Gespräche bei Sebhi und Süssmost

Die Gemeinde Niederhelfenschwil organisierte einen Begegnungsapéro, bei dem die Bevölkerung in direkten Kontakt mit Asylsuchenden treten konnte. Diese Gelegenheit nutzten überraschend viele Einwohnerinnen und Einwohner.

Ernst Inauen
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Trotz sprachlicher Barrieren konnten Kontakte aufgenommen werden. (Bild: Ernst Inauen)

Trotz sprachlicher Barrieren konnten Kontakte aufgenommen werden. (Bild: Ernst Inauen)

ZUCKENRIET. Gespannt warteten am Mittwochabend die Verantwortlichen des Begegnungsanlasses im Foyer der Primarschule Zuckenriet auf kontaktfreudige Besucher. Auf dem Pausenplatz nutzten junge Asylsuchende vor dem Anlass die Freizeit für Wurftraining an der Korbballwand, bevor pünktlich die ersten Gäste eintrafen. Die einmalige Gelegenheit für einen kulturellen Austausch mit den fremden Mitbewohnern nutzten überraschend viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aus den Dörfern Zuckenriet und Niederhelfenschwil. Gemeindepräsident Simon Thalmann betonte bei der kurzen Begrüssung, dass für die Integration der Asylsuchenden das Erlernen der deutschen Sprache und die Kontakte mit der Bevölkerung wichtig seien.

Fremde Speisen und Kulturen

Für den Begegnungsapéro bereiteten die Frauen Spezialitäten aus ihren Heimatländern Eritrea und Syrien zu. Sie verwöhnten ihre Gäste zum Beispiel mit Engeta, einem scharfen Poulet-Gemüse-Eintopf, der mit Sebhi genossen wird, einem Omelette-ähnlichen Gebäck. Als syrische Leckerbissen wurden Melochia angeboten, Poulet mit Zitrone oder die feien Teigtaschen, gefüllt mit Thon und Gemüse oder mit einer Fleisch-Gemüse-Füllung. Die offerierten Getränke waren dann wieder eher schweizerisch: Süssmost, Mineral oder Glühwein. Mit grossem Interesse versuchte die einheimische Bevölkerung, mit den Asylsuchenden ins Gespräch zu kommen, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Einige junge Männer konnten bereits recht gut Deutsch. So auch der Eritreer Abel. Er wohnt seit einem Jahr in der Gemeinde. Mit Stolz erzählte er, dass er neben dem Deutschkurs auf seinem selber ersparten Handy die Sprache noch besser lerne. Bei ihm ist der Wille zur Integration sehr ausgeprägt. «Probleme haben wir untereinander trotz unterschiedlicher Herkunft und Kultur kaum», bestätigte der Afrikaner. In die Schweiz sei er über Libyen, eine Schifffahrt über das Mittelmeer und Italien geflüchtet.

Drei Frauen in der Betreuung

In der Gemeinde Niederhelfenschwil mit rund 3000 Einwohnern lebten bis vor kurzem 18 asylsuchende oder vorläufig aufgenommene Personen. Nach der Abreise von drei Personen werden im Dezember drei neue erwartet. Für die Betreuung der Asylsuchenden sind vor allem drei Frauen verantwortlich. Die Leiterin des kommunalen Sozialamtes, Patricia Kradolfer, ist für die formellen Angelegenheiten wie Wohnraumbeschaffung, das Finanzielle und Beschäftigung zuständig. Theri Steger kümmert sich um alltägliche Anliegen und Fragen der Asylbewerber. Sie ist je nach Bedarf mehrmals pro Woche im Einsatz. Seit September besuchen fast alle Personen den Deutschunterricht, den Jutta Neuweiler zweimal wöchentlich erteilt. «Bei unterschiedlichem Bildungsstand sind bei den Lernwilligen die Fortschritte mehr oder weniger schnell festzustellen. Entscheidend für den Erfolg ist aber besonders der Wille, die Sprache zu erlernen», stellt die Lehrperson fest.