GEWÄHLT: Den Blick nach vorne richten

Christof Oswald ist neuer Präsident der Arbeitgebervereinigung (AGV) der Region Uzwil. Er setzt auf den Werkplatz Schweiz und ist überzeugt, dass mit Anpassungsfähigkeit und Innovationen die Zukunft erfolgreich gestaltet werden kann.

Philipp Stutz
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Christof Oswald: «Der nichtparteipolitische, sachbezogene Diskurs ist mir wichtig.» (Bild: Philipp Stutz)

Christof Oswald: «Der nichtparteipolitische, sachbezogene Diskurs ist mir wichtig.» (Bild: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

«Es hat Tradition, dass Bühler als grösster Arbeitgeber der Region den Präsidenten stellt», sagt Christof Oswald. Er erkennt Handlungsbedarf, will etwas bewegen, engagiert sich stark für die Berufsbildung, ist ein Verfechter des dualen Bildungswesens. «Der nichtparteipolitische, sachbezogene Diskurs ist mir wichtig.»

Als grosse Herausforderungen erwähnt der neue Präsident der Arbeitgebervereinigung die Altersvorsorge, das Gesundheitswesen und die Ausländerpolitik. Er spricht von der Digitalisierung, die herausfordernd sei, gleichwohl Chancen biete und in die Ausbildung einfliessen müsse. Oswald erwähnt weiter lokale Themen wie die Verkehrsanbindung und die Steuern. Es sei wichtig, dass sich auch zahlungskräftige Steuerzahler in Uzwil ansiedeln und bestehende gehalten werden können. Der AGV, die vor allem mit Sponsoring in Erscheinung getreten ist, komme die Aufgabe zu, die gemeinsamen Interessen der Arbeitgeber wahrzunehmen. Die Attraktivität des Wohn- und Lebensraums der Region zu steigern, sei in den Statuten festgehalten, sagt Oswald: «Wir sind daran, eine Lagebeurteilung vorzunehmen und ein Programm auszuarbeiten, das die Stossrichtung für die Zukunft enthält.»

Zunehmende Regulierung bereitet Sorgen

«Die Konkurrenzfähigkeit der Ostschweizer Wirtschaft ist evident», betont Oswald. Dass die Staatsausgaben stärker steigen als das Wirtschaftswachstum, bereitet ihm Sorgen. Ebenso wie die zunehmende Regulierung. «Es ist unerträglich, welch bürokratische Belastungen auf uns zukommen.» Bühler exportiert 98 Prozent seiner Produkte ins Ausland. Um konkurrenzfähig zu bleiben, gelte es für die Industrie, weltweit qualitativ hochstehende Produkte und Leistungen anzubieten und innovativ zu sein. So investiert der Technologiekonzern jährlich über 100 Millionen Franken in Forschung und Entwicklung. «Wir müssen uns darauf besinnen, dass die Schweiz ein attraktiver Werkplatz ist», sagt Oswald. Er erwähnt die Wichtigkeit der steten Aus- und Weiterbildung, die Flexibilität der Arbeitneh- mer und deren Identifikation mit ihren Unternehmen. «Das sind Tugenden, die wir beibehalten müssen. Durchschnitt reicht nicht.»

Bühler ist ein bedeutender Arbeitgeber der Region. Christof Oswald erwähnt, dass in Uzwil jährlich über 200 Millionen Franken Lohnkosten anfallen. Noch vor 20 Jahren waren 50 Prozent der Mitarbeitenden aus der Region Uzwil, heute liege dieser Wert noch bei etwa 25 Prozent. «Unser Einzugsgebiet, in dem die Arbeitnehmenden wohnen, ist grösser geworden», sagt Christof Oswald. Es umfasse die Euregio Bodensee und den Raum Winterthur, Zürich und Schaffhausen.

Industrie und Gewerbe benötigen gute Fachkräfte

Der AGV geht es darum, einen Beitrag zu leisten für positive Rahmenbedingungen des Wohn- und Werkplatzes der Region Uzwil. So gilt es, sich den Entwicklungen der globalen Weltwirtschaft anzupassen. «Industrie und Gewerbe benötigen gut ausgebildete Fachkräfte. Fehlen diese, leiden die Leistungsfähigkeit und die Innovation.»

«Unternehmen dürfen nicht in Verteidigungsstellung verharren, sondern müssen mit innovativen Ideen aufwarten und den Blick in die Zukunft richten», ist Oswald überzeugt. Grundsätzlich nehme die Vergleichbarkeit der Unternehmen zu. Der harte Konkurrenzkampf könne auch zur Erosion der Margen führen. Unternehmen müssten sich deshalb überlegen, mit welchem Businessmodell sie erfolgreich sein wollen. Die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit ist in der Industrie seit Jahren eine grosse Herausforderung. Diese ist nun in die Dienstleistungen des Banksektors übergegangen und trifft auch den Detailhandel mit aller Härte.

Wie beurteilt Oswald den Inländervorrang, der vergangene Woche in den eidgenössischen Räten im Zusammenhang mit der Masseneinwanderungs-Initiative diskutiert worden ist? Die Politik befinde sich in einer schwierigen Lage und wisse zunehmend nicht, wie solche Initiativen erfolgreich umzusetzen seien. «Initiativen müssen vorgängig auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Dies würde die Akzeptanz solcher Beschlüsse stärken. Menschen müssen wissen, worüber sie eigentlich abstimmen», sagt der neue Präsident der AGV und bekundet keinerlei Verständnis für eine derartige «bürokratische Alibi-Demokratie», wie er das Vorgehen bezeichnet.

Trotz aller Kritik liegt Christof Oswald das Jammern fern. Er ist überzeugt, dass die Zukunftsprobleme durch Leistungsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit und Innovation gemeistert werden können.