GESUNDHEIT: Spitäler müssen sich selber heilen

Für die Spitäler Wil und Wattwil endete das Jahr 2016 mit einem Defizit. Die anderen Spitalregionen im Kanton St. Gallen weisen einen Gewinn aus. Woran krankt die Spitalregion Fürstenland Toggenburg?

Hans Suter
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Der neue Verwaltungstrakt (rechts) am Spital Wil ist im Mai bezugsbereit. Danach folgt der Um- und Ausbau des Notfallbereichs. (Bild: Hans Suter)

Der neue Verwaltungstrakt (rechts) am Spital Wil ist im Mai bezugsbereit. Danach folgt der Um- und Ausbau des Notfallbereichs. (Bild: Hans Suter)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Der gemeinsame Umsatz der beiden Spitäler Wil und Wattwil der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) belief sich im Jahr 2016 auf 100,1 Millionen Franken. Das sind 100000 Franken oder nur gerade 0,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist nicht alarmierend – im Gegensatz zum Betriebsergebnis: Nach einem Gewinn von 60000 Franken im Jahr 2015 resultierte ein Jahr später ein Verlust von 1,9 Millionen Franken. Wie ist das möglich?

Schwacher Start kann nicht mehr kompensiert werden

«Der Start ins Jahr 2016 gestaltete sich schwierig für die SRFT», begründet der Verwaltungsrat der Spitalverbunde. «In den ersten Monaten mussten Ertragseinbussen verzeichnet werden, die im Lauf des Jahres nicht ganz ausgeglichen werden konnten.» Hierzu hätten ein im ersten Quartal tiefer Schweregrad und ein Rückgang der Patientenzahlen in der Medizin im ersten Halbjahr geführt. Auch in der Gynäkologie und Geburtshilfe habe erst die Wiederbesetzung der Chefarztstelle durch Frank Liedke im April 2016 die Geburtenzahlen wieder deutlich steigen lassen. Nach dem schwachen Start seien umgehend Massnahmen zur Kostenoptimierung ergriffen und bereits geplante Angebotserweiterungen umgesetzt worden. Zusammen mit der Neubesetzung diverser Kaderarztpositionen habe so Mitte Jahr die Trendwende herbeigeführt werden können. Die Zahl der Patientinnen und Patienten habe mittlerweile wieder das übliche Niveau erreicht.

Strukturellen Problemen baulich begegnen

Mit der Anstellung eines Leitenden Arztes Urologie in Wattwil sei zudem ein neues Angebot geschaffen worden. «Das Unternehmensergebnis hat sich von Quartal zu Quartal verbessert und die guten Patientenzahlen setzen sich im ersten Quartal 2017 fort», äussert sich der Verwaltungsrat optimistisch zur SRFT. Sorgen bleiben dennoch. «In der SRFT haben wir den tiefsten Anteil an Patienten mit Zusatzversicherung. Das wirkt sich erheblich auf das Ergebnis aus», sagt René Fiechter, CEO der SRFT.

In Wattwil haben nur gerade 9,9 Prozent der Patientinnen und Patienten eine Zusatzversicherung für die halbprivate oder private Abteilung. Das liegt in erster Linie am ländlich geprägten Einzugsgebiet des Toggenburger Regionalspitals. In Wil liegt dieser Anteil bei 13,6 Prozent, während der gesamtschweizerische Durchschnitt heute etwa 25 Prozent beträgt. Wie lässt sich diesem Problem begegnen? «2018 wird die Erweiterung und Erneuerung des Spitals Wattwil abgeschlossen, während in Wil bis dahin die Erweiterung des Spitals für das Projekt ‹Notfall, Labor & Verwaltung› dem Betrieb übergeben werden kann. Von diesen Attraktivitätssteigerungen erhoffen wir uns einen positiven Effekt auf der Patientenseite», sagt René Fiechter. Die detaillierten Zahlen zum Geschäftsjahr 2016 werden im Monat Mai erwartet.