GESUNDHEIT: «Wir impfen gesunde Kunden»

Impfen in der Apotheke ist seit dem 1. November dieses Jahres möglich. Eine Umfrage der Wiler Zeitung zeigt: Die Idee wurde von den Kunden angenommen und Apotheker sowie Ärzte sind vom Projekt überzeugt. Die Erwartungen sind nun hoch.

Thomas Riesen
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Ärzte wie Apotheker erhoffen sich durch die neue Impfmöglichkeit in Apotheken eine Erhöhung der Impfrate in der Bevölkerung. (Bild: PD)

Ärzte wie Apotheker erhoffen sich durch die neue Impfmöglichkeit in Apotheken eine Erhöhung der Impfrate in der Bevölkerung. (Bild: PD)

Thomas Riesen

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Im Kanton St. Gallen beteiligen sich zwölf Apotheken am Projekt. Drei bieten jedoch nur Impfberatung an. Eine der neun Impfstationen ist die Ameisen-Apotheke in Flawil. Seit November wurden etwa 60 Kunden geimpft. Inhaberin Dominique Bätscher bezeichnet das Angebot als wertvoll für alle, die keinen Hausarzt haben oder nicht krank sind – und deshalb nicht zum Arzt gehen wollen. «Wir impfen gesunde Kunden. Wer krank ist oder dauerhaft Medikamente einnehmen muss, den schicken wir zum Arzt.» Die fünftägige Weiterbildung haben drei Mitarbeiterinnen absolviert. Das sei zwar aufwendig, die Forderung aber berechtigt. Demgegenüber würden Apotheker bewusster als Medizinalperson wahrgenommen. Das sei wichtig für das Image. «Ich bin überzeugt, dass wir im Kanton St. Gallen bald ein flächendeckendes Angebot in den Apotheken haben.»

Der erste Ansturm ist bereits vorbei

Im Kanton Thurgau impfen vier Apotheken, während zwei sich auf die Beratung beschränken. Das vollständige Angebot bietet die Aadorf Apotheke Drogerie an. Zu Anfang sei das Interesse sehr gross gewesen, sagt Geschäftsführer Markus Schurr. Inzwischen habe es nachgelassen, der erste Ansturm für die Grippeimpfung sei vorbei. Bisher wurden in der Aadorfer Apotheke rund 40 Kunden geimpft. Die Weiterbildung haben er und seine Stellvertreterin absolviert. «Die Frage, ob sich das finanziell lohnt, stand beim Entscheid nicht im Vordergrund. Wir fanden es einfach spannend, etwas Neues zu machen, das auch noch sinnvoll ist.» Als Konkurrenz zum Hausarzt sieht Markus Schurr die Apotheken aber nicht. Sie würden vor allem gesunde Kunden zwischen 30 und 50 impfen, die keinen Hausarzt haben. «Die Ärzte können sich in dieser Zeit um wichtige Fälle kümmern.» Auch er geht davon aus, dass im Thurgau mehr Apotheken nachziehen und Impfungen – über kurz oder lang – flächendeckend angeboten werden.

Apotheker werden aufgewertet

Beim Apothekerverband St. Gallen/Appenzell wird die Entwicklung begrüsst. Präsidentin Yvonne Geiger hat sich für diese Entwicklung engagiert. Es räume den Apotheken neue Kompetenzen ein und werde an Bedeutung gewinnen, insbesondere wegen des Hausärztemangels. Unabhängig davon begrüsst sie es, wenn die Durchimpfungsrate weiter steigt. Als Grundlage bezeichnet sie das Vertrauen in die Apotheker: «Apotheker als Medizinalberuf wird aufgewertet.» Dem Projekt räumt sie grosse Chancen ein, weil die Dienstleistung während der Geschäftszeiten abrufbar sei – ohne Voranmeldung. Um eine Einnahmequelle gehe es aber nicht, schon aufgrund der hohen Weiterbildungskosten. Urs Graf, Vizepräsident des Thurgauer Apothekerverbandes, ist gleicher Meinung. Ergänzend betont er: «Im Vordergrund steht die Grippeimpfung.» Darüber hinaus hofft er, dass Krankenkassen zu einem späteren Zeitpunkt die Kosten übernehmen, so wie es die CSS mache, mit einer Zusatzversicherung.

Doch wie beurteilt man diese Entwicklung bei den Ärzten?

Zu kurzer Kontakt mit dem Klienten

Daniel Jud, Präsident der Ärztegesellschaft Thurgau, hofft, dass sich jetzt mehr Menschen impfen lassen: «Der Zugang wird erleichtert.» Ein mögliches Problem sieht er darin, dass der Kontakt von Apothekern zu den Impfkunden nur kurz sei und der Hausarzt seine Patienten besser kenne. Dass die Hemmschwelle mit der Impfmöglichkeit in Apotheken sinkt, begrüsst auch Ciril Hvalic vom regionalen Ärzteverein Fürstenland/Untertoggenburg. «Wer zum Arzt geht, fühlt sich krank, während man in der Apotheke einkauft.» Eine Konkurrenz zu den Hausärzten sieht er nicht, «denn über einen Arbeitsmangel können wir nicht klagen». Sie würden ohnehin die gleichen Ziele verfolgen – eine bessere Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten begrüsst er denn auch ausdrücklich.