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Gamen statt Goethe: Die Bibliothek Uzwil veranstaltet ein Fifa-19-Turnier

Nächstes Wochenende findet in der Bibliothek Uzwil ein Fifa-19-Turnier für Kinder und Jugendliche statt. Der Anlass macht deutlich: Gamen ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Tobias Söldi
Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander: Das Gamen hält Einzug in die Bibliothek, hier in diejenige von Rapperswil-Jona. (Bild: PD)

Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander: Das Gamen hält Einzug in die Bibliothek, hier in diejenige von Rapperswil-Jona. (Bild: PD)

«Es sind zwei ganz verschiedene Welten, die aufeinandertreffen», sagt Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil. Nächstes Wochenende rücken die Büchergestelle zur Seite und machen Grossleinwänden, Beamern und zwei Playstation-Konsolen Platz, auf denen Kinder die Fussballsimulation Fifa 19 zocken werden.

Das Turnier stösst auf Interesse: 25 Kinder, mehrheitlich Knaben, haben sich bis jetzt angemeldet. Erismann erwartet in den nächsten Tagen noch weitere Anmeldungen. «Es wäre schön, wenn auch noch einige Mädchen teilnehmen würden.» Anlässe wie dieser sollen die Bibliothek öffnen und sie einem jungen, lesefernen Publikum vertraut machen. «Wir sind nicht nur ein Ort der Stille und des Lesens, sondern wollen auch ein Veranstaltungs- und Aufenthaltsort sein», sagt Erismann.

«Gamen wird an Relevanz gewinnen»

Die Bibliothek wird zu einer Game-Arena – das widerspricht nicht nur dem klischierten Bild einer verstaubten, technologiefeindlichen Bibliothek, sondern zeigt auch, dass gamen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Für viele Kinder ist das Zocken – sei es am PC, auf dem Smartphone oder an der Playstation – längst fester Bestandteil des Alltags. Der Weg vom Hobby zum Sport ist kürzer geworden (siehe Kasten).

«Gamen wird weiter an Relevanz gewinnen, sowohl gesellschaftlich als auch kommerziell», ist Simon Schultze überzeugt. Der Medienpädagoge und Dozent an der HTW Chur ist Gründer des Vereins Gamemobil, der öffentliche Bibliotheken in der Ostschweiz bei der Durchführung von Videospiel-Events unterstützt – darunter auch die Bibliothek Uzwil.

Fifa und Orchester

Für Schultze und Erismann ist klar: Der schlechte Ruf von Games ist ungerechtfertigt. Die Bibliotheksleiterin sagt:

«Das negative Image hat sich in den letzten Jahrzehnten ins positive gewandelt.»

Schultze kennt zahlreiche Beispiele dafür: «Bei einem Spiel wie Pokemon liest das Kind freiwillig und innert kürzester Zeit sehr viel Text und eignet sich dabei viel implizites Wissen an.» Das Gamen von Fifa 19 vergleicht er mit dem Spielen eines Instrumentes in einem Orchester, wo man gleichzeitig alleine und in einer in einer Gruppe spielt. «Ein Gamer schaut auf den Gegner oder die verschiedenen Fussballspieler, die er steuert, und legt sich so eine Strategie zurecht.» Die Eltern, so Schultze weiter, staunten auch, wie konzentriert ihr Kind beim Gamen sei.

Doch die literarischen Welten sollen am Turniersamstag nicht vollständig von den digitalen Welten verdrängt werden. «Die Kinder verbringen mehrere Stunden in der Bibliothek. Sie spielen aber nicht nur, sondern müssen auch warten. Wir hoffen, dass sie sich in den Pausen umschauen und etwas lesen.»

Dass dies tatsächlich passiert, kann Schultze mit Blick auf bereits durchgeführte Game-Turniere bestätigen. Wichtig sei dabei, dass sich die Kinder selbstständig in der Bibliothek bewegen können und sie diese dadurch nicht mehr als Teil der Schule wahrnehmen. «So soll den Kindern die Berührungsangst vor der Bibliothek genommen werden», sagt Schultze.

Hinweis:
Das Turnier findet am Samstag, 26. Januar, zwischen 13 und 18 Uhr statt. Eingeladen sind Kinder zwischen 8 und 17 Jahren. Der Eintritt ist frei. Die vier besten Spieler dürfen an einem Major-Turnier in St. Gallen teilnehmen. Die Teilnehmerzahl ist auf 64 beschränkt, weshalb um eine Anmeldung unter bibliothek@uzwil.ch oder 071 950 41 70 gebeten wird.

E-Sports: Mehr als nur ein Hobby

Gamen als Sportart – E-Sport – ist im Aufschwung. In der Schweiz gibt es die «Swiss Esports League». Sie ist die erste und grösste E-Sport-Liga der Schweiz und organisiert Turniere in Games wie Fifa, Rocket League und Counter Strike. Zu den Sponsoren zählen auch so Game-ferne Namen wie das Lebensmittelunternehmen Knorr. Auch Postfinance hat ein eigenes E-Sport-Team. Dabei geht es um viel Geld: Professionelle E-Sportler verdienen Millionen. In der Schweiz sind die Preisgelder allerdings nicht so hoch wie etwa in den USA, Südkorea oder in Kanada, wo ein Team vergangenen August elf Millionen Dollar Preisgeld mit nach Hause nahm. In St. Gallen hat kürzlich ein Event in der Olma-Halle über 600 Gamer angezogen, darunter auch den Wiler E-Sportler Silvan Loser. Die Stadt will zum Schweizer Zentrum des E-Sports avancieren und damit auch Fachkräfte aus dem IT-Bereich anlocken. Auch der physische Sport ist interessiert: Der FC St. Gallen steigt als erster Schweizer Profiverein in die E-Sport-Branche ein, heisst es auf seiner Website. Der Fussballclub unterstützt auch den Verein Gamemobil, indem er die Preise für die Turnierteilnehmer bereitstellt. (tos)

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