«Gelder müssen zurückfliessen»

An der Hauptversammlung der SVP-Ortspartei Flawil referierte der Kantonsrat Marcel Hegelbach über die Verkehrsprobleme in den Agglomerationen. «Wir laufen in einen Verkehrskollaps hinein», warnt er.

Monique Stäger
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Parteimitglieder und Gäste trafen sich im «Rössli» zur Versammlung und zum Referat.

Parteimitglieder und Gäste trafen sich im «Rössli» zur Versammlung und zum Referat.

FLAWIL. Das absolute Mehr hätte fünf Stimmen betragen, wäre es denn zu kontroversen Abstimmungen gekommen. Die gab es aber nicht an der Hauptversammlung der SVP-Ortspartei Flawil vom Dienstagabend im Flawiler «Rössli». Der SVP-Ortspartei-Präsident Matthias Rüegg konnte acht weitere Flawiler Mitglieder begrüs- sen. Dazu gesellten sich Gäste aus der SVP-Kreispartei. Der Jonschwiler Kantonsrat Marcel Hegelbach referierte im Anschluss an die Versammlung über die Zusammenhänge bei der Verkehrsproblematik in den Agglomerationen.

Keine Politik im Stillen

«Politik im Stillen funktioniert nicht», sagte Hegelbach und legte mit diesem Votum den Flawilern ans Herz, aktiv und wahrnehmbar zu politisieren. Damit leitete er auch zu seinem Hauptanliegen an diesem Abend über: «Der öV hat eine grosse Lobby, der motorisierte Individualverkehr geht ständig unter.» Für den SVP-Kantonsrat ein Zustand, den man so nicht stehen lassen dürfe. «Wir sitzen im Auto im Stau, nehmen es still hin, regen uns vielleicht auf, aber wir tun nichts dagegen.»

Schmale Zufahrtsstrassen

Der motorisierte Individualverkehr habe sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. Heute seien, laut Hegelbach, 80 Prozent der Bevölkerung motorisiert unterwegs. Wie es dazu kam, da hat der Kantonsrat eine Antwort. «Es wird gebaut, ohne vorher zu planen. Die Gemeinden erschliessen neue Wohnquartiere, die Zufahrtsstrassen sind so schmal, dass keine zwei Autos kreuzen können und in diesen neuen Quartieren im Grünen wohnen Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu ihren Freizeitaktivitäten fahren.» Das sei die Zonenplanung der Vergangenheit. Die hohen Erschliessungskosten hätte man amortisieren wollen, indem man möglichst viele Wohneinheiten dort zusammenfasse. «Es kommen junge Familien, die Infrastrukturkosten steigen», so das Fazit von Marcel Hegelbach. «Ich denke da zum Beispiel an Zuzwil und Jonschwil. Diese Gemeinden sind einwohnermässig förmlich explodiert. Das ist nicht mehr gesund.»

Massnahmen zur Entschärfung

Das Fürstenland bis zum Untertoggenburg sei dicht besiedelt. «Wir haben überall Verkehrsspitzen, nicht nur in Flawil, Uzwil oder Wil.» Marcel Hegelbach prophezeite: «Wir werden künftig grosse Probleme haben, die Verkehrsströme zu lenken. Wir laufen in einen Verkehrskollaps hinein.» Massnahmen zur Entschärfung der Situation zählte der Kantonsrat auf. Das verdichtete, langsame Fahren werde von den Verkehrsplanern angestrebt. Man könne den Verkehr in den Quartieren durch ausgedehnte Tempo-30-Zonen beruhigen. Es gebe auch bereits Ansätze, den Verkehr über die Navigationssysteme anders zu führen. «Mit der entsprechenden Anpassung in der Software werden beispielsweise Lastwagen um die Wohngebiete und Städte herum geführt.» Ein wichtiger Punkt aber sei die Planung, meinte Hegelbach. «Neue Wohnüberbauungen müssen so geplant werden, dass Quartiereinfahrten und -zufahrten von Anfang an so angelegt werden, dass sie den motorisierten Verkehr, den sie generieren, auch schlucken können.»

Gelder zwingend binden

Und hier kam der SVP-Kantonsrat wieder auf den Anfang seiner Ausführungen zurück. «Nicht alles schlucken, sondern laut werden, darum geht es. Der motorisierte Verkehr hat keine Lobby, also geben wir ihm eine.» Gelder, die der Verkehr generiere, müssten auch wieder dahin zurückfliessen. «Die Erträge aus der Versteigerung der Autonummern beispielsweise, die müssten zweckgebunden dem Verkehr zufliessen. Die Zweckentfremdung dieser Gelder muss aufhören.»

Engagiert referierte Marcel Hegelbach zur Verkehrsproblematik. (Bilder: rf.)

Engagiert referierte Marcel Hegelbach zur Verkehrsproblematik. (Bilder: rf.)

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