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Bauern schlagen Alarm: Immer mehr Leute werfen ihren Abfall auf Weiden

Für Menschen ist liegen gelassener Abfall ein Ärgernis, für Tiere kann achtlos weggeworfener Müll tödlich sein. Der Unrat im Wiesland nimmt jährlich zu. Gibt es eine Idee zur Lösung des Problems?
Zita Meienhofer
Dorthe Keller fand in ihrem Wiesland 16 Alu-Dosen, ein Sixpack, T-Shirts, viele Zigarettenpäcklis und weiteren Unrat. (Bild: Zita Meienhofer)

Dorthe Keller fand in ihrem Wiesland 16 Alu-Dosen, ein Sixpack, T-Shirts, viele Zigarettenpäcklis und weiteren Unrat.
(Bild: Zita Meienhofer)

Es ist ein Problem, mit dem Landwirte schon lange zu kämpfen haben: der Abfall auf den Weiden. Schon vor mehr als vierzig Jahren ärgerten sich Landwirte darüber, dass Abfall im Gras lag, in jenem Stück Land, in dem ihre Kühe frassen. Achtlos weggeworfen von den Fussgängern, den vorbeifahrenden Velofahrern oder Autofahrern.

Und scheinbar ist es nicht besser geworden. Im Gegenteil: «Es wird immer schlimmer», sagt Edi Brunner aus Niederbüren. Er bewirtschaftet einen Hof, der an der Strecke zwischen Oberbüren und Bischofszell liegt, einer Strasse, die grossem Verkehrsaufkommen ausgesetzt ist. In seinem Wiesland findet er ständig Abfall, vor allem Alu-Dosen und PET-Flaschen, aber auch Zigarettenverpackungen und Papiersäcke

16 Alu-Dosen auf 2500 Quadratmetern

Ähnlich ergeht es Dorthe Keller aus Niederwil. Den Betrieb, den sie mit ihrem Mann bewirtschaftet, liegt zwischen Gossau und Niederwil. Sie hat ein etwa 500 Meter langes und rund fünf Meter breites Wiesland, das direkt an der Strasse liegt, vom Abfall befreit und war erstaunt, was sie da alles fand:

«Vom T-Shirt bis zum Sixpack ist allerhand in unserer Wiese gelandet.»

Auf diesen wenigen Quadratmetern fand sie 16 Alu-Dosen. «Würden diese später von den Kühen im Heu gefressen, wäre es durchaus möglich, dass die Tiere verenden», erklärt sie. Jedes Mal, bevor das Land, das an der Strasse liegt, gemäht wird, «fetzelt» Dorthe Keller. «Dieses Jahr habe ich sehr viel mehr Abfall gefunden als in den Jahren zuvor.»

Sie ist sich bewusst, dass heuer später gemäht wurde, das Gras höher war als die Jahre zuvor. Trotzdem weiss sie: «Es wird immer mehr Abfall weggeworfen.» Das beschäftigt sie. «Es wissen doch alle, dass dieser Abfall den Kühen schadet, sogar zum Tod der Tiere führen kann.» Auch sie hatten schon Tiere, die sie schlachten mussten. Ob es letztlich wegen des Abfalls war, kann sie nicht mit Bestimmtheit sagen. Um diese Gewissheit zu erlangen, müssten die Tiere untersucht werden.

Alle zwei Wochen eine Verdachtsdiagnose

Tanja Ammann, Tierärztin in der Tierarztpraxis am Wolfhag in Degersheim, hat regelmässig Fälle zu behandeln, die womöglich darauf zurückführen sind, dass die Tiere zerschnittene Blechdosen oder Ähnliches fressen.

«Wir stellen etwa alle zwei Wochen Verdachtsdiagnosen in diesem Bereich.»

Eine genauere Diagnose könne jedoch erst via Ultraschall oder dann mit einem leistungsstarken Röntgengerät, das es allerdings nur in grossen Kliniken gibt, erstellt werden. In seltenen Fällen oder bei wertvollen Tieren werde sogar operiert, weiss sie.

Im Weiteren ist es möglich, dass, wenn ein Tier bereits verendet ist, in der Entsorgung in Bazenheid die Ursache des Todes durch eine Sektion eruiert werden könne. Gemäss Tanja Ammann, die seit sechs Jahren in Degersheim tätig ist, hat sich diese Problematik in den vergangenen Jahren nicht verschlimmert – aber auch nicht verbessert.

Wo Abfall liegt, kommt noch mehr dazu

Der Schweizer Bauernverband hat vor einigen Jahren eine Kampagne gegen diesen gefährlichen Abfall lanciert. Plakate mit der Aufschrift «Abfall macht mich krank» oder «Wir essen lieber Gras statt Müll. Danke» sind an Strassenrändern oft zu sehen. «Wir haben schon mit einigen Aktionen auf das Littering aufmerksam gemacht», erklärt Andreas Widmer, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbandes. So sind auch Schülerinnen und Schüler im Einsatz, die «fetzeln» gehen. Überall, wo Abfall gefunden wurde, wurde ein Fähnlein eingesteckt.

Auch Widmer weiss: «Es gibt immer mehr Abfall in den Wiesen. Und dort, wo bereits liegt, wird noch mehr hingeworfen.» Enorm sei die Zunahme der weggeworfenen Alu-Dosen. Zahlen zu Tieren, die wegen der Einnahme von Abfall erlöst werden mussten, hat auch der St.Galler Bauernverband nicht zur Hand.

«Die Landwirte lassen die toten Tiere meist nicht untersuchen. Zu hoch sind die Kosten, da der Verursacher nicht ausfindig gemacht werden kann und deshalb der finanzielle Aufwand beim Landwirt bleibt.»

Auf die Frage, weshalb denn wohl immer mehr Abfall weggeworfen werde – trotz Kampagnen und aufklärender Informationen – sagt Widmer: «Es ist reine Gleichgültigkeit und fehlender Respekt vor der Natur.»

Littering müsste bestraft werden

Diese Ansicht teilen Dorthe Keller und Edi Brunner. «Littering ist eine Charaktersache», sagt Brunner. Es sei halt bequemer, den Abfall aus dem fahrenden Auto zu werfen, statt zu Hause in einen Abfallsack, so Dorthe Keller. Wie das Problem gelöst werden könnte, dafür hat sie keine konkrete Idee. Sie ist jedoch überzeugt, dass eine Lösung des Problems nur übers Portemonnaie gesteuert werden könne. Im Unterschied zu den Brunners haben die Kellers keine Tafel des Bauernverbandes aufgestellt. Edi Brunner sagt ernüchternd: «Einer meiner Kollegen erzählte mir, dass er an den Tafeln noch mehr Abfall habe als sonst wo.»

Der Wandel in der Abfallentsorgung

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich im Bereich der fachgerechten Abfallentsorgung viel getan. In den Schulen wurde den Kindern gelehrt, den Abfall nach Material zu trennen – und auch die Privathaushalte wurden angehalten, ihren Abfall zu sortieren. Clean-up-Days hatten das Ziel, die jungen Generationen auf die Missstände achtlos weggeworfenem Abfalls aufmerksam zu machen. Gebrauchte Batterien, leere Spraydosen, Pneus, Farbbüchsen und vieles mehr müssen gesondert entsorgt werden. Die Abfallsäcke, die von den Kehrichtentsorgungsleuten mitgenommen wurden, waren nicht mehr kostenlos, und Littering – das Wegwerfen und Liegenlassen von Abfall im öffentlichen Raum – sollte geahndet werden. In den vergangenen vier Jahrzehnten wurden die Menschen sensibilisiert, dass Abfall nicht einfach Abfall ist, dass nicht korrekt entsorgter Abfall der Natur, den Tieren, den Menschen schadet. Man könnte annehmen, dass mittlerweile jede und jeder über die Konsequenzen nicht richtig entsorgten Abfalls informiert ist und entsprechend handelt. Doch die Realität zeigt mitunter ein ganz anderes Bild. (zi)

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