Glitzerwelt mit Sorgen

Am Wochenende schauten Hunderte von Mineralienfreunde bei der Ausstellung im Stadtsaal Wil vorbei.

Christof Lampart
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Die jährliche Bergkristall- und Mineralienausstellung im Wiler Stadtsaal begeistert die Besucher. Doch wie lange noch?Bild: Christof Lampart

Die jährliche Bergkristall- und Mineralienausstellung im Wiler Stadtsaal begeistert die Besucher. Doch wie lange noch?Bild: Christof Lampart

Stolz sind sie, die Wiler Mineralienfreunde – und das zu Recht. Denn die hiesige «Bergkristall- und Mineralienausstellung» fand am Wochenende bereits zum 48. Mal statt. «In zwei Jahren feiern wir unser 50-Jahr-Jubiläum», freut sich Vereinspräsident Hans Altdorfer aus Sirnach. Viel weiter vorausdenken und planen will der passionierte Sammler und Verkäufer längst vergangener Welten jedoch noch nicht, denn «es kommen immer weniger Leute zu solchen Ausstellungen, was auch daran liegt, dass vielen Mineralienvereinen in der Schweiz der Nachwuchs fehlt».

Einen tiefergehenden Grund hat der Sirnacher auch dafür schon ausgemacht: «Die Schulen lehren doch heute gar keinen richtigen Geologie- und Geografieunterricht mehr, welcher die Schüler für die Schönheit der Steine begeistern könnte, sondern vermischen einfach alles im Fach Realien. Das muss heute reichen, was wiederum auf unsere Kosten geht», beklagt sich Altdorfer.

Die meist glitzernden Mineralien sorgen für eine bunte Farbpalette.

Die meist glitzernden Mineralien sorgen für eine bunte Farbpalette.

Dabei hätten doch gerade Kinder ein unverkrampftes Verhältnis zur Natur und insbesondere den Steinen. Denn praktisch alle wissen doch aus der eigenen Erfahrung, dass es für kleine Mädchen und Jungs kaum etwas Schöneres als einen bunten Stein gibt, den man in der Hosentasche mit sich tragen und immer dann hervorkramen kann, wenn einem gerade mal danach ist.

Wie ein lebender Anachronismus

Und doch: In einer schnelllebigen Zeit wie der unsrigen, in der sich binnen weniger Jahre durch den Computer und die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft scheinbar mehr verändert hat als in ganzen analog vorangeschrittenen Erdzeitaltern zuvor, mutet eine Ausstellung wie die der Mineralienfreunde Wil fast wie ein lebender Anachronismus an. Opale, Bergkristalle, Lapislazuli, Malachite: Auf vielen Tischen stehen die kleinen und grossen Steine liebevoll sortiert und beschriftet und warten auf ihre Käuferinnen und Käufer. Von denen gibt es noch einige, aber längst auch nicht mehr so viele wie vor wenigen Jahrzehnten.

Wer hierherkommt, tut dies meist schon sehr lange – und weiss ganz genau, was er oder sie hier sucht. Ein jüngeres Paar hat eigens eine Streichliste mitgebracht, die sie zielstrebig abhaken. «Wir schauen zuerst, dass wir die Opale kriegen, wegen denen wir eigentlich hierhergekommen sind. Danach bleibt uns zum Anschauen der restlichen Steine noch genug Zeit», setzt die Frau in einer Welt des Glanzes und Wunder aus dem Erdreich klare Prioritäten. Und vielleicht ist das gar nicht mal schlecht. Denn genug zu sehen gab es an den beiden Tagen wahrlich. Zum Beispiel unter anderem eine sehr wertvolle Sammlung an versteinerten Seeigeln aus helvetischer Provenienz, deren Exponate bis zu 170 Millionen Jahre alt sind.