Kolumne
Gleichauf mit Karin Keller-Sutter

Es ist ein unerschöpflicher Fundus an Daten: der Online-Auftritt des Bundesamtes für Statistik (BFS). Und er regt zu philosophischen Exkursen an.

Tobias Söldi
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Zahlen, Zahlen und noch mehr Zahlen: Heutzutage werden viele Bereiche des Lebens vermessen. (Bild: Fotolia)

Zahlen, Zahlen und noch mehr Zahlen: Heutzutage werden viele Bereiche des Lebens vermessen. (Bild: Fotolia)

Die zahlenaffinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesamtes für Statistik haben jedes noch so nebensächliche Thema in einer Statistik erfasst und in unumstössliche Zahlen gegossen: von der Anzahl Medien in der grössten Schweizer Bibliothek (10'764'433 in der Universitätsbibliothek von Lausanne), über die Zahl der Japaner, die 2018 auf Schweizer Campingplätzen übernachtet haben (250), bis zur durchschnittlichen Klassengrösse in den Sekundarschulen des Kantons St.Gallen (17,7).

Auch Wil ist vermessen worden, wenn auch nicht alle Zahlen mehr ganz taufrisch sind: So hat 2017 ein Haushalt mit einem monatlichen Haushaltseinkommen zwischen 8001 und 12'000 Franken durchschnittlich 1,47 Fahrzeuge in der Garage stehen – Fahrräder inklusive. Mit Töff und Autos fahren die Wilerinnen und Wiler pro Tag in 36,2 Minuten durchschnittlich 27 Kilometer.

Die Welt in Zahlen

Der Zahlenwahn unserer Zeit macht bekanntlich auch vor der eigenen Person nicht Halt. Man denke an Uhren, welche unsere Schritte zählen, die unseren Puls messen und berechnen, wie viele Kalorien wir verbrennen. Oder an unser Verhalten in der Online-Welt, das sich, in Datensätzen abgebildet, in bare Münze für Datensammler verwandelt.

Man könnte stundenlang verweilen auf der Website des BFS, sich verlieren in diesem Labyrinth von Zahlen, Datensätzen, Kuchendiagrammen und noch mehr Zahlen. Sich ganz dem erhebenden Gefühl hingeben, dem Chaos der Welt mit Ordnung und Struktur die Stirn zu bieten.

Der Einzelfall geht in der Masse auf

Denn das ist wohl der Grund für die Faszination an Statistiken: Zahlen machen die Welt auf einfache Weise greif- und fassbar. Der Einzelfall – zu individuell und zu komplex, um ihm gerecht zu werden – geht auf in einer gesichtslosen, gleichförmigen Masse.

Es ist auch ein Prozess der Angleichung, Unterschiede lösen sich auf zu Gunsten eines gemeinsamen Merkmals. Und dann stehen plötzlich alle auf derselben Ebene – die eigene Person, Karin Keller-Sutter, Roger Federer und Büne Huber. Jeder ist nur noch einer von 8'484'130. Zumindest für den flüchtigen Moment dieses Gedankengangs.