Gastronomie am Stadtweier in Wil: Die Einsprecher melden sich zu Wort

Lange Zeit äusserten sich die Einsprecher des geplanten Gastronomiebetriebs am Stadtweier nicht. Nun brechen sie ihr Schweigen und kritisieren neben der Grösse des Siegerprojekts insbesondere auch das Vorgehen der Stadt beim Ausschreibeverfahren.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Die Einsprecherinnen (von links) Barbara Gysi, Monika Keller und der Einsprecher Gregor Argast sowie Sebastian Koller vor der Crêperie von Monika Keller in Frauenfeld. (Bild: Gianni Amstutz)

Die Einsprecherinnen (von links) Barbara Gysi, Monika Keller und der Einsprecher Gregor Argast sowie Sebastian Koller vor der Crêperie von Monika Keller in Frauenfeld. (Bild: Gianni Amstutz)

Am Rande einer Wiese mit Spielplatz steht der zur Crêperie umfunktionierte Bauwagen der Wilerin Monika Keller. Einige Mütter mit Kindern geniessen den lauen Herbsttag, spielen auf der Wiese und versorgen sich bei Monika Keller mit Crêpes, Eis und Getränken. Diese nehmen sie mit oder setzen sich an einen der zwei Tische. Auch die umliegenden Mauern werden als Sitzgelegenheit genutzt. Es ist eine idyllische Szene. Eine Szene, die sich so auch in Wil hätte abspielen können, wenn es nach der Meinung der vier Anwesenden geht, die sich an einem Tisch vor Monika Kellers Bistro versammelt haben.

Es sind die Personen, die gegen den Altstadtgarten, das geplante Gastronomieprojekt am Weier, Einsprache erhoben haben. Neben Monika Keller sind dies auch Barbara Gysi und Gregor Argast. Alle wohnen in unmittelbarer Nähe des vorgesehenen Standortes. Lange haben sie geschwiegen, ihre Argumente gegen den Altstadtgarten am Weier blieben bisher ungehört. Doch nun möchten sie der Öffentlichkeit ihre Gründe darlegen, auch weil sie nicht als Verhinderer gelten wollen. Denn gegenüber ihren Einsprachen herrschte bis anhin viel Unverständnis. Besonders der Fakt, dass Monika Keller selbst am Wettbewerb um die Konzessionsvergabe für ein Gastroangebot am Weier teilgenommen hatte, warf Fragezeichen zu ihrer Motivation auf.

Zusätzliche Immissionen vorprogrammiert

Es sei richtig, dass sie sich mit einem eigenen Konzept für den Gastronomiebetrieb am Weier beworben habe, sagt Monika Keller. Sie habe sich auch Chancen ausgerechnet, da ihrem Gefühl nach das Projekt gut auf die Ausschreibung gepasst hätte. Sie betont aber: «Es ist kein Racheakt für die Nichtberücksichtigung meines Projekts, sie ist seriös begründet.» Es gehe ihr einzig um die Sache. Kellers Begründung unterscheidet sich denn auch nicht von jener von Barbara Gysi und Gregor Argast. Grundsätzlich befürworten alle ein Gastronomieangebot am Weier. Was sie jedoch nicht wollen, ist ein Projekt von der Grösse des Altstadtgartens.

60 Sitzplätze und rund 100000 Franken Investitionskosten seien angesichts der ursprünglichen Ausschreibung der Stadt schlicht überdimensioniert. Die drei Einsprecher argumentieren, die Stadt widerspreche mit ihrer Auswahl ihren eigenen Anforderungen, die sie im Ausschreibeverfahren definiert habe.

In der Ausschreibung war von «einem attraktiven Gastronomieangebot und einigen Sitzgelegenheiten» zu lesen, wobei «der Charakter der öffentlichen Wiese nicht verloren oder zusätzliche Immissionen generiert werden sollten». Eine Beschreibung, die nicht auf das gewählte Siegerprojekt zutreffe, sind sich die Einsprecher einig. Bei 60 Sitzplätzen seien zusätzliche Immissionen vorprogrammiert, sagt Barbara Gysi. Ausserdem habe ein solches Grossprojekt eher den Charakter eines Restaurants als eines kleinen Bistros. Damit sei es letztlich nicht mehr zonenkonform und füge sich nicht in die naturnahe Grünfläche ein. Die Stadt habe mit der Ausschreibung einen falschen Eindruck erweckt.

«Bei der Präsentation meines Projekts wurde mir durch die Fragen der Jury schnell bewusst, dass die Stadt offenbar kein kleines Gastronomieprojekt, sondern ein richtiges Restaurant am Stadtweier will», sagt Monika Keller. Dies sei aber kein Mehrwert für die treuen Besucher des Weiers, die sich erholen und die besondere Atmosphäre geniessen möchten. Der Kommerz stünde im Vordergrund und würde ein entsprechendes Publikum anziehen. Anders sei ein Restaurant mit 60 Sitzplätzen gar nicht rentabel.

Die Stadt hätte die Eignungs- und Auswahlkriterien im Konzessionsverfahren klarer festlegen müssen, findet auch Sebastian Koller, der Monika Keller in dieser Sache rechtlich berät. Zudem kritisieren die Einsprechenden, dass im städtischen Wettbewerbsverfahren weder die Arbeitsgruppe für die Gestaltung der oberen Weierwiese noch die Stadtplanung einbezogen worden sei, sondern diese einzig von der Stadtkanzlei durchgeführt wurde. Fragwürdig sei auch die Konzessionserteilung.

Einsprecher rechnen sich gute Chancen aus

Über die Absicht der Stadt, das Gastronomieprojekt vorerst nur als halbjährigen Versuch zu gestalten, hegen die Einsprecher ebenfalls ihre Zweifel. Es sei nicht klar, wer letztlich in die Entscheidung über eine Weiterführung einbezogen werde, sagt Gregor Argast. «Es wäre illusorisch zu denken, die Stadt würde das Projekt bei solch hohen Anfangsinvestitionen nach dem Testbetrieb wieder abbrechen.» Das wäre nur schon gegenüber den Projektinitianten des Altstadtgartens nicht vertretbar. Gegen diese richte sich der Einspruch nicht, betonen alle.

Die Chancen, dass ihre Einsprachen von der Baukommission gestützt werden, schätzen sie als hoch ein. Einerseits weil der Altstadtgarten nicht zonenkonform sei, anderseits wegen eklatanter Verfahrensmängel beim Ausschreibeverfahren. Noch nicht abschliessend entschieden haben sie, wie sie im Fall einer Ablehnung der Einsprachen vorgehen würden.

Nachdem Monika Keller ihr Projekt nicht am Weier umsetzen konnte, stellte sie ihre Idee der Stadt Frauenfeld vor. Der Vorschlag sei durch diverse Ämter geprüft worden und schliesslich bei der Bereichsleiterin für soziokulturelle und sozialraumorientierte Stadtentwicklung gelandet. «Weil das Gesamtkonzept von Essen und Trinken, Zero Waste, Spiel und Begegnung auf dem Papier überzeugte, wurde ich umgehend eingeladen», sagt Monika Keller. Nur zwei Monate später ist die Crêperie am Burstelpark ein rege genutzter Treffpunkt.