Gemeinsam gegen den Süden

REGION. Die Regionen nördlich, östlich und westlich des Flughafens Zürich sowie Gemeinden aus dem süddeutschen Raum bilden eine Allianz gegen mehr Fluglärm. Im Hinterthurgau strebt man den Status quo an, jedoch mit einer Einschränkung.

Simon Dudle
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Geht es nach den Gemeinden der Region Wil, dann starten Flugzeuge künftig über Mittag Richtung Süden, also über Zürich. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Geht es nach den Gemeinden der Region Wil, dann starten Flugzeuge künftig über Mittag Richtung Süden, also über Zürich. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Jetzt wird der Fluglärmstreit definitiv zu einem politischen Kräftemessen. Eine breite Front von 137 Gemeinden hat sich zusammengeschlossen und will damit ein kräftiges Zeichen setzen. Es sind Ortschaften, die geographisch nördlich, östlich und westlich des Flughafens liegen und den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Zürich, Schaffhausen und Aargau angehören. Auch Gemeinden aus dem süddeutschen Raum machen mit.

Sie fordern in erster Linie, Südstarts geradeaus von 10 bis 14 Uhr über Zürich einzuführen. Es soll ferner davon abgesehen werden, gekröpfte Anflugvarianten zur Entlastung des Südens von den morgendlichen Anflügen zu entwickeln. Und es sei auf Pistenausbauten zu verzichten, welche vermehrt Landungen aus Osten und Starts nach Norden zur Folge hätten.

«Berechtigte Ängste»

Es ist ein Vorhaben, das in der Region auf offene Ohren stösst. «Ich finde es sehr positiv, dass sich Gemeinden gemeinsam für eine faire Lösung einsetzen und konkrete Vorschläge unterbreiten», sagt Christoph Häne, Präsident des Vereins Regio Wil. Er ergänzt: «Die Menschen im Osten haben berechtigte Ängste und wissen nicht, was auf sie zukommt. Darum halte ich es für richtig, mit einem breitabgestützten Konsensvorschlag einen Befreiungsschlag zu tun.»

Auch Josef Imhof findet das gemeinsame Vorgehen eine gute Sache. Er ist Präsident des Bürgerprotests Fluglärm Hinterthurgau und sagt: «Wir akzeptieren den Fluglärm, wollen aber Rechtssicherheit, damit sich die Bevölkerung darauf einstellen kann.»

Nach der Präsentation dieses Positionspapiers blieb die Kritik nicht aus – zum Beispiel von der Stadt Zürich und umliegenden Gemeinden, die sich zur Wehr setzen wollen. Für Imhof ist das ein positives Zeichen: «Es wäre beunruhigend gewesen, wenn der Süden nicht reagiert hätte. Dann wäre nämlich alles politische Geplänkel gewesen, die Würfel wären gefallen.»

Bürgerprotest will mehr

Doch wie gross sind die Chancen, dass die 137 Gemeinden mit ihrem Anliegen durchkommen? «Das kann ich zurzeit zu wenig beurteilen. Die Fluglärmdebatte erhält damit aber eine neue Qualität. Die Haltung des Südens ist nicht die einzige Wahrheit. Diese liegt in einem grossen Konsens, zu dem alle beitragen müssen», sagt Regio-Wil-Präsident Christoph Häne. Auch Josef Imhof kann die Chancen auf Erfolg nicht recht einschätzen. «Uns stimmt aber positiv, dass wir in Bern nicht mehr auf taube Ohren stossen. Die Chancen stehen heute besser als noch vor zehn Jahren, als der Bürgerprotest gegründet wurde.» Die Organisation steht zwar hinter dem Positionspapier, die eigenen Interessen für den Hinterthurgau gehen aber noch einen Schritt weiter. Imhof möchte erreichen, dass abends ab 19 Uhr bis morgens um 7 Uhr keine Abflüge mehr über Hinterthurgauer Gebiet erfolgen – und die Landungen über dem Thurgau im Gleitanflug stattfinden. Das würde bedeuten, dass die Flugzeuge die Triebwerke lange vor der Landung drosseln und sie erst 15 Kilometer vor der Landebahn wieder brauchen.

In erster Linie gehe es laut Imhof aber darum, nun gemeinsam aufzutreten – und somit weitere Anflüge über dem Osten zu verhindern.

Christoph Häne Präsident Regio Wil (Bild: Simon Dudle)

Christoph Häne Präsident Regio Wil (Bild: Simon Dudle)

Josef Imhof Präsident Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau (Archivbild: Nana do Carmo)

Josef Imhof Präsident Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau (Archivbild: Nana do Carmo)