Gleich viele Bisherige wie Sitze

Das Wiler Stadtparlament wird auf die neue Legislatur von 45 auf 40 Mitglieder reduziert. Am 25. September stellen sich 159 Kandidierende der Wahl in die Legislative. Die Stärkenverhältnisse der Parteien dürften etwa gleich bleiben.

Philipp Haag
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Schaffen alle wieder antretenden Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier bei der Wahl am 25. September die Bestätigung, wird ab dem nächsten Jahr kein neues Gesicht in der Tonhalle anzutreffen sein. Im Gebäude unterhalb der Wiler Altstadt finden die Sitzungen der Legislative statt. 40 amtierende Volksvertreter stellen sich der Erneuerungswahl. Dies entspricht exakt der Anzahl Sitze, welche die Wilerinnen und Wiler in einer Woche mit ihrer Stimme besetzen können. Der Grund für die ungewöhnliche Ausgangslage liegt in einer Verkleinerung des Parlaments um fünf Sitze. Die Reduktion der Anzahl Sitze haben die Wiler Stimmberechtigten beschlossen, als sie im vergangenen Februar die neue, auf Anfang des nächsten Jahres in Kraft tretende Gemeindeordnung guthiessen.

Norbert Hodel scheidet aus

Von den Bisherigen verzichten fünf auf eine Wiederwahl: Prominentester Abgang ist Norbert Hodel (parteilos, früher FDP, zuletzt SVP-Fraktion, Wil), der nun seit 20 Jahren Mitglied des Parlaments ist. Auch Franz Mächler (parteilos, früher GLP, zuletzt CVP-Fraktion, Wil), Eugen Melliger (FDP, Bronschhofen), Kilian Meyer (SP, Wil) und Sonja Ruckstuhl (CVP, Rossrüti) treten nicht mehr an.

Insgesamt bewerben sich 159 Personen auf neun Listen für einen Sitz im Parlament. 129 stammen aus Wil, 18 aus Bronschhofen und 10 aus Rossrüti. Zwei Kandidierende sind ausserhalb wohnhaft. Mit Abstand am meisten Bewerbende stellen die Grünen Prowil mit 36. Gefolgt von der SP/Juso, der CVP und den Jungen Grünen mit jeweils 20. Die FDP schickt 17 Nominierte ins Rennen, die GLP 16, die SVP 12, die Jungfreisinnigen 10 und die EVP 8. Die Grünen Prowil gehen mit den Jungen Grünen eine Listenverbindung ein, die FDP mit den Jungfreisinnigen. Bei den neuen Kandidierenden stechen zwei Namen besonders hervor: Patrick Hilb (BDP, auf der Liste der GLP) und Ruth Schelling, ebenfalls auf der Liste der Grünliberalen. Hilb sass für die BDP im Kantonsparlament, wurde im vergangenen Februar allerdings abgewählt. Ruth Schelling war als Vertreterin der SVP bereits um die Jahrtausendwende Mitglied des Wiler Parlaments. Nach einer Auseinandersetzung mit dem damaligen Fraktionspräsidenten wurde sie aus der Partei ausgeschlossen. Vier Kandidierende sind Mitglied im Kantonsrat: Guido Wick (Grüne Prowil), Ursula Egli (SVP, neu), Erwin Böhi (SVP) und Jigme Shitsetsang (FDP, neu).

CVP dürfte stärkste Kraft bleiben

Trotz der Reduktion dürften sich die Verhältnisse bei der Parteienstärke durch die Erneuerungswahl nicht gross verändern. Stärkste Kraft ist bis anhin die CVP mit 14 Vertretern. Es ist anzunehmen, dass sie auch in der neuen Legislatur die grösste Fraktion im Parlament stellt. Dahinter folgen heute ex aequo die SP, die FDP und die SVP mit jeweils acht Politikern, wobei bei der SVP der parteilose Norbert Hodel der Fraktion angehört. SP und FDP dürften sich in der neuen Amtszeit wiederum als zweit- und drittstärkste Partei hinter der CVP einreihen. Die Grünen Prowil/Jungen Grünen verfügen gegenwärtig über fünf Stadtparlamentarier. Gut möglich, dass sich die Grünen Prowil und die SVP bei der Anzahl Mandate annähern. Die SVP verfügt zwar seit den Wahlen ins Bundesparlament vom vergangenen Herbst sowie den Wahlen in den Kantonsrat von diesem Februar, bei denen sie jeweils als klare Siegerin hervorging, über einen starken Rückenwind. In Wil hat die SVP allerdings in der zu Ende gehenden Amtszeit mehr mit Wirren und Skandälchen als mit politischer Arbeit von sich reden gemacht. Sarah Bösch bot ein schweizweit Schlagzeilen machendes Kurzgastspiel, und der mittlerweile aus der Partei ausgetretene Mario Schmitt musste sich wegen Rassendiskriminierung vor Gericht verantworten. Die Grünen Prowil hingegen fallen als aktive Partei auf. Deren Mitglieder vertreten zwar einen kritischen Oppositionskurs, ihr Vorgehen ist jedoch meist sachlich und fundiert. Dass ein Exponent vermehrt mit Beschwerden an den Kanton und weitere Instanzen gelangt, stösst bei der Bevölkerung hingegen nicht nur auf Gegenliebe.

Die GLP stellt mit Erika Häusermann eine Vertreterin in der Legislative. Es ist gut möglich, dass die Grünliberalen komplett aus dem Parlament ausscheiden, da die Partei national und kantonal eine Baisse durchläuft und auf kommunaler Ebene nicht besonders auffällt. Dass die BDP in der Person von Patrick Hilb den Einzug ins Parlament schafft, ist eher unwahrscheinlich. Die Partei ist in Wil so gut wie inexistent.