Gemeinsam Druck auf die SBB ausüben

Im St. Galler Kantonsrat wurde gestern eine Interpellation behandelt, die nach den Massnahmen zur Leistungssteigerung im Bahnkorridor Wil–St. Gallen fragte. Die Antwort der Regierung stiess bei den Interpellanten nicht nur auf Freude. Denn die erhofften Verbesserungen sind erst in der Vorprojektphase.

Hans Suter
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REGION. Peter Hartmann (SP, Flawil), Bruno Cozzio (CVP, Uzwil) und Claudia Martin (SVP, Gossau) erkundigten sich in ihrer Interpellation vom 23. Februar nach dem Stand der vom Bund und den SBB geplanten und bereits im Jahr 2009 beschlossenen Massnahmen zur Leistungssteigerung im Bahnkorridor Wil–St. Gallen. Ebenso erkundigten sie sich nach den Folgen der Verkürzung der Zugfolgezeiten auf das mögliche Verkehrsangebot der S-Bahn und im Fernverkehr.

Getroffene Massnahmen

Für die Einführung der S-Bahn St. Gallen mit zwei bis drei Regionalverkehrsprodukten im Abschnitt Wil–St. Gallen wurden gemäss Antwort der Regierung zur Bereinigung von akuten Trassierungskonflikten auf Ende 2013 erste Massnahmen umgesetzt. Einerseits seien die Zugfolgezeiten zwischen der S1 und dem Intercity durch den Umbau von Signalanlagen in Uzwil auf 3,2 Minuten und in Gossau auf 2,6 Minuten verkürzt worden. Anderseits hätten Zugfolgekonflikte kurzfristig nur durch die Aufhebung von S-Bahn-Halten in Schwarzenbach, Algetshausen-Henau und Bruggen beseitigt werden können. Die im Jahr 2009 beschlossene Verdoppelung des Fernverkehrsangebots Zürich–St. Gallen würden die SBB Ende dieses Jahres mit einem dritten stündlichen und Ende 2018 mit einem vierten stündlichen Zug umsetzen.

Nicht be- und verdrängen

Mit der Antwort der Regierung zeigten sich die Interpellanten teilweise zufrieden. Die Leistungssteigerungen auf der Strecke Wil–St. Gallen sind nach Auffassung der Interpellanten Voraussetzung, damit auf dieser Strecke zukünftig der Fernverkehr, der Regionalverkehr und der Güterverkehr ohne grössere Konflikte nebeneinander geführt werden können. «Sollten diese Leistungssteigerungen nicht umgesetzt werden, so be- und verdrängen sich die verschiedenen Angebote gegenseitig», gab Claudia Martin zu bedenken. Als Folge der Konkurrenz könnte der nötige Ausbau des öV in den nächsten Jahren nicht oder nur reduziert erfolgen.

Erst in Vorprojektphase

Die notwendigen Finanzen seien gesprochen. Es liege an den SBB, dass die Beschleunigungsmassnahmen und Leistungssteigerungen zeitgerecht umgesetzt würden. «Nachdenklich stimmt in diesem Zusammenhang, dass gemäss Antwort der Regierung die Verbesserungen erst in der Vorprojektphase sind», sagte Claudia Martin. «Die Mitglieder des Kantonsrates der Region zwischen Wil und Gossau verlassen sich auf die Aussagen der Regierung.» Sie zitierte aus der Stellungnahme der Regierung: «Die Verkürzung der Zugfolgezeiten ist zusammen mit der Beseitigung von Abkreuzungskonflikten in den Bahnhöfen zentral für die Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der Strecke.» Die Interpellanten erwarten, dass sich die Regierung für diese und weitere Verbesserungen und deren rasche Umsetzung einsetzt.

Stärken durch Gemeinsamkeit

Immer wieder schimmere in der Stellungnahme der Regierung durch, dass sich das Interesse der SBB auf andere Strecken konzentriere und sie sich nur unter Druck bewege. Diese Aussage gelte auch für andere Problemstrecken im Raum Ostschweiz. «Notwendig ist ein gemeinsames Auftreten des Wirtschafts- und Lebensraumes Ostschweiz. Nur so können wir unsere Interessen für eine positive Zusammenarbeit mit den SBB und damit die Weiterentwicklung des ÖV-Angebotes einbringen», sagte Claudia Martin. Für den bedeutenden Wirtschaftsraum zwischen Wil und Gossau sei die Anbindung an die Zentren Winterthur/Zürich sowie St. Gallen von grösster Bedeutung. «Wir bleiben mit den betroffenen Gemeinden am Ball und beobachten den Verlauf der Leistungssteigerungen.»