Schild zeigt gleichsam die Herkunft der Räbenschnitz-Künstlerinnen: Das Schulhaus Feld.

Das Schild zeigt gleichsam die Herkunft der Räbenschnitz-Künstlerinnen: Das Schulhaus Feld.

Riesenkürbis auf dem Leiterwagen und Spannung in den Gesichtern. Erst um punkt 18.45 Uhr setzte sich der Lichterzug in Bewegung. (Bild: :)

Riesenkürbis auf dem Leiterwagen und Spannung in den Gesichtern. Erst um punkt 18.45 Uhr setzte sich der Lichterzug in Bewegung. (Bild: :)

Behördenmitglieder unter sich: Eddie Frei, Elmar Metzger und Christoph Ackermann (v.l.)

Behördenmitglieder unter sich: Eddie Frei, Elmar Metzger und Christoph Ackermann (v.l.)

Ebenfalls unverkennbar: Die Delegation des Schulhauses Grund.

Ebenfalls unverkennbar: Die Delegation des Schulhauses Grund.

Ausgehend von der Westzufahrt zum Bahnhofareal zogen die Kinder, musikalisch und von zahlreichen Schaulustigen begleitet, durchs Dorf. (Bilder: Andrea Häusler)

Ausgehend von der Westzufahrt zum Bahnhofareal zogen die Kinder, musikalisch und von zahlreichen Schaulustigen begleitet, durchs Dorf. (Bilder: Andrea Häusler)