Gewitter verursacht Millionenschäden

REGION. Das heftige Gewitter, das am Sonntagabend kurz nach 17 Uhr über die Region Wil hereingebrochen ist, hat in aller Deutlichkeit die Kraft der Natur vor Augen geführt.

Hans Suter
Merken
Drucken
Teilen
Rickenbach: Der Krebsbach läuft über, das Wasser fliesst links in die SBB-Unterführung und rechts in das Kulturland. (Bild: Beat Widmer)

Rickenbach: Der Krebsbach läuft über, das Wasser fliesst links in die SBB-Unterführung und rechts in das Kulturland. (Bild: Beat Widmer)

REGION. Das heftige Gewitter, das am Sonntagabend kurz nach 17 Uhr über die Region Wil hereingebrochen ist, hat in aller Deutlichkeit die Kraft der Natur vor Augen geführt. Die Gewässer und Kanalisationen konnten die Wassermassen der sintflutartigen Regenfälle schon nach kurzer Zeit nicht mehr aufnehmen und liefen über. So bahnte sich das Wasser neue Wege, über Wiesen und Strassen, in Keller, Unterführungen, Läden und Lagerräume. Zurück bleibt ein Bild der Zerstörung.

Bronschhofen stark betroffen

Besonders betroffen waren die Wiler Stadtteile Bronschhofen und Rossrüti, aber auch Wil selber sowie Rickenbach und weitere Gemeinden. In Bronschhofen trat der Maugwilerbach über die Ufer und überschwemmte den Dorfkern. In Rossrüti verwandelten Krebs- und Furtbach Strassen in reissende Flüsse. Um etwa 17.30 Uhr fiel der Strom vollständig aus, nachdem Wasser in das zentrale Elektrizitäts-Unterwerk eingedrungen war. Die Technischen Betriebe Wil (TBW) konnten Rossrüti ab 22.30 Uhr mittels mehrerer Notstromgruppen Schritt um Schritt wieder provisorisch mit Strom versorgen. In Rickenbach trat der Krebsbach über die Ufer. Die Wassermassen füllten innert weniger Minuten die SBB-Unterführung an der Bachstrasse mit Wasser. Zwei angrenzende Liegenschaften wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Gemeindehaus drangen die Wassermassen in den unterirdischen Archivraum vor und richteten erheblichen Schaden an. In mehreren Ortschaften wurden Keller, Unterführungen, Strassen und Kulturland überflutet.

250 Kubikmeter Geröll auf A1

Die Autobahn A1 in Fahrtrichtung Zürich musste zwischen Wil und Münchwilen vollständig gesperrt werden. Ursache war der Krebsbach, der in einem sogenannten Düker unter der Autobahn hindurch in Richtung Rickenbach geführt wird. Da der Düker die Wassermassen nicht aufnehmen konnte, trat der Krebsbach bei der Firma Larag über die Ufer und bahnte sich einen neuen Weg hinunter zur Autobahn. Die Böschung wurde durch die Wassermassen regelrecht weggespült. Innert kurzer Zeit wurden 250 Kubikmeter Geröll auf die A1 geschwemmt, wo es in einer Höhe von 50 bis 60 Zentimeter liegen blieb. Die Behinderung führte zu stundenlangen Staus in der Region Wil. Verletzte gab es keine. Während der Nacht wurde die A1 weitgehend von Schlamm und Geröll befreit. Bis in die späten Morgenstunden war die A1 Richtung Zürich nur einspurig befahrbar.

Nachbarschaftshilfe geleistet

Laut Andreas Dobler, Kommandant des Sicherheitsverbundes Region Wil (SVRW), standen der SVRW und die TBW mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Insgesamt arbeiteten acht Feuerwehren mit 120 Personen und 25 Fahrzeugen sowie zwei Zivilschutzorganisationen mit 40 Mann mit. Unterstützung leisteten die Feuerwehren Jonschwil-Schwarzenbach, Kirchberg, Oberbüren, Oberuzwil, Uzwil und Rapperswil-Jona sowie der Sicherheitsverbund der Region Gossau. Ebenso wurde der zivile Führungsstab aufgeboten. Insgesamt mussten die Einsatzorganisationen 380 Alarmmeldungen bewältigen. Über das Ausmass der Schäden lässt sich erst spekulieren. Klar ist, dass die Summe mehrere Millionen Franken betragen wird. Experten der Versicherungen haben gestern mit der Schadenaufnahme und Bilanzierung begonnen.

Es wird langsam Nacht. Die Wassermassen haben die Unterführung in einen See verwandelt, Keller und ein Auto unter Wasser gesetzt.

Es wird langsam Nacht. Die Wassermassen haben die Unterführung in einen See verwandelt, Keller und ein Auto unter Wasser gesetzt.

Am Tag danach: Das Wasser hat sich zurückgezogen, es zeigt sich das Ausmass des Schadens. Das Auto steht wieder auf dem Boden. (Bilder: Hans Suter)

Am Tag danach: Das Wasser hat sich zurückgezogen, es zeigt sich das Ausmass des Schadens. Das Auto steht wieder auf dem Boden. (Bilder: Hans Suter)

Bronschhofen: Der Maugwilerbach hat im Dorfkern eine private Zufahrtsstrasse bis zur Mitte weggespült.

Bronschhofen: Der Maugwilerbach hat im Dorfkern eine private Zufahrtsstrasse bis zur Mitte weggespült.

Verstopft: Kein Durchkommen. (Bild: Quelle: Facebook)

Verstopft: Kein Durchkommen. (Bild: Quelle: Facebook)

Am Tag danach im Dorfzentrum: Schlamm, wohin das Auge reicht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Tag danach im Dorfzentrum: Schlamm, wohin das Auge reicht. (Bild: Hanspeter Schiess)

Autobahn A1: Etwa 250 Kubikmeter Erdreich und Geröll wurden auf die Fahrbahn gespült. (Bilder: Hans Suter)

Autobahn A1: Etwa 250 Kubikmeter Erdreich und Geröll wurden auf die Fahrbahn gespült. (Bilder: Hans Suter)

Das Wasser floss vom überquellenden Krebsbach auf die Autobahn. (Bild: Quelle: Facebook)

Das Wasser floss vom überquellenden Krebsbach auf die Autobahn. (Bild: Quelle: Facebook)

Problem Düker: Zu wenig Fassungsvermögen unter der A1. (Bild: Hans Suter)

Problem Düker: Zu wenig Fassungsvermögen unter der A1. (Bild: Hans Suter)

Die Autobahneinfahrt West versank in Wasser und Schlamm. (Bild: Marcel Bühler)

Die Autobahneinfahrt West versank in Wasser und Schlamm. (Bild: Marcel Bühler)

Mit einem Bagger wird der Abfluss in den Düker gereinigt. (Bild: Jörg Roth)

Mit einem Bagger wird der Abfluss in den Düker gereinigt. (Bild: Jörg Roth)

Rossrüti: Die Konstanzerstrasse nach Wil wurde zum reissenden Fluss. (Bild: Quelle: Facebook)

Rossrüti: Die Konstanzerstrasse nach Wil wurde zum reissenden Fluss. (Bild: Quelle: Facebook)

Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg mit Gewalt. (Bild: Hans Suter)

Die Wassermassen bahnten sich ihren Weg mit Gewalt. (Bild: Hans Suter)