Genesis ohne Stöpsel

Der Schotte Ray Wilson und seine Begleiter boten in der Zukunftsfabrik Münchwilen einen akustischen Querschnitt durch das Repertoire der britischen Band Genesis.

Albert Büchi
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Ray Wilson singt mit besonderer Intensität Genesis-Lieder. (Bild: alb.)

Ray Wilson singt mit besonderer Intensität Genesis-Lieder. (Bild: alb.)

münchwilen. Quizfrage: Sänger von Genesis? Zuerst Peter Gabriel, danach Phil Collins. Stimmt, ist aber dennoch nicht ganz richtig. Denn da gab es noch einen Dritten: Ray Wilson ersetzte 1996 Phil Collins, spielte mit der britischen Band das Album «Calling All Stations» ein und tourte mit ihr um die Welt. Dieser Ray Wilson trat nun im «Dance Inn» in der Zukunftsfabrik Münchwilen auf, begleitet von seinem Bruder Steve Wilson und dem polnischen Tastenmann Filip Walcerz.

Der Hinterthurgau war Ray Wilson nicht unbekannt, denn vor einigen Jahren konzertierte er in der inzwischen geschlossenen «Skihütte» Oberwangen.

Mit dem Publikumsaufmarsch von rund 100 Personen war Hans Brühwiler von der organisierenden Roots Events nicht vollends glücklich. Nachdem beim ersten Anlass mit Terry Evans und Joe Colombo der Saal voll gewesen war, erhoffte sich Brühwiler doch einen etwas grösseren Zuspruch. Das Datum nach Auffahrt sei vielleicht nicht ideal, mutmasste er.

Viele alte Hits

Bei seiner Begrüssung fragte Ray Wilson: «Munkwilen, is that ok?» Für einen Schotten sei dies doch ziemlich gut, gab er gleich selbst zur Antwort. Der Sänger und Gitarrist wandte sich im Laufe des Abends immer wieder ans Publikum und gab dabei auch Persönliches aus seinem Leben preis. So erzählte er, dass er mit 13 in einer Metal- und Punkband spielte hätte.

«Das kam sehr gut an bei den Frauen, was für einen Jüngling unheimlich wichtig ist», scherzte er, um sogleich ernst zu werden. Der Bassist der Band schied freiwillig aus dem Leben, was Wilson zum Komponieren des Liedes «Another Day» inspirierte. Dies war eines seiner eigenen Lieder. Den grössten Teil des Programms bildeten aber die vielen Hits der Gruppe Genesis.

Sie wurden von den Brüdern Ray und Steve Wilson an den Gitarren und Filip Walcerz am Keyboard rein akustisch, also ungestöpselt gespielt, was ihnen ein hohes Mass an Eigenständigkeit verlieh. Besonders eindrücklich war der Harmoniegesang der beiden Brüder.

Gleich weiter nach Polen

Ray Wilson interpretierte neben Genesis-Material auch Songs aus dem umfangreichen Repertoire der Bandmitglieder Peter Gabriel, Phil Collins und Michael Rutherford (Mike & The Mechanics) sowie seiner ehemaligen Band Stiltskin.

Dabei war auch Südafrika ein Thema. Allerdings nicht die Fussball-Weltmeisterschaft, sondern die Apartheid. Das von Peter Gabriel verfasste «Biko» über den schwarzen Menschenrechtler Steve Biko, der 1977 im Gefängnis starb, ging unter die Haut.

Im Lied «Another But Us» tröstete sich Ray Wilson selbst, indem er darauf hinwies, dass es immer jemanden gebe, der noch grössere Probleme habe.

Sein aktuellstes Problem lag darin, dass er gleich nach dem Konzert abreisen musste, stand doch am folgenden Tag ein Auftritt in Polen an.