GALAABEND: «Müssen uns an der Nase nehmen»

Heute Abend feiert die Arbeitgebervereinigung Region Wil das 75-Jahr-Jubiläum. OK-Präsident Bruno Jäger über deren Existenzberechtigung, fehlende Unternehmer im Parlament und die Verkehrsproblematik.

Philipp Haag
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Einer Region geht es nur gut, wenn es auch den Unternehmen gut geht. Davon ist Bruno Jäger, ehemaliger Präsident der Arbeitgebervereinigung Region Wil, überzeugt. (Bild: Philipp Haag)

Einer Region geht es nur gut, wenn es auch den Unternehmen gut geht. Davon ist Bruno Jäger, ehemaliger Präsident der Arbeitgebervereinigung Region Wil, überzeugt. (Bild: Philipp Haag)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Bruno Jäger, Verwaltungsratspräsident der Lindengut-Garage AG, präsidierte die vergangenen zwei Jahre die Arbeitgebervereinigung (AGV) Region Wil. An der letzten Generalversammlung übergab er den Vorsitz an Markus Fust, Inhaber der Schreinerei Fust. Trotz des Wechsels behielt Jäger das OK-Präsidium für einen Galaabend und eine Firmenschau zum 75-Jahr-Jubiläum der AGV.

Bruno Jäger, welches ist die Hauptaufgabe der Arbeitgebervereinigung?

Die AGV vertritt die Interessen der Industrie und der KMU gegenüber der Politik, sprich dem Parlament und der Stadtregierung. Dazu gehört auch die Erhaltung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze. Sie setzt sich für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Es geht aber auch um Netzwerkpflege unter den Arbeitgebern in der Region.

Kann die AGV auf kommunaler Ebene politisch überhaupt etwas bewirken?

Es ist schwierig. Unser Fokus liegt bei der Region und der Kontaktpflege, vor allem mit den kommunalen Behörden. Wir stellen fest, dass einerseits der Spielraum des Stadtrates durch das Parlament stark eingeschränkt ist und andererseits die Zusammenarbeit mit dem Kanton besser sein könnte.

Ein Beispiel?

Die Toggenburgerstrasse. Die Umgestaltung muss mit der Stadtverwaltung abgesprochen werden. Weil die Strasse verbreitert werden soll, müssen viele Anstösser Land abgeben. Dies stellt für die meisten ein Problem dar. Ausserdem ist das Hauptproblem nicht gelöst. Trotz der Anpassungen wird der Verkehr nach wie vor durch die Stadt geleitet. Eine Umfahrung ist dringend notwendig. Die Verkehrsinfrastruktur von Wil hat in keiner Art und Weise mit der Wohnbautätigkeit mitgehalten und müsste dringend verbessert werden. Hier ist der Stadtrat gefordert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie leise Kritik am Stadtrat üben. Wo sehen Sie weitere Mankos?

Manchmal wünschen wir uns einen entscheidungsfreudigeren Stadtrat. Dies liegt aber nicht ausschliesslich an ihm oder an der Stadtverwaltung. Das Parlament bemüht deren Mitarbeitende oft mit Vorstössen, die nicht unbedingt notwendig sind. Dies führt zu Ineffizienz. Ein Unternehmer hätte wahrscheinlich Mühe mit dem politischen Prozess.

Weshalb sitzt kein Unternehmer in der Wiler Legislative?

Da müssen wir uns selber an der Nase nehmen. Vielen fehlt schlichtweg die Zeit und die Motivation. Die Anforderungen an die Unternehmer sind in den vergangenen Jahren nochmals gestiegen. Der Vorschriftendschungel ist fast nicht mehr handhabbar. Auch der Margendruck hat zugenommen. Dabei muss gesagt werden, dass viele Firmen in der Region besitzer­geführt sind. Diese Vorgesetzten haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitarbeitenden.

Bürgerliche Parteien und der Wiler Gewerbeverein möchten eine Gewerbegruppe im Stadtparlament gründen. Beteiligt sich die AGV an der Gruppierung?

Offene, liberal denkende und handelnde Personen, noch besser aus dem Kreis der AGV oder des Gewerbevereins dürfen mit unserer Unterstützung rechnen.

Der politische Einfluss der AGV ist bescheiden. Braucht es eine solche Vereinigung überhaupt?

Unbedingt. Die AGV versucht auch, beispielsweise die Berufslehre zu fördern. Das duale Ausbildungssystem muss wieder den Stellenwert in der Gesellschaft erhalten, den es verdient.

Ist das mit ein Grund, weshalb die AGV das 75-Jahr-Jubiläum mit einem Anlass für die Bevölkerung feiert?

Mit der Präsentation von 25 Firmen auf der Oberen Bahnhofstrasse am Samstag möchten wir aufzeigen, wie vielfältig die Firmen in der Region sind. Wir möchten der Öffentlichkeit auf sympathische Art in Erinnerung rufen, welche volkswirtschaftliche Bedeutung die KMU für die Region haben. Einer Region geht es nur gut, wenn es auch den Unternehmen gut geht.