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Gar nicht niedlich

Seitenblick
Angelina Donati

Das Lächeln der jungen Dame an der Kasse im Supermarkt ist sympathisch. Zuvorkommend betreut sie an diesem Morgen die Kunden. «Haben Sie die Supercard?», fragt sie freundlich und lächelt erneut. «Möchten Sie die Quittung?» Kaum ist der Einkauf bezahlt, kommen auch noch gute Wünsche über ihre Lippen: «E schöns Tägli!», säuselt sie.

Wie bitte – «e schöns Tägli»?! Die Stimmung ist hinüber. Ob den gehörten Worten macht sich blankes Entsetzen breit. Diese leider viel zu oft gebrauchte Redensart verursacht Ohrenschmerzen wie schrille Töne. Man mag einander ja vieles wünschen, aber bitte – um alles in der Welt – kein «schöns Tägli». Gegen Verniedlichungen spricht im Grunde genommen nichts. So gibt es für «Rüebli» praktisch keine andere Bezeichnung, auch «e Gipfeli» hat durchaus seine Berechtigung und «Schatzi» hört sich herzallerliebst an. Doch wieso «Tägli»? Es ist ein Tag, der 24 Stunden hat. Gleichwohl, ob einem der Tag lang oder kurz vorkommt. Die Verkleinerungsform hat in diesem Zusammenhang etwas Abwertendes, ja fast Beleidigendes. Natürlich ist es gut gemeint. Doch es wirkt salopp dahingesagt und dadurch unpersönlich.

Wenn «Tägli» erlaubt ist, wieso wird denn nie «e schöns Vormittägli» oder «e schöns Öbigli» gewünscht? Wie würden wohl die Arbeitskollegen reagieren, wenn man sich bei ihnen am Freitag mit «e schöns Wuchenendli» verabschieden würde? Der Blick wäre auf jeden Fall unbezahlbar. Oder wie wär’s mit «e guets neus Jöhrli» oder aktueller: «e schöns Valentinstägli», «e schöns Uffährtli», «e schöns Östeli» und «e schöns Pfingstli»? Genauso verkehrt würde es sich anhören, wenn man sich für seine Verspätung mit der Begrünundung entschuldigt, dass man seine «Autoschlüsseli» nicht gefunden hat und dann auch noch kein einziges «Parkplätzli» im «Parkhüsli» frei war.

Um dem «Tägli» aus dem Weg zu gehen, bleibt nur eins: Man muss den Tag meiden und zur Nachteule werden. Die Einkäufe können schliesslich auch spät abends an der Tankstelle getätigt werden. Zu spät darf es allerdings nicht werden: Nicht, dass einem noch gut gemeinte «süessi Träumli» gewünscht werden.

Angelina Donati

angelina.donati@wilerzeitung.ch

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