Gespräch über Gott und die Welt

Ob über Geldgier oder Dreifaltigkeit: Auf seiner Webseite sinn-frage.ch publiziert der Wiler Walter Jakob theologisch- philosophische Internet-Korrespondenzen, die er mit dem Religionskritiker Hugo Stamm und dessen Blog-Besuchern führte.

Ursula Ammann
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Die Internet-Korrespondenzen sind nun 1:1 in Buchform erschienen. (Bild: uam.)

Die Internet-Korrespondenzen sind nun 1:1 in Buchform erschienen. (Bild: uam.)

WIL. W. Jakob@Hugo Stamm. «Mir fällt auf, dass Sie von Artikel zu Artikel immer arroganter werden und den Sohn Gottes und Gott selbst mehr und mehr auf die Anklagebank stellen. Massen Sie sich gar an, ein göttliches Wesen zu sein, so wie das in der Geschichte auch Kaiser, Könige und Generäle wähnten und von ihren Untertanen anbetende Unterwürfigkeit verlangten? (…)»

Hugo Stamm@W. Jakob. «Nein, ich will nicht sein wie Gott. Ich möchte das Elend nicht verantworten, das sich auf Erden abspielt. Mich packt höchstens eine Wut, wenn ich die salbungsvollen Worte im NT lese und die Schönwetterpredigten mancher Geistlichen höre. (…)»

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus einer Fülle von theologischen Gesprächen, die sich auf der Webseite von Walter Jakob aus Wil finden. Angefangen hat alles mit dem Blog des Religionskritikers und Journalisten Hugo Stamm. Walter Jakob kommentierte jeweils dessen Blog-Artikel und kam so nicht nur mit Stamm selbst, sondern auch mit anderen Bloggern ins Gespräch. Die Internet-Korrespondenzen publizierte er dann auf seiner Homepage. Vorausgehend befasst sich Walter Jakob – quasi im Selbstgespräch – mit der Willensfreiheit. Nun ist der Inhalt der Webseite 1:1 in einem Buch erschienen.

Atheismus am Pranger

Walter Jakob gehört der evangelischen Landeskirche an, kann sich aber auch mit dem Geist der Freikirchen identifizieren. Seine Standpunkte untermauert er meist mit Bibelstellen, gelegentlich aber auch mal mit einem Zitat von Sokrates. Für andere Religionsgemeinschaften – hauptsächlich den Islam – findet er auf seiner Homepage mehrmals kritische Worte. Doch noch weit mehr Kritik übt er am Atheismus, als dessen Guru er Hugo Stamm «entlarvt» hat. Auch wenn Walter Jakob überzeugt davon ist, dass das Evangelium für alle Menschen Gültigkeit hat, attestiert er auch dem Christentum eine Gewaltbereitschaft. So seien unter dem Deckmantel dieser Religion unzählige Gräueltaten verübt worden. Etwa die Kreuzzüge, die Gegenreformation, der Zweite Weltkrieg oder jüngst das Attentat des Norwegers Anders Breivik. Umso wichtiger erachte er es, zu den Wurzeln des Christentums zurückzukehren. Diese seien in der Gewaltfreiheit zu finden, sagt Jakob, der Jesus sein Vorbild nennt.

Zufrieden mit dem Echo

Mit der Veröffentlichung der Internet-Korrespondenz über die Webseite sinn-frage.ch hat Walter Jakob im Jahr 2006 begonnen. Er könne das Echo auf seine Webseite kaum fassen, sagt er. Gemäss Google soll seine Homepage weltweit regen Anklang gefunden haben. Dies hat ihn auch dazu veranlasst, die Internet-Korrespondenzen auch in Buchform zu veröffentlichen. Das Buch ist seit rund einem halben Monat unter demselben Titel im Handel.

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