Geschützter Baum weicht Neubau

Die Einsprachefrist ist abgelaufen, die Erteilung der Baubewilligung steht bevor. An der Poststrasse soll ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage entstehen. Dafür müssen Bäume weichen – darunter auch eine geschützte Rosskastanie.

Andrea Häuselr
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DEGERSHEIM. «Natürlich ist es schade um den alten Baumbestand», sagt Degersheims Bauverwalter Ernst Wessner, angesprochen auf die parkähnlichen Bäume auf der visierten Baulandparzelle über der Degersheimer Poststrasse. Geschützt seien diese jedoch nicht, deren Beseitigung ohne weiteres möglich. Im Gegensatz zur Linde im Kreuzungsbereich der Post- und Bahnhofstrasse sowie der Kastanienallee beidseits der Poststrasse. «Diese Bäume sind in der Schutzverordnung der Gemeinde aufgeführt.»

Eine der sieben Rosskastanien soll nun weg. Zugunsten einer vernünftigen Zu- und Wegfahrt zum geplanten Mehrfamilienhaus beziehungsweise der Tiefgarage, wie Ernst Wessner sagt. Dies sei, unter gewissen Voraussetzungen, auch zulässig. Dann nämlich, «wenn sich ein gewichtiges, das Interesse an der Erhaltung solcher Bäume überwiegendes Interesse nachweisen lässt». So steht es zumindest in der Schutzverordnung der Gemeinde Degersheim. Und weiter heisst es: «Für Lebensräume schutzwürdiger Tiere und Pflanzen ist in der Regel Realersatz zu leisten.» Ob im konkreten Fall ein «gewichtiges, das Interesse an der Erhaltung überlagerndes Interesse» besteht, sei auch eine Frage der Gewichtung von Argumenten, gibt Ernst Wessner unumwunden zu. Der gesetzliche Auftrag zu einem haushälterischen Umgang mit Bauland beziehungsweise einer Verdichtung nach innen gemäss neuem Raumplanungsgesetz stehe dem Erhalt eines unter Schutz stehenden Baums gegenüber, für den – in der Fortsetzung der Allee – Realersatz geleistet werde. Wessner relativiert auch: «Immer wieder kommt es vor, dass geschützte Bäume aus Sicherheitsgründen oder krankheitshalber gefällt werden müssen. Als Beispiel nennt er die Ulmen auf dem Postplatz. Was das Bauprojekt an der Poststrasse anbelangt, habe der Gemeinderat das letzte Wort. «Erteilt ist die Baubewilligung noch nicht.»

Auf dem Grundstück ist ein Mehrfamilienhaus mit acht rollstuhlgängigen Mietwohnungen sowie einer Tiefgarage projektiert. Für einen altersgerechten Ausbau eignet sich der Standort aufgrund der kurzen Gehdistanz zu den öffentlichen Verkehrsmitteln besonders.