Zuzwiler Dorfbachsanierung: Gemeinderat präsentiert Grundlagen für den Abstimmungskampf

Das Abstimmungsgutachten zur Bachsanierung in Zuzwil liegt vor, der Variantenentscheid inklusive Baukredit steht bevor. Ab Freitag sind die Unterlagen auf der Gemeindehomepage aufgeschaltet.

Andrea Häusler
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Markus Brühwiler (Variante A), Gemeindepräsident Roland Hardegger und Christoph Rüegg, Amberg Engineering AG (Variante B) (Bild: Andrea Häusler)

Markus Brühwiler (Variante A), Gemeindepräsident Roland Hardegger und Christoph Rüegg, Amberg Engineering AG (Variante B) (Bild: Andrea Häusler)

«Am 20. Oktober wird über die Dorfbachsanierung abgestimmt – aufsichtsrechtliche Anzeige hin oder her.» An der gestrigen Medienorientierung gab sich Zuzwils Gemeindepräsident Roland Hardegger selbstbewusst. Obwohl das Verfahren weiterhin hängig ist, wie Gabriela Maag Schwendener, Leiterin Rechtsdienst im Departement des Innern, auf Anfrage sagt. Von einer Durchführung des Urnengangs gehe sie aus. Zum Danach hingegen wollte sie nichts sagen.

Die Beschwerde war Anfang Monat vom Ad-hoc-Komitee zur Rettung des Dorfbachs eingereicht worden. Die Begründung: Der Stimmbürgerschaft bleibe zur Meinungsbildung über das Hochwasserschutzprojekt Dorfbach zu wenig Zeit. Das Ziel: Die Aufhebungen der Urnenabstimmung.

«Die Abstimmungsdaten werden laut Gesetz von der Gemeinde festgelegt, nicht vom Kanton», machte Hardegger klar. Dieses verlange ausserdem die Zustellung der Unterlagen drei Wochen und deren Publikation vier Wochen vor der Abstimmung. Also: alles korrekt. «Ich bin nicht Jurist, kann jedoch das Gesetz lesen», sagte Hardegger, der nichtsdestotrotz auf eine rasche Reaktion aus St.Gallen hofft.

Abstimmungsunterlagen ab morgen publiziert

Abgestimmt wird also. Mit der Vorlage können sich die Stimmberechtigten bereits ab morgen Freitag auseinandersetzen: Dann sind sämtliche Unterlagen über die Gemeindewebsite abrufbar. Darin werden nicht nur die Vor- und Nachteile der beiden Varianten – Gerinneausbau oder Stollenlösung – im Detail erläutert und die Kosten aufgezeigt. Der Gemeinderat äussert sich ausserdem zu zahlreichen kritischen Fragen und Vorbehalten, die in dem Vorfeld insbesondere durch Vertreter des Ad-hoc-Komitees vorgebracht worden sind.

Meinungsbildung im Gelände

Damit Anwohner und die interessierte Bürgerschaft sich vor Ort ein Bild über die geplanten Hochwasserschutzmassnahmen und deren Auswirkungen auf das Erscheinungsbild Zuzwils machen können, will der Gemeinderat die Eingriffe im Gelände mit Pflöcken markieren. Am 21. und 28. September sollen dann begleitete Begehungen durchgeführt werden. Ausserdem findet am 25. September eine Informationsveranstaltung zur Abstimmung in der Schulhausturnhalle statt.

An der Urne werden die Stimmberechtigten entscheiden, ob sie generell in den Hochwasserschutz investieren wollen und wenn ja, welche der beiden Varianten sie bevorzugen. Gleichzeitig soll das Kreditbegehren abgesegnet werden. Die Empfehlung des Gemeinderats ist klar. Er favorisiert – im Gegensatz zum Ad-hoc-Komitee – die Variante A, den Gerinneausbau. Er begründet dies in erster Linie mit ökologischen Vorteilen, den Investitionskosten (ohne wasserbaulichen Mehrwert), den tieferen Unterhaltskosten sowie der Gleichbehandlung der Dörfer. Als weiteres Argument nennt er die Haltung von Bund und Kanton, deren Beiträge an die Stollenlösung prozentual tiefer ausfielen. Bei der Variante A entfielen auf die Gemeinde Restkosten von 3,3 Millionen Franken (ein Steuerprozent), bei der Variante B wären es 12,5 Millionen (vier Steuerprozente).

Variante A: Der Gerinneausbau

Die Variante A (Vorprojekt) sieht den Ausbau des Dorfbachs im Abschnitt Thur bis «Im Hag»auf einer Länge von 2,5 Kilometern mit einer Ausleitung im Gebiet Mettlen ins Wiesland und einer Rückleitung oberhalb von Weieren vor. Die zur Ableitung eines 100-jährlichen Hochwassers nötige Profilerweiterung wird durch eine Verbreiterung des Gerinnes und einer Absenkung der Sohle erreicht. Die Uferböschungen sollen bepflanzt und Mauern nur dort gebaut werden, wo es die Platzverhältnisse verlangen. Der Zugewinn an ökologisch hochwertigen Flächen wird mit 25 Prozent angegeben. Der Preis dafür ist, dass das Wasser aufgrund der Sohleabsenkung schlechter sichtbar ist.

Die Kosten inklusive des Ersatzes von zwölf Übergängen belaufen sich auf rund 8,1 Millionen Franken (Kostengenauigkeit +/-20 Prozent. Daran beteiligen sich Bund und Kanton mutmasslich mit 4,8 Millionen Franken. Der Gemeinde verblieben Nettokosten von 3,3 Millionen Franken. Perimeterunternehmungen und Private haben sich weder an den Kosten des Bachausbaus noch am Ersatz der Brücken zu beteiligen.

Die Variante wurde bereits im Jahr 2017 präsentiert und ist vom Kanton vorgeprüft. Dabei verlangte dieser zusätzliche Nachweise in den Bereichen Hydrogeologie, Bodenschutz, Gefahrenkarte, Bepflanzung, Gestaltung und Bewirtschaftung. Diese würden nach einem Ja an der Urne gemeinsam mit dem Bauprojekt und dem Antrag auf Subventionszusicherung nachgereicht. Der Gemeinderat empfiehlt diese Variante zur Annahme: aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen. (ahi)

Variante B: Der Entlastungsstollen

Kernstück der Variante B (Machbarkeitsstudie) ist ein unterirdischer Stollen zwischen der Tüfenwiesstrasse und dem Gebiet «Im Hag». Das Wasser soll hier in einem Stahlbetonrohr von 2,5 Metern Durchmesser geführt werden. Ab der Tüfenwiesstrasse bis zur Thur würde der Bach weiterhin oberirdisch geführt. Hier müsste ebenfalls das Gerinne ausgebaut werden. Die Studie sieht ein Einlaufbauwerk im Gebiet «Im Hag» sowie ein Auslaufbecken zur Vernichtung der kinetischen Energie des Wassers in Mettlen vor.

Die Variante B war auf Initiative des Ad-hoc-Komitees als Alternative abgeklärt worden. Dieses befürchtet, dass der Gerinneausbau in der Kernzone das Dorfbild beeinträchtigen könnte. Im Auftrag der Bürgerversammlung wurde schliesslich die Amberg Engineering AG, Sargans, mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Diese wurde im Juni 2019 vorgestellt und zeigt auf, dass ein Stollen trotz des heterogenen Baugrunds in einem geeigneten Rohrbauverfahren grundsätzlich möglich wäre.

Die Ausführung wird mit Kosten von 17,7 Millionen Franken veranschlagt. Dies bei einer Kostengenauigkeit von +/-30 Prozent. Von Bund und Kanton wären 5,2 Millionen Franken zu erwarten, wodurch auf die Gemeinde Nettokosten von 12,5 Millionen Franken entfielen.

Stimmte die Bevölkerung dieser Variante zu, müsste ein Vorprojekt erarbeitet werden. Voraussetzungen dafür wären weitere geologische und hydrogeologische Erkundungen der optimalen Linienführung sowie die Beurteilung der Grundwasserströmungen. Auch diese Variante wird vom Kanton als genehmigungsfähig beurteilt. (ahi)