Gewerbeverein denkt an Fusion

An der HV des Gewerbevereins Wil und Umgebung stand die geplante Gemeindefusion im Mittelpunkt. Im Jahresbericht erwähnte Präsident Guido Kohler die Nachhaltigkeit in Technik und Politik sowie der daraus zu schöpfenden Zuversicht.

Silvan Meile
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«Wir haben mittlerweile das Problem, nicht mehr genügend grosse Säle in der Stadt zu haben», erwähnte Präsident Guido Kohler einleitend zur Hauptversammlung des Gewerbevereins Wil und Umgebung im voll besetzten katholischen Gemeindezentrum. 172 Gewerbetreibende haben sich zum Anlass angemeldet. Sofort leitete Kohler dann mit den Worten «Heiratet nun die Schnecke den Bär?» zum Thema des kurzen Podiums über die geplante Gemeindefusion zwischen Wil und Bronschhofen über. Unter der Leitung von Kantonsrat Armin Eugster (CVP) legten die beiden Stadtparlamentarier Norbert Hodel (FDP) als Befürworter und Klaus Rüdiger (SVP) als Gegner ihre Standpunkte zum Politikum dar.

«Das Volk denkt anders»

Rüdiger malte das Bild der Heirat weiter und wies darauf hin, dass bei der geplanten Gemeindefusion keine nachträgliche Trennung mehr möglich sei. Vor der Grundsatzabstimmung im Sommer seien noch zu viele Fragen offen. Etwa wo die finanzielle Entwicklung der fusionierten Gemeinde hinführe. Oder was Leistungsanpassungen im Bereich der Bildung, des öffentlichen Verkehrs oder etwa der Veloinitiative konkret für Auswirkungen mit sich bringen würden. Statt «die Katze im Sack zu kaufen», wolle man solche Fragen geklärt haben. Rüdiger sieht in dieser Fusion hauptsächlich den Kanton und die Gemeinde Bronschhofen als Gewinner. Der Kanton würde eine Ausgleichsgemeinde abgeben, Bronschhofen profitiere vom Wiler Steuerfuss. Wil hingegen würde als Verlierer Einbussen bei der Steuer-Attraktivität erleiden. Aus dem Publikum wurde die Frage gestellt, wieso die SVP zu diesem Thema bremse, wo doch nun der Volkswille gefragt sei und die Fusion den Wirtschaftsstandort stärken würde. Rüdiger verwies dabei erneut auf die Gefahr, dass Wil beim Steuerfuss geschwächt werden könnte.

Hodel seinerseits erklärte, dass er keine Bedenken zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden habe. Vielmehr zeigte er sich erfreut, dass der im Jahr 2005 eingereichte parlamentarische Vorstoss nun zu einer Volksabstimmung führt. Er teile die Haltung des Stadtrates und stehe hinter der Fusion, mit der sich Wil als Zentrumsgemeinde zwischen Winterthur und St. Gallen weiter stärkt. Dass die Volksabstimmung nicht wie geplant im Mai durchgeführt werden kann, bezeichnete er als «fiesen Trick» der SVP zusammen mit den «Linken und Grünen». Auf die Frage, ob das knappe Resultat in der Parlamentsabstimmung mit nur 19 Ja-Stimmen bei 40 Anwesenden und vielen Enthaltungen für eine positive Volksabstimmung reiche, äusserte Hodel grosse Hoffnung ins Volk zu haben. Wie bei der Debatte um den Steuerfuss sei er überzeugt, dass das Volk anders denke als das Parlament.

Offensichtlich zu keiner Diskussion Anlass gibt die Fusion der beiden Gewerbevereine von Wil und Bronschhofen. Fällt die Grundsatzabstimmung des Stimmvolkes über die Gemeindefusion positiv aus, würden sich die beiden Gewerbevereine bereits auf das Jahr 2012 zusammenschliessen, verkündete Präsident Kohler.

Lehrstellen in der Region

In seinem Jahresrückblick appellierte Kohler an Nachhaltigkeit als Grundlage für Zuversicht. Aus den Ereignissen in Japan müssten Lehren gezogen werden. Er hoffe auf die Lernfähigkeit, dass Nachhaltigkeit erkannt und umgesetzt werden kann und meinte dabei nicht nur die Technik, sondern auch eine Nachhaltigkeit in der Politik. Urs Litscher erläuterte im Anschluss ein Projekt, um Schulabgängern das lokale Gewerbe näherzubringen und sie in der Region beschäftigen zu können. Das Lehrstellenforum findet in diesem Jahr infolge Ausfall der Wufa während den Sommerferien wieder im Stadtsaal statt.

Im Vorstand stellten sich sämtliche Mitglieder zur Wiederwahl und sind wie Präsident Kohler einstimmig gewählt. Ausserdem wurde dem Vorschlag, Stefan Frick, Geschäftsführer von Auto Zollikofer in Rickenbach, als zusätzliches Vorstandsmitglied aufzunehmen, zugestimmt. Danach ging es zum gemütlichen Teil über, in dem Ruedi Wiesli für die kulinarischen und der Entlebucher Unterhalter «Schösu» für die humoristischen Einlagen zuständig waren.

Weitere Bilder • www.wilerzeitung.ch

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