Letzter Vorhang für «Gas gibt Kultur»: Digitale Welten erschaffen

«Gas gibt Kultur» verabschiedete sich im Uzwiler Gemeindesaal mit einer überraschenden «Digital Dance Show».

Kathrin Meier-Gross
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Peace - das Symbol der Friedensbewegung, dargestellt von den Tänzerinnen und Tänzern der Flowmotion Dance Company. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Peace - das Symbol der Friedensbewegung, dargestellt von den Tänzerinnen und Tänzern der Flowmotion Dance Company. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Man kennt die Szene: Menschen stehen wartend auf dem Bahnsteig. Andere eilen herbei. Alle konzentrieren sich nur auf ihr Handy. Der Mitmensch interessiert nicht. Und dann völlig unerwartet das Black Out in der U-Bahnstation. Die Flowmotion Dance Company aus Wien hat sich der Herausforderung des nonverbalen Geschichtenerzählens gestellt. Die körperlich anspruchsvollen Darbietungen des sechsköpfigen Ensembles wurden dabei von visuellen Illusionen unterstützt.

Berstendes Glas und flutende Bilder

Zögerlich nur hatte sich das Uzwiler Publikum auf die Tanzdarbietungen eingelassen. Unter dem Begriff Tanzshow hatten die meisten wohl etwas anderes erwartet. Visuell und akustisch auf die U-Bahn Station eingestimmt, wurden die Zuschauer Zeugen, wie die Tänzerinnen und Tänzer nach dem Black Out zusammenfanden. Wie sie gemeinsam Lösungen suchten und sich gegenseitig halfen. Motivbilder, mit Lichtröhren in der Dunkelheit geformt, und von fast schon meditativer Musik in angenehmer Lautstärke untermalt, wurden abgelöst von Erstaunen auslösenden Schattenbildern. Gleichzeitig wurde auch der Applaus immer stärker. Absolut faszinierend wurde es, als hinter dem weissen Tuch eine dreidimensionale Virtual-Reality-Box zum Vorschein kam, wo mittels digitaler Technik neue Welten geschaffen wurden. Glaswände, die zerbarsten, Mauern, ein Wohnzimmer, bei dem das Wasser aus einem Bild strömte, Meer, Wildnis und dazu die Tänzer, die sich in perfekter Symbiose zu den Bildern bewegten.

Während des Black Outs werden mit Leuchtröhren Bilder gezeichnet.

Während des Black Outs werden mit Leuchtröhren Bilder gezeichnet.

Mix aus verschiedenen Sparten

Tanz mit Hoverboards, menschliche Dominosteine, PC-Spiele mit echten Menschen, psychedelische Zustände, Todeskampf und alle wollten helfen, als unvermittelt wieder der Boden vibrierte. Die U-Bahn fuhr ein. Die wartenden Passagiere hatten während dem Black Out etwas eminent Wichtiges gelernt: Wieder sich selber zu spüren und auf den Mitmenschen einzugehen. Sie verabschiedeten sich nun mit innigen Umarmungen voneinander. Der Schlussapplaus fiel fast schon euphorisch aus. «Es hat sich gelohnt, sich auf diese Vorführung einzulassen», bilanzierte eine Besucherin. «Dieser Mix aus verschiedenen Sparten war faszinierend. Das Tanzensemble hat etwas völlig Neues geschaffen».

«Black Out» und der Beginn einer neuen Ära

Mit «Black Out» endet die «Gas gibt Kultur»-Ära, die 2010 vom damaligen Betriebsleiter Hansjörg Eberle anlässlich des 100-Jahr Jubiläums der Gasversorgung initiiert worden war. Anfänglich skeptisch hatte er sich auf die neue Herausforderung eingelassen, Theatergastspiele auszusuchen. Unterstützt wurde er dabei von Susanna Wipf Fischer. Eberle ist mittlerweile längst pensioniert und wohnt mit seiner Partnerin, die er beim zweiten Gastspiel «Der Name der Rose» kennen gelernt hatte, in deren Heimat im Berchtesgadenerland. Für die «Gas gibt Kultur»-Aufführungen ist das Paar immer mit Freude nach Uzwil angereist.

Renato Wyss (rechts) dankt Rita Zahner und Hansjörg Eberle für ihr Engagement. Susanna Wipf Fischer war verhindert.

Renato Wyss (rechts) dankt Rita Zahner und Hansjörg Eberle für ihr Engagement. Susanna Wipf Fischer war verhindert.

«Fehlerfreie Organisation»

Renato Wyss, der aktuelle Betriebsleiter, sprach Eberle und Susanna Wipf seinen Dank dafür aus, dass sie das Uzwiler Kulturleben bereichert haben. Viel Lob erhielt auch Rita Zahner, Mitarbeiterin Technische Betriebe. Sie hatte im Hintergrund dafür gesorgt, dass die Besucher Tickets bekamen, die Theaterleute nicht hungern mussten und die Anlässe immer mit viel Umsicht organisiert. «Fehlerfrei», wie Wyss betonte. Nun ist also auch für «Gas gibt Kultur» Black Out. Nach jeder Dunkelheit wird es wieder hell. Neu wird die regionale Künstlerförderung ins Scheinwerferlicht gerückt. Die Technischen Betriebe werden das neue Format finanziell unterstützen.