Gelegenheit: Kloster zu verschenken

Heute Samstag gibt's in Wil ein «Kloster zu verschenken». Damit die «himmlische Ruhe» im und um das Kloster St. Katharina nicht verlorengeht, wurden am Freitag die «Makler» ins Prozedere eingeweiht. Darunter waren auch zwei Nonnen.

Christof Lampart
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Regisseurin und Chefin Annette Windlin (Bildmitte) gibt ihren «Maklern» auf einem Rundgang die letzten Anweisungen. (Bild: Christof Lampart)

Regisseurin und Chefin Annette Windlin (Bildmitte) gibt ihren «Maklern» auf einem Rundgang die letzten Anweisungen. (Bild: Christof Lampart)

WIL. Es ist frühlingshaft warm, die Sonne strahlt, aus der Kapelle des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in Wil dringt himmlischer Gesang. Im Klostergarten blühen wie auf Bestellung die Blumen. Das Setting für ein Erfolg versprechendes Verkaufsgespräch könnte kaum besser sein.

Mobiliar inklusive

Rund ein Dutzend Frauen und Männer – die meisten mit der Geschichte des Klosters recht gut vertraut – gehen die ungewohnte Immobilie professionell durch. «Wenn niemand anbeissen will, dann verweist auf das schöne Mobiliar. Zum Beispiel auf diesen Schrank aus dem 15. Jahrhundert», ruft die Chefin Annette Windlin. Die kleine, hagere und doch quirlige Frau mit den kurz geschorenen Haaren hätte im Mittelalter wohl eine gute Figur als Büsserin gemacht. Doch zum Beichten ist heute niemand gekommen. Und die Rolle der zu Verbrennenden, die gegenwärtig im Kartoffelkeller des Klosters ihres letzten Auftritts harrt, ist auch schon vergeben. Annette Windlin geht dennoch ganz in ihrer Rolle auf: Sie ist die Regisseurin von «Kloster zum Verschenken», jenes von Paul Steinmann und ihr anlässlich des Jubiläums «800 Jahre Dominikanerorden» geschriebenen Stationentheaters, das sich gegenwärtig auf Schweizer Tournée befindet.

Inquisition statt Gespenst

Doch nicht nur sie. Schwester Ruth Emanuel weiss, dass sie die zauberhafte Aussicht vom Kloster aus «nur nach Amerika verkaufen» wird. Und schon ist eine Diskussion im Gange. Verkaufen wir jetzt oder verschenken wir es? «Hauptsache, es geht weg», entscheidet sinngemäss Annette Windlin. Die Gruppe nickt und macht sich auf den Rundgang. Professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler weisen dabei in verkaufs- bzw. schenkungswürdiger Manier auf die Bedeutung eines Klosters hin. Schliesslich ist eine gute Geschichte die halbe Miete. Zwar gibt es hier kein Schlossgespenst, aber wenn man einer Ordensgründung oder einem Inquisitionstribunal beiwohnen kann, dann hat das schon was für sich. Was für Leute wohl am Samstag und Sonntag kommen werden? Wer wird der neue Besitzer, die neue Besitzerin sein? Werden die Leute begreifen, dass ein Geschenk nicht nur eine Gabe, sondern auch – oder: vor allem – eine Verpflichtung ist?

Dicht getaktet und spannend

Damit die vier Gruppen, in welche die Zuschauerinnen und Zuschauer bei jeder Vorstellung eingeteilt werden, gut durch die fünf Szenen auf der Klosteranlage geschleust werden können, verläuft alles genauestens nach Plan. Und dabei natürlich dicht getaktet. Ziemlich genau eine Stunde wird das spannende «Kloster zum Verschenken» insgesamt dauern und in der Klosterkapelle beginnen und enden. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten sein. Ausser, dass es nur für die Vorstellung von heute Samstagabend um 19.30 Uhr noch rund 30 Plätze hat. Wer sich einen Platz noch sichern möchte, kann dies per Mail unter dominikus@kathi.ch tun. Am Ende des Stücks wird eine Kollekte erhoben.