Glockenstuhl steht auf Gummifüssen

FLAWIL. Die Erneuerung des Glockenstuhls der Evangelisch-reformierten Kirche Feld wird dieser Tage abgeschlossen. Die gesamte Konstruktion, welche die fünf Glocken mit insgesamt neun Tonnen Gewicht im Turm trägt, wurde im Luzernischen revidiert.

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Er trägt neun Tonnen Gewicht: Der Glockenstuhl der Evangelisch-reformierten Kirche Feld wurde erneuert. Projektleiter Max Bretscher, Philipp Hüsser, Andreas Sägesser und Kivo-Mitglied Harald Schiess beraten sich. (Bild: mf)

Er trägt neun Tonnen Gewicht: Der Glockenstuhl der Evangelisch-reformierten Kirche Feld wurde erneuert. Projektleiter Max Bretscher, Philipp Hüsser, Andreas Sägesser und Kivo-Mitglied Harald Schiess beraten sich. (Bild: mf)

Die Kirche Feld hatte in den vergangenen Wochen quasi zwei Türme: den richtigen und einen temporären, gebaut mit Baugerüst. Der metallene, geschraubte hat gegenüber dem steinernen, gemauerten einen riesigen Vorteil: einen Lift. So kommt, wer die seltene Gelegenheit erhält, in den Genuss eines erstklassigen Blicks über ganz Flawil – ohne dafür Anstrengungen zu unternehmen.

Viel Rost angesetzt

Der Grund für den zweiten Turm ist die Revision des Glockenstuhls, die in den vergangenen Wochen in Zusammenarbeit der Jakob Muri AG, Sursee, und der J. G. Baer AG, Sumiswald, durchgeführt wurde. Die Aufhängung wurde komplett zerlegt, ausgebaut und nach Sursee gebracht. «In unserem Werk wurde die Konstruktion sandgestrahlt, neu verzinkt, grundiert und wieder lackiert», erklärt Projektleiter Max Bretscher von der Jakob Muri AG. Nach Jahrzehnten im Turm hatte das Metall teils viel Rost angesetzt. Die Glocken – die keiner Behandlung bedurften – wurden zwischenzeitlich in eine Ruhepause geschickt und am Turmgebälk aufgehängt. Ausschlaggebend für die Durchführung dieser Revision war nicht nur, dass Teile des Stuhls stark korrodiert waren. Denn zudem war der Boden unter dem Glockenstuhl undicht geworden. «Jedesmal, wenn es regnete, hatten wir Wasser im Turm», erklärt Harald Schiess, Medienverantwortlicher der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Flawil. Damit eine neue Betondecke eingebaut werden konnte, musste der Glockenstuhl ohnehin ausgebaut werden – so ergab sich ein sinnvolles Zeitfenster für die Überholung des Glockenstuhls.

Vibrationen minimieren

Dabei hatte die Denkmalpflege ein Wort mitzureden. Möglich wäre theoretisch auch gewesen, einen komplett neuen Glockenstuhl anzufertigen. Doch Elemente wie eine massive Eisentreppe mit gestalterischen Elementen, die man laut Projektleiter Bretscher heute «allein aus Kostengründen niemals mehr anfertigen würde», gaben den Ausschlag für die Revision. Neu ist, dass die Konstruktion auf Gummifüssen steht und nicht mehr direkt auf dem Betonboden lagert. Zwar waren früher Korkplatten unterlegt worden, diese – aus organischem Material – hatten sich durch Wind und Wetter aber aufgelöst. «Die Gummifüsse sind gut für die Bausubstanz der Kirche», sagt Bretscher. Sie minimieren Vibrationen der fünf Glocken von 1910, die insgesamt neun Tonnen wiegen. Am eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag vom 15. September erklingen sie dann wieder. (mf)