Ganz ohne tierische Produkte: Dietschwilerin analysiert in Maturaarbeit vegane Ernährung

In ihrer Maturaarbeit hat Noemi Klotz analysiert, ob eine vegane Ernährung gesund und ausgewogen sein kann. Die Antwort: «Ja».

Vera Minder
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Noemi Klotz ernährte sich eine Woche vegan.

Noemi Klotz ernährte sich eine Woche vegan.

Bild: PD

Vor einiger Zeit eröffnete Noemi Klotz ihren Freunden, dass sie es in Betracht ziehe, auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Die Antwort lautete:

«Du weisst aber, dass das nicht gesund ist?»

Damals konnte die 18-jährige Dietschwilerin nicht sagen, ob das stimmt. Die Frage beschäftigte sie so sehr, dass sie sie zum Thema ihrer Maturaarbeit machte. Unter dem Titel «Vegan und ausgewogen – Geht das?» hat sie sich mit den Möglichkeiten und Grenzen veganer Ernährung auseinandergesetzt.

Vitamin B12 fehlt

Die Arbeit beruht auf zwei Hypothesen: Eine vegane Ernährung entspricht den Anforderungen der allgemeinen Ernährungsempfehlung, Vitamin B12 muss als einziger Nährstoff nahrungsergänzend eingenommen werden. Um dies zu beweisen, analysierte Klotz Ernährungsempfehlungen verschiedener Gesundheitsinstitutionen wie etwa diejenigen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie wollte erst einmal in Erfahrung bringen, von welchen Nährstoffen man grundsätzlich wie viel braucht.

Erst im zweiten Schritt verband sie das Gelernte mit Veganismus. Dabei studierte sie Videos des Ernährungsexperten Niko Rittenau, der sich auf Youtube mit dem Thema beschäftigt. Anhand dieser und weiterer Quellen ging sie auf die kritischen Nährstoffe in der veganen Ernährung ein und beschrieb, weshalb die genügende Einnahmemenge schwierig zu erreichen ist und welche nicht-tierischen Alternativen es gibt.

Eine Woche vegane Ernährung

Um einen praktischen Aspekt in die Arbeit zu bringen, wagte sie sich an ein Selbstexperiment. Eine Woche lang ernährte sie sich vegan, verzichtete auf jegliche Supplemente. Minuziös hielt sie fest, was sie gegessen hatte und wog jede Mahlzeit.

Mit einer App, welche die Nährstoffe von Lebensmitteln angibt, rechnete sie am Ende der Woche aus, ob ihre Ernährung mit den Empfehlungen übereinstimmte. «Da ich es nur für kurze Zeit gemacht habe, hat dieser Teil wissenschaftlich weniger Bedeutung wie die Theorie. Ich habe versucht, das Herausgefundene praktisch zu bestätigen oder zu widerlegen.» Schlussendlich habe der Selbstversuch die Erkenntnissen der Theorie unterstützt.

Vegan und ausgewogen: «Ja, es geht»

Als sie die Resultate analysierte, bemerkte sie, dass sie in der Woche zu wenig gegessen hatte. Entsprechend hatte sie zu wenig Proteine wie Kalzium zu sich genommen. Hätte sie genug Nahrung eingenommen, wären aber beide Werte genügend gewesen. «Was mich überrascht hat, war, dass ich den Zielwert bei allen anderen Mineralstoffe und Vitaminen erreicht habe, sogar beim Eisen», erzählt sie. Vor allem der Mangel an Letzterem werde ja sehr mit Fleischverzicht assoziiert.

Nur die Zunahme des Vitamins B12 war wie vermutet schwierig. Andere Nährstoffe wie Vitamin D sind in den Schweizer Breitengraden bei jedem Menschen Mangelware, auch Fleischesser müssten es extra supplementieren.

Ihre Antwort auf die Titelfrage ist also: «Ja, es geht. Das habe ich mit der Theorie und meinem Experiment bewiesen. Aber vegan heisst nicht unbedingt, dass man gesund isst. Da man auf eine völlig neue Ernährung umstellt, muss man sich erst einmal das Grundwissen aneignen.» Dasselbe gelte allerdings auch für Fleischkonsum: Wer bewusst vegan isst, ernährt sich vermutlich ausgewogener, als ein unwissender Fleischesser. Viele ungesunde Fette würden beispielsweise wegfallen.

Thema Ernährung beschäftigt weiter

Klotz ass schon davor aus ökologischen und ethischen Gründen vegetarisch. Mit dem neuen Wissen ist sie zuversichtlich, dass sie irgendwann auf vegane Ernährung umsteigen wird, spätestens wenn sie bei den Eltern auszieht und für sich selber kocht. Aus ihrer Maturaarbeit hat sie viel mitgenommen. Sie weiss jetzt:

«Veganismus ist nicht einfach hip und ungesund. Ich wurde in meiner Meinung bestätigt: Die Ernährungsweise ist gut für mich.»

Das Auseinandersetzen mit Ernährung hat sie so interessiert, dass nun sogar eine berufliche Laufbahn in die Richtung Ernährungswissenschaftlerin in Frage kommt.