Giftpflanze
Fieber, Schweissausbrüche, Brandblasen: Giftiger Riesen-Bärenklau in Rickenbach gesichtet – Gemeinde geht mit Schutzkleidung gegen Neophyt vor

In Rickenbach ist ein Riesen-Bärenklau gesichtet worden. Die rund drei Meter grosse Pflanze ist hochgiftig. Bereits eine kleine Berührung kann im schlimmsten Fall zu schweren Verbrennungen führen. Die Gemeinde hat dementsprechend schnell gehandelt.

Alain Rutishauser
Drucken
Ein Arbeiter versprüht ein Herbizid auf die Blätter des Riesen-Bärenklaus. Bei Berührung kann die giftige Pflanze Hautreizungen bis hin zu Verbrennungen verursachen.

Ein Arbeiter versprüht ein Herbizid auf die Blätter des Riesen-Bärenklaus. Bei Berührung kann die giftige Pflanze Hautreizungen bis hin zu Verbrennungen verursachen.

Symbolbild: Patrick Pleul/Keystone

Er ist schön anzuschauen. Doch wer ihn berührt, kann Fieber, Schweissausbrüche oder Brandblasen bekommen. Der Riesen-Bärenklau, ursprünglich aus dem Kaukasus und erstmals 1850 in der Schweiz gesichtet, ist hochgiftig und steht auf der Schwarzen Liste der invasiven Neophyten des Bundesamts für Umwelt.

Und er wurde kürzlich in Rickenbach gesichtet. Dies berichteten die «Wiler Nachrichten». «Die Hauptgefahr geht vom Saft der Pflanze aus. Gelangt dieser auf die Haut, kann er mit dem Sonnenlicht reagieren», sagt Natalie Messner von der Fachstelle Biosicherheit des Kantons Thurgau. Dabei könne der Riesen-Bärenklau einen unangenehmen Hautausschlag bis hin zu schweren Verbrennungen auslösen.

Ivan Knobel, Gemeindepräsident von Rickenbach.

Ivan Knobel, Gemeindepräsident von Rickenbach.

Bild: PD

«Uns wurde gemeldet, dass ein Riesen-Bärenklau beim Alpbach gesichtet wurde», sagt Ivan Knobel, Gemeindepräsident von Rickenbach, auf Anfrage dieser Zeitung. Glücklicherweise sei die Pflanze für Fussgängerinnen und Fussgänger schwer erreichbar, sodass es eher unwahrscheinlich sei, dass jemand mit dem Riesen-Bärenklau in Kontakt komme.

Pflanze ist am Montagmorgen vernichtet worden

Dennoch begaben sich Arbeiter des Werkhofs am Montagmittag zum Alpbach, um die giftige Pflanze zu entfernen. Knobel sagt:

«Sie trugen Handschuhe, Pullover und Kappe, um Hautkontakt tunlichst zu vermeiden.»

Der Riesen-Bärenklau sei samt Wurzel in einen Abfallsack gepackt worden und nun auf dem Weg in die Kehrichtverbrennung, wo die Pflanze vernichtet werde. Messner von der Fachstelle Biosicherheit fügt an: «Wir empfehlen, den Standort in den Folgejahren weiterhin zu beobachten und im Bedarfsfall die neu gewachsenen Pflanzen ebenfalls zu bekämpfen.»

Die schweizerische Konferenz der Vorsteher der Umweltschutzämter (KVU) empfiehlt, noch im gleichen Jahr sicherzustellen, dass keine blühenden Pflanzen mehr auftreten. Weiter schreibt das KVU: «Eliminierte Bestände müssen während mindestens fünf Jahren auf Neuaustriebe oder frisch gekeimte Jungpflanzen kontrolliert werden.»

Wie vorgehen bei einem Neophyten-Fund?

Invasive Neophyten, besonders gesundheitsschädliche, sind unverzüglich bei der Gemeinde zu melden, bestenfalls bei der zuständigen Ansprechperson. «Diese wird den gemeldeten neuen Standort verifizieren, falls noch nicht erfolgt, kartieren und die Bekämpfung einleiten», sagt Natalie Messner von der Fachstelle Biosicherheit des Kantons Thurgau.

Die Neophyten-Karte des Kantons St.Gallen und die Neophyten-Karte des Kantons Thurgau zeigen auf, wo welcher Neophyt gesichtet wurde und ob er bereits beseitigt wurde.

Messner sagt: «Im besten Fall erfolgt die Bekämpfung, bevor sich Samen ausbilden können.» (alr)

Bereits vor zwei Jahren wurde ein Riesen-Bärenklau in Rickenbach gesichtet und beseitigt. Nach einem solchen Fund beginnt jeweils ein Wettlauf gegen die Zeit. «Denn die Krux bei Neophyten ist, dass sie sich sehr schnell ausbreiten und einheimische Pflanzen verdrängen. Daher muss man der Pflanze zuvorkommen und sie beseitigen», sagt Knobel. Immerhin: Der Riesen-Bärenklau sei die einzige bekannte Giftpflanze, die in Rickenbach bisher gesichtet worden sei.

Der Riesen-Bärenklau beim Alpbach in Rickenbach wurde mittlerweile beseitigt.

Der Riesen-Bärenklau beim Alpbach in Rickenbach wurde mittlerweile beseitigt.

Bild: PD

Nach dem Einkauf den Riesen-Bärenklau entdeckt

Der aktuelle Fund wurde von Marina Reiner-Sabljo entdeckt. Sie betreibt eine Blütenheilpraxis in Rickenbach und ist daher stets auf der Suche nach speziellen Pflanzen, um Tinkturen herzustellen. Sie sagt:

«Eines Tages kam ich nach dem Einkauf am Alpbach vorbei und entdeckte zufällig die Pflanze am Ufer. Sie ist riesig, bestimmt drei Meter hoch.»

Anschliessend wandte sich Reiner-Sabljo sofort an die Gemeinde. Sie sei froh, habe man sich dort derart schnell um das Problem gekümmert. «Nun hoffe ich, dass sich der Riesen-Bärenklau nicht bereits weiter ausgebreitet hat.»