Gefrorene Nonnen und Lottoglück

Dreimal wurde am Wochenende die Flawiler Pfarreiheimbühne zum Singsaal der Mount-Saint-Helen-Schule, zum Schauplatz der Benefizaufführung der bankrotten Klostergemeinschaft im Off-Broadway-Musical «Non(n)sense».

Andrea Häusler
Drucken
Teilen
Schlussapplaus und Beifall für Claudia Hotz (2. v. r.), die am Samstag den Schätzwettbewerb um die Anzahl Probeminuten gewonnen hat. (Bilder: Andrea Häusler)

Schlussapplaus und Beifall für Claudia Hotz (2. v. r.), die am Samstag den Schätzwettbewerb um die Anzahl Probeminuten gewonnen hat. (Bilder: Andrea Häusler)

FLAWIL. Zurück blieb das strahlende Lachen, das die Darstellerinnen und Darsteller auf die Gesichter des Publikums gezaubert hatten – nachhaltig, für den Rest des Abends. Die sicht- und fühlbare Spielfreude des Ensembles um Regisseur Severin Pfeffer machte die himmlische Musical-Komödie «Non(n)sense» zu einem unterhaltsamen und gleichsam berührenden Bühnenereignis. Dreimal war die zweieinhalbstündige Inszenierung am Freitag und Samstag aufgeführt worden; jedes Mal vor einem fast vollen Pfarreiheimsaal und einem Publikum, das mit Applaus, anerkennenden Worten und «Spenden» nicht geizte.

Bühnenschau gegen die Pleite

Dabei war der Anlass, der die fünf lebenslustigen Nonnen für ein Wohltätigkeitsshow auf die Bühne der Mount-Saint-Helen- Schule getrieben hatte, alles andere als lustig. Köchin Schwester Julia, ein Kind Gottes, hatte 52 Ordensschwestern mit ihrer vergifteten Fischsuppe ungewollt das letzte Abendmahl bereitet. Deren 48 hatten in Würde beerdigt werden können, vier hingegen ruhten seither in der Gefriertruhe und warteten auf ihre Bestattung. Weil die Mutter Oberin, Maria Regina, sich mit dem Notgroschen des Klosters eine Stereoanlage gegönnt und die Gemeinschaft in die Pleite geführt hatte. Geld musste her. Oder eben eine Spendengala, in der jede Nonne ihre individuellen göttlichen Talente unter Beweis stellen konnte. Solche hatten sie durchaus: Sie tanzten, sangen, schauspielerten, brillierten als Bauchrednerinnen, Ballettänzerinnen oder Stepperinnen. Und sie liessen sich derweil, scheinbar völlig unbewusst, auch in die Abgründe ihrer Seelen blicken. Wer hätte gedacht, dass die resolute ehrwürdige Mutter Oberin einst im Spotlight stand? Als Seiltänzerin. Und dass Schwester Robert Ann mit ihrem Schicksal hadert, die zweite Geige zu spielen, während sie doch so gern ein Star wäre; oder dass Schwester Maria Hubert mit ihrer vollen Stimme gern mehr als nur Vorsteherin der Novizinnen gewesen wäre.

Rückkehr der Erinnerung

Garant für Gelächter war die schusslige Schwester Amnesia, die ihr Gedächtnis verloren hatte und sich nicht scheute, mit dem Publikum zu interagieren oder gar zu flirten. Wie ihr einfällt, dass sie eine Country-Sängerin auf dem Weg nach Nashville war, als sie Gottes Berufung erreichte, entsinnt sie sich auch eines Lottogewinns, der die Klostergemeinschaft reich macht und den tiefgekühlten Nonnen endlich zu einem Grab verhilft.

Schwester Amnesia (Liana Brühwiler) und Schwester Maria Hubert (Yara Schmitter) (v. l.).

Schwester Amnesia (Liana Brühwiler) und Schwester Maria Hubert (Yara Schmitter) (v. l.).