«Geld» als Gottesdienst-Thema

Die Evangelien berichten von Lehraussagen Jesu vor zweitausend Jahren. Wie aktuell sind diese und ihre Themen heute noch? Die Wiler Zeitung sprach mit Stadtpfarrer Roman Giger.

Christoph Oklé
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Was interessieren mich diese alten Geschichten? Was haben sie mit mir zu tun? Gemeint sind damit die Überlieferungen in den Evangelien. Wenn es um die Verkündigung des zweitausend Jahre alten Vermächtnisses Jesu Christi geht, haben es die Kirchen in der heutigen Zeit nicht einfach, die Botschaft herüber zu bringen, und auch die in früheren Jahrhunderten begründeten Traditionen haben in der Postmoderne mehr und mehr an Attraktivität verloren.

Alte Botschaft neu verkündet

«Eine grosse Herausforderung der Kirche besteht darin, Inhalt und Sinn der Botschaft in Bezug zu heute zu bringen», erklärt der Wiler Stadtpfarrer Roman Giger; also das von Papst Johannes XXIII. postulierte Aggiornamento für die Kirche auch in Bezug auf die Verkündigung des Evangeliums. Ein guter Ansatz für Giger ist die Thematisierung von Gottesdiensten.

Die Bitttage um das Fest Christi Himmelfahrt hätten im Laufe des Kirchenjahres nach wie vor eine besondere Bedeutung, meint er. Waren es früher die Flur-Prozessionen und Bittgänge, bei denen vor allem um ein gutes Gelingen der Ernte gebetet wurde, hat sich das bäuerliche aber um viele weitere Lebenswelten erweitert.

Dass das Gelingen des menschlichen Lebens und der Erfolg der menschlichen Arbeit nicht alleine von uns abhängt, braucht man keinem Bauern zu erklären.

Wer so existenziell mit der Schöpfung zu tun hat, wisse, dass das Leben und vor allem das Gelingen des Lebens im Letzten auch immer ein Geschenk bleibe, erklärte Pfarrer Giger an Christi Himmelfahrt in Maria Dreibrunnen im Gottesdienst mit dem Thema «Lebenswelt Landwirtschaft». «Und um dieses Geschenk wollen wir bitten.»

«Lebenswelt Geld»

Der morgige Gottesdienst in der Kirche St. Nikolaus hingegen wird der «Lebenswelt Geld» gewidmet sein. Geld war schon zur Zeit Jesu ein wichtiges Thema, was sich an dessen verschiedentlichen Erwähnung zeigt, eine Angelegenheit, die im Laufe der Jahrtausende nichts an Aktualität eingebüsst hat. «Geld ist zunächst weder gut noch böse», meint Giger, nichtsdestotrotz aber eine heikle Sache – heute wie schon damals, wie dem Neuen Testament zu entnehmen ist.

Dies zeigt sich etwa im Gleichnis vom Umgang mit Talenten, in der Erzählung vom Zöllner Zachäus, der verspricht, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und von ihm Betrogene um das Vierfache zu entschädigen oder am Scherflein-Opfer der armen Witwe. Nicht vergessen ist die Aufforderung Jesu, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist.

So wird es im Gottesdienst auch um die Suche nach dem Roten Faden in der biblischen Rede vom Geld gehen. «Es geht nicht darum, ob Geld an und für sich etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist, betont Roman Giger, sondern vielmehr um den Umgang mit Geld.» Es sei nicht da zum Horten, sondern zum Ausgeben und Investieren, um das Leben und Wohlergehen von vielen Menschen zu ermöglichen. Diesen und weiteren Aspekten zu diesem Thema wird morgen in der Stadtkirche nachgegangen.