Ein Überraschungskandidat, der nun doch keiner ist: In Niederbüren bleibt es bei der Fünferkampfwahl um die vier Gemeinderatssitze

Am Vorstellungsanlass der Gemeinde Niederbüren zu den kommunalen Gesamterneuerungswahlen vom 27. September kam es zu einer faustdicken Überraschung: Plötzlich standen sechs statt der erwarteten fünf Gemeinderatskandidaten auf dem Podium.

Dinah Hauser
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Die Kandidaten für den Gemeinderat stellen sich vor. Von links: Pascal Frommenwiler (SVP, bisher), Cornelia Rusch (Moderation), Brigit Keller-Hürlimann (CVP, bisher), Jens Renn (parteilos, neu), Marcus Wenk (parteilos, neu), Jörg Straub (FDP, neu) und Christof Lehmann (parteilos, neu).

Die Kandidaten für den Gemeinderat stellen sich vor. Von links: Pascal Frommenwiler (SVP, bisher), Cornelia Rusch (Moderation), Brigit Keller-Hürlimann (CVP, bisher), Jens Renn (parteilos, neu), Marcus Wenk (parteilos, neu), Jörg Straub (FDP, neu) und Christof Lehmann (parteilos, neu).

Bild: Dinah Hauser

18 der 30 Kandidatinnen und Kandidaten für die politischen Ämter nutzen die Gelegenheit am Dienstagabend, sich der Niederbürer Bevölkerung vorzustellen, schliesslich stehen am 27. September die Gesamterneuerungswahlen an. Als sich zum Schluss die Kandidierenden für den Gemeinderat vorstellten, gab es eine Überraschung: Statt der fünf erwarteten Personen standen plötzlich sechs auf dem Podium.

Nebst Pascal Frommenwiler (SVP, bisher), Brigit Keller-Hürlimann (CVP, bisher), Christof Lehmann und Jens Renn (beide parteilos, neu) sowie Jörg Straub (FDP, neu) entschied sich Marcus Wenk kurz nach den Sommerferien für eine Kandidatur. Auf dem Wahlzettel erscheint sein Name indes nicht, denn die Eingabefrist lief bereits am 10. Juli ab. Eine Kandidatur mit Tücken, wie sich herausstellt.

Der 41-Jährige begründet seinen kurzfristigen Entscheid mit seinem freiwilligen Engagement in der Feuerwehr. Dort ist er für die Atemschutzausbildung zuständig. Doch um überhaupt genügend Zeit für ein Gemeinderatsamt zu haben, musste zuerst nach einem Nachfolger für seine Aufgabe bei der Feuerwehr gesucht werden. Das ist gelungen, wenn auch spät, wie Marcus Wenk sagt:

«Erst nach den Sommerferien konnte ein Nachfolger gefunden werden.»

So entschied sich der zweifache Vater, doch noch zu kandidieren, hat dies aber seinem Schwager und langjährigen Gemeinderat Pascal Frommenwiler bis zur Veranstaltung verschwiegen. Vom Publikum darauf angesprochen, gaben beide an, bei einer allfälligen Wahl Privates von Amtlichem trennen zu können.

Die Credos der Neuen

Jens Renn wohnt seit fünf Jahren in Niederbüren und ist seit elf Jahren eingebürgert. Als gelernter Koch leitet er ein Restaurant in Frauenfeld. Er will sich im Gemeinderat für eine gute Teambildung und Kommunikation einsetzen. Als ehemaliger Deutscher bringt er Erfahrungen aus einem anderen politischen System mit. Ebenfalls neu kandidiert Jörg Straub. Seit 26 Jahren in der Gemeinde wohnhaft, sucht der Produktionsleiter neue Herausforderungen. Für ihn bedeutet Stillstand Rückschritt; er möchte sich für eine transparente und offene Kommunikation einsetzen. Als Jüngster stellt sich Christof Lehmann zur Wahl. Der Landmaschinenmechaniker mit abgeschlossener Meisterprüfung möchte, dass Niederbüren für Junge attraktiv bleibt. Er selbst ist in der Gemeinde aufgewachsen.

Kandidierende sprechen sich gegen Gemeindefusion aus

Ebenfalls wurde die Meinung zu Gemeindefusionen erfragt. Vor zwei Jahren war bereits ein ähnliches Vorhaben gescheitert. Während sich Pascal Frommenwiler klar dagegen ausspricht, aber Vorteile in einer Einheitsgemeinde sieht, gibt sich seine Kollegin Brigit Keller Hürlimann diplomatisch. Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden funktioniere gut und sie sei bereit für weitere Diskussionen, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Die restlichen vier Kandidierenden sagen, zu wenig über die Thematik zu wissen, da sie bisher nicht direkt in den Prozess involviert waren. Sie sprechen sich gegen eine Fusion aus, wären aber bereit, Möglichkeiten zu prüfen. Alle Kandidierenden sprechen sich hingegen für gemeindeübergreifende Kooperationen aus.

Caroline Bartholet (FDP) bleibt als Gemeindepräsidentin unbestritten.

Caroline Bartholet (FDP) bleibt als Gemeindepräsidentin unbestritten.

Bild: PD

Unbestritten ist das Gemeindepräsidium. Vor einem Jahr übernahm Caroline Bartholet (FDP) vom nun pensionierten Niklaus Hollenstein. Dass sie nicht herausgefordert wird, wertet die 51-Jährige als Bestätigung der Bevölkerung.

«Ich bin froh, kann ich die angefangene Arbeit weiterführen.»

Ihr bereitet das Amt und seine Herausforderungen Freude. Statt sich vorzustellen, gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit. Viel Zeit sich in die Dossiers einzuarbeiten blieb ihr nicht. Kaum gewählt, stand schon der Jahresabschluss und die Neugestaltung des Geschäftsberichts vor der Tür. Im Frühjahr war sie dann durch die Coronapandemie stark gefordert. Derzeit arbeitet die Gemeinde unter anderem daran, die Revision der Orts- und Zonenplanung voranzutreiben. Diese sollen noch Ende Jahr vorliegen. Angesprochen auf ihr Haus in Oberuzwil, sagt Caroline Bartholet: «Ich möchte nicht auf das Haus reduziert werden. Das hat mich schon beim Wahlkampf im vergangenen Jahr etwas genervt.» Wie versprochen werde sie per 1. Januar 2021 nach Niederbüren ziehen, daran gebe es nichts zu rütteln.

Primarschulrat ist mit neuer Schulleiterin zufrieden

Die Moderatorin und abtretende Primarschulpräsidentin Cornelia Rusch ging im Verlauf des Abends auf den Abgang des Schulleiters ein. Der Schulrat war vor zwei Jahren der Meinung, eine gute Wahl getroffen zu haben, denn der Schulleiter brachte bereits sieben Jahre Erfahrung in einer ähnlich grossen Schule mit. Der Schulrat war dann aber nicht zufrieden mit der Leistung des Leiters, weshalb man sich im Guten getrennt und mit professioneller Hilfe eine Nachfolge gesucht habe.

«Wir sind der Meinung, die Schulleitung ist mit Marlene Bodenmann
nun gut besetzt.»

Marcus Wenk zieht Kandidatur zurück

Am Folgetag wurde dann bekannt, dass Marcus Wenk seine spontane Kandidatur zurück zieht. Denn verschwägerte Personen können gemäss Kantonsverfassung nicht der gleichen Behörde angehören, wie Ratsschreiber Markus Ramseier sagt. «Als ich am Samstag von der Kandidatur Marcus Wenks erfahren habe, war mir nicht bewusst, dass dieser mit Pascal Frommenwiler verschwägert ist.» Nach dem Vorstellungsanlass hat Markus Ramseier mit dem Kandidierenden gesprochen und erklärt, dass er kandidieren könne. Wenn jedoch beide das absolute Mehr erreichen würden, könnte nur derjenige mit der höheren Stimmenzahl im Rat Einsitz nehmen.

Marcus Wenk schreibt auf Anfrage, dass das verwandtschaftliche Verhältnis zu Pascal Frommenwiler bei der Mitteilung seiner Kandidatur nie zur Diskussion stand oder als nicht rechtens angesprochen wurde. Er habe nach seiner schriftlichen Meldung auch ein Gespräch mit der Gemeindepräsidentin geführt, wobei seine Haltung dazu thematisiert worden sei.

Weiter schreibt er: «Eine Kandidatur ist immer ein Konkurrenzkampf. Jedoch unter den Umständen, das nur jemand von uns in den Gemeinderat kann, wenn beide das absolute Mehr erhalten, so ist dies aus meiner persönlichen Ansicht ein Konkurrenzkampf mit einem sicheren Verlierer.» Deshalb ziehe er seine Kandidatur zurück. Auch zum Wohle der Gemeinde, da die Person mit der grösseren Erfahrung weiter kommen solle.

So buhlen nun doch nur die ursprünglichen fünf Personen um die vier Sitze im Gemeinderat.

Neue Präsidentinnen für die Schulräte

Die Mandate in den Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) der Politischen Gemeinde und der Schulbehörden sowie den Schulräten sind unbestritten: In allen Gremien entspricht die Anzahl Kandidierender jener der Sitze.

Prominente Wechsel gibt es bei den Schulpräsidien. Auf die Primarschulpräsidentin Cornelia Rusch soll die Drogistin und Familienfrau Patrizia Manser-Keel (parteilos) folgen. Die bisherige Schulrätin ist überzeugt, der Herausforderung gewachsen zu sein, übernahm sie doch nach dem Wegfall des Schulleiters viele Führungsaufgaben zusätzlich.

Für das Oberstufenschulpräsidium kandidiert die eidg. Marketingplanerin und Finanzfachfrau Yvonne Keller-Tobler. Sie war unter anderem zwölf Jahre im Primarschulrat Oberbüren-Sonnental und auch als Gemeinderätin in Oberbüren tätig. Beiden Frauen ist die Zusammenarbeit von Primarschule und Oberstufe wichtig, wie etwa beim aktuellen Thema der Digitalisierung. (dh)