Gemeinsam stärker werden

Mit einem vielseitigen Weiterbildungsangebot will die Evangelische Kirchenvorsteherschaft Münchwilen-Eschlikon überforderten Personen helfen.

Ruth Bossert
Drucken

MÜNCHWILEN. Sind Kirchgemeinden nur dafür da, den seelsorgerischen Bereich abzudecken, als Arbeitgeber zu fungieren, mit Finanzen zu jonglieren und ihre Gebäude zu verwalten? Erich Stör, Vizepräsident der Kirchenvorsteherschaft, schüttelt vehement den Kopf. «Das Leben fordert die Menschen heute stark: Stress, Krisen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Konflikte, veränderte Bedürfnisse, die Vielzahl der Medien und Kindererziehung sind nur ein paar der Stichworte, die Menschen aller Altersgruppen je länger, je mehr beschäftigen, oft überfordern, manchmal sogar krank machen.» Deshalb findet er, dass es auch Aufgabe der Kirche sein muss, Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten, zu stärken und ihnen Denkanstösse zu vermitteln, wie sie ihr Leben gelassener und erfüllter geniessen können. «Eine Möglichkeit dazu sind Erwachsenenbildungskurse», erklärt er bei einem Gespräch im Kirchenzentrum Münchwilen.

Eigenverantwortung stärken

Die Idee des Initianten, Erwachsenenbildungskurse anzubieten, kam bei seinen Kolleginnen und Kollegen der Kirchenvorsteherschaft gut an und entsprach der neuen Ausrichtung, die sich die Vorsteherschaft bei ihrem Antritt vor zwei Jahren gab. Nicht nur die Zahl der Gottesdienstbesucher am Sonntagmorgen sei das allein Seligmachende, erklärte Stör. «Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen, und das ist mitten im Leben.»

Entwicklung ist Arbeit

Wenn sich Menschen in der Spirale immer schneller und schneller drehen, werde es immer schwieriger, ihnen zu helfen, weiss auch Margrith Lenz, Eltern- und Erwachsenenbildnerin und Gesundheitsberaterin, aus ihren vielfältigen Erfahrungen. Deshalb findet sie es wichtig, im niederschwelligen Bereich, in Form eines Vortrages oder eines Kursabends den Menschen Denkanstösse zu vermitteln, die ihnen helfen, ihre eigene Situation näher anzuschauen, sich auszutauschen oder die Hürde, sich helfen zu lassen, anzupacken. Dadurch stärken wir die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, sagt Margrith Lenz. «Persönlichkeitsentwicklung hat immer etwas mit Arbeit zu tun, kann aber Spass machen und enorm befriedigen.» Zu merken, dass auch andere Menschen ähnliche Gefühle, Wünsche und Ängste haben, sei wohltuend und verbinde, ergänzt Stör. Deshalb ist er überzeugt, dass es auch einer Kirchgemeinde gut anstehe, Menschen in diesem Prozess zu unterstützen.

Für alle Altersgruppen

Für das laufende Jahr sind drei Themenkreise geplant. Geleitet werden diese von Margrith Lenz, welche in Wil eine eigene Praxis führt und an einer Schule als Schulsozialarbeiterin arbeitet. Gestartet wird am 3. April und 21. Mai mit einem zweiteiligen Kurs zur Entschleunigung, bei welchem sowohl Frauen und Männer jeglichen Alters angesprochen sind. Lenz erklärt: «An diesen zwei Kursabenden will ich die Anwesenden für eine positive, erfüllende Persönlichkeitsentwicklung sensibilisieren, bei der sie selber im Mittelpunkt stehen. Ich will aufzeigen, welche Bedeutung Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gesundheit, Grenzen setzen, Ressourcen aktivieren für unser Wohlergehen und für unsere Gesundheit haben können.»

Im Herbst werden Eltern mit Kindern vom Baby- bis zum Teenageralter dann zum Thema Brüllfalle angesprochen und schliesslich im November stehen die neuen, modernen Grosseltern im Mittelpunkt. Pro Abend wird ein Unkostenbeitrag von zehn Franken berechnet. Die Kurse finden im Kirchenzentrum in Münchwilen statt. Anmeldungen nimmt das Sekretariat entgegen.

Aktuelle Nachrichten