«G» steht für «Genti» – Uzwiler Kiosk ist wiedereröffnet worden

Nachdem das «Tabak-Lädeli» in Uzwil im letzten Jahr geschlossen hat, ist der Kiosk an der Bahnhofstrasse nun wiedereröffnet worden.

Vera Minder
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Für Argjent Tairi war die Übernahme des Kiosks ein grosser Schritt. Zufrieden ist er damit aber sehr.

Für Argjent Tairi war die Übernahme des Kiosks ein grosser Schritt. Zufrieden ist er damit aber sehr.

Bild: Vera Minder

42 Jahre lang stand Johanna Von Dach jeden Tag ab 5.45 Uhr hinter der Theke des Tabak-Lädeli an der Bahnhofstrasse 100 in Uzwil. Sie betrieb den kleinen Laden mit Herz und Seele und erfreute die Kunden mit ihrer liebenswerten Art. Trotzdem rentierte der Kiosk schliesslich nicht mehr. Im Dezember wäre Schluss gewesen. Von Dach erlebte die unfreiwillige Pension nicht mehr. Ende Oktober, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, verstarb sie. Das Tabak-Lädeli liess sie als kleine Legende zurück.

Frisch renoviert und mit einem neuen Gesicht hinter der Theke, hat der Kiosk am 13.Januar nun wieder aufgemacht. Argjent Tairi heisst der Jungunternehmer, der dem Erbe gerecht werden will.

Optimistisch und kundennah

«G Kiosk» steht nun über der Eingangstür. «G», weil Tairi bei Bekannten vor allem als «Genti» bekannt ist. Der Uzwiler ist zufällig darauf gekommen, den Kiosk zu übernehmen. «Mein Bruder ist Coiffeur. Einer der Von-Dach-Söhne ist Kunde bei ihm und hat ihn eines Tages darauf angesprochen», erzählt er. Tairi ist eigentlich gelernter Hauswart. Als sich die Chance für ihn ergeben hat, auf eigenen Beinen zu stehen, habe er sie aber sofort ergriffen. «Damit bin ich schon ziemlich ins kalte Wasser gesprungen», gibt er zu. Er habe vorher noch nie an einer Kasse gestanden und mehrere Nächte investieren müssen, bis alles so funktionierte, wie es sollte.

Dass der Kiosk zuvor mangels Rentabilität schloss, bereitet Tairi keine grossen Sorgen. «Für den Anfang läuft es nicht schlecht», findet er. Natürlich hätten die Anfangsinvestitionen die Folge, dass er die ersten Monate im Minus sei, aber damit habe er von Anfang an gerechnet. Auch sei sein Sortiment noch nicht sehr gross. Das liege daran, dass er kundenorientiert arbeite. «Wenn jemand hereinkommt und nach etwas fragt, dass ich nicht da habe, sage ich ihm, dass ich es besorgen kann.» Er wolle das Angebot nach und nach erweitern und auf Kundenwunsch einkaufen.

Stammkunden habe er auch schon einige gewonnen. Einige zählten schon zu Von-Dachs-Zeiten zur Kiosk-Kundschaft. Oft fänden jedoch auch Schülerinnen und Schüler in sein Geschäft, sagt er.

«Bei mir kommen Kundinnen und Kunden aller Generationen vorbei – von jung bis alt.»

Im Sommer erhofft sich Tairi einen Aufschwung, vor allem zählt er dann auf Laufkundschaft.

Einladung zum verweilen

Um 90 Prozent der Renovierungsarbeiten habe er sich selbst gekümmert, erzählt Tairi. Das ehemalige Lager hat er in einen kleinen «Kafi-Egge» mit Sitzgelegenheit verwandelt. Auch zukünftig möchte er die Kunden dazu einladen, ein wenig zu verweilen. Seine Vision ist es, irgendwann einige Tische im Freien aufzustellen. «Ich wünschte, der Kaffeeverkauf würde ein wenig besser laufen. Aber die Leute müssen erst einmal merken, dass es hier gemütlich ist», ist er sich sicher. Tabakwaren verkauft er dafür aber sehr gut.

Tairi bekommt hinter seiner Theke so einiges mit. Kunden erzählen ihm immer gern von ihrem Leben und ihren Problemen, manchmal nehme das schon fast therapeutische Ausmasse an, lacht er. «Einmal habe ich zum Beispiel einem Jugendlichen mit Beziehungsproblemen geholfen.»

Zehn Jahre lang hatte Tairi zuvor als Hauswart gearbeitet. Da sei er schon oft alleine gewesen, erinnert er sich. Dabei sei er ein sehr geselliger Typ. Den Umgang mit Menschen geniesst er darum besonders.

«Kundenkontakt ist mein A und O.»