FUSSBALL: «Wer dem Club gut gesinnt ist, bleibt treu»

3.-Liga-Vereine haben es nicht einfach. Unbeachtet der sportlichen Leistungen fällt das mediale und sportliche Interesse im Vergleich zur 2. Liga gering aus. Stört das die Vereine? Und welchen Einfluss hat dieser Aspekt auf Sponsoren und Zuschauerzahlen?

David Metzger
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Flawils Captain Ives Bruggmann war es vorbehalten, den ersten Treffer bei der Platzeröffnung auf der Schützenwiese zu schiessen. (Bild: David Metzger)

Flawils Captain Ives Bruggmann war es vorbehalten, den ersten Treffer bei der Platzeröffnung auf der Schützenwiese zu schiessen. (Bild: David Metzger)

FUSSBALL. Aufgrund der grossen Präsenz der regionalen Vereine in der 2. Liga (Bazenheid, Tobel-Affeltrangen, Uzwil Serben) und der 2. Liga interregional (Sirnach, Uzwil, Wil U20) wird die regionale 3. Liga kaum mehr wahrgenommen. Ein Verein, der diesen Rückgang des Interesses und damit die unterschiedlichen Gemütslagen am besten kennen sollte, ist der FC Flawil. Vergangene Spielzeit noch spielten die Untertoggenburger in der 2. Liga. Nun, nach dem Abstieg diesen Sommer, sind die Flawiler zurück in der 3. Liga. Dennoch glaubt Präsident Roland Büeler nicht an einen Interessensrücklauf. «Aufgrund der sehr breiten Verankerung unseres Vereines ist das Interesse ungebrochen», meint Büeler. So kann der FC Flawil auch eine Liga tiefer finanziell mit den gleichen Ressourcen wirtschaften und darf sich stets auf eine grosse Zuschauerkulisse verlassen. In der regionalen Berichterstattung habe man aber schon einen Rückgang feststellen können, diagnostiziert Büeler. Da der Fussballclub jedoch vor jedem seiner Heimspiele eine ganzseitige Vorschau in der Zeitung publiziert, wird der Verein trotzdem über die Dorfgrenze hinaus wahrgenommen.

Einen Batzen in die Vereinskasse

Die Kosten sind allerdings so hoch, dass der FC Zuzwil diesen Betrag niemals investieren könnte. Und so gibt Präsident Fabio Vitto dann auch unverdrossen zu, dass man eine gewisse Medienpräsenz schon vermisse. In den Zeiten der Digitalisierung mobilisiert sich der FC Zuzwil mit seinen eigenen Mitteln. So wird versucht, die Fans auf der Webseite mit einem Matchbericht abzufangen und sie mit Informationen zu versorgen. So oder so hat der Aufsteiger aus Zuzwil längst die positiven Effekte der 3. Liga zu schätzen gelernt. Derbies gegen Vereine wie Flawil oder Henau bilden nämlich beste Voraussetzungen für einen grossen Publikumsaufmarsch.

Diesem Aspekt kann Bekim Markus, langjähriger Cheftrainer des FC Henau, nur bedingt beipflichten. «Auf alle Fälle bringen uns die lokalen Derbies einen Mehrwert. Aber was bringt das, wenn man in der Woche darauf den FC Münsterlingen mit nur fünf Auswärtsfans empfängt?»

Markus findet deshalb auch, dass die Berichterstattung der 3. Liga in den lokalen Medien wieder einen höheren Stellenwert erhalten sollte. «Zumindest in den Derbies zwischen den regionalen Teams. Schliesslich sieht der Fussballfreund in der 3. Liga Woche für Woche umkämpfte und spannende Begegnungen», so seine Argumentation. Und nicht nur für ihn, auch für die Teamkasse des FC Henau wäre eine erhöhte Berichterstattung erstrebenswert. Denn für jedes abgelichtete Bild in der Zeitung bezahlt der jeweilige Spieler einen Betrag in die Kasse ein.

Will man, so zahlt man auch

Diplomatischer zeigt sich Patrick Bitzer, Sportchef beim SC Aadorf. «Grundsätzlich liegt das Interesse über eine Liga ja nur bedingt in unseren Händen beziehungsweise Füssen.» Seinen Einschätzungen zufolge hat die Ligazugehörigkeit aber keinen Einfluss auf die Akquise von Sponsorengeldern oder Zuschauerzahlen. «Wer dem Verein gut gesinnt ist, ist sowieso bereit, ihn zu unterstützen», so Bitzers Schlussfolgerung.

Verband hat ein Zeichen gesetzt

Für Domenico Esposito, er ist derzeit Trainer beim SC Bronschhofen in der 2. Liga, kann das fehlende Interesse auch auf die Änderungen im Regelwerk zurückgeführt werden. «Mit der Einführung des freien Aus- und Einwechselns hat der Verband selbst ein Zeichen gesetzt und die 3. Liga tendenziell näher zu den weiter unten plazierten Ligen (4./5.) geschoben. Wer unbegrenzt auswechseln kann und das auch tut, der darf sich nicht über fehlendes Interesse beklagen», meint Esposito. Seinen Ausführungen zufolge ist es ein wenig wie bei Testländerspielen der Nationalteams. Die vielen Wechsel machen das Spiel langweilig, zerfahren und unattraktiv. Nichtsdestotrotz würde es Domenico Esposito gefallen, wenn vor allem über die ersten Mannschaften mehr berichtet würde. «Die Berichterstattung kann definitiv anspornen.»

Unter dem Strich verfügen alle Vereine in der Region, unabhängig ihrer Ligazugehörigkeit, über ein breites Netzwerk an Sponsoren und Zuschauern. Es ist erwiesen, das sich dieses durch einen Aufstieg in die 2. Liga noch maximieren liesse. Ob sich dieser Faktor in Relation zum sportlichen Aufwand aber derart steigern lässt, dass es sich lohnt, darf bezweifelt werden. Mit unternehmerischem Denken und gezieltem Einsatz der verfügbaren Mittel kann ein Verein auch ohne 2.-Liga-Zugehörigkeit wahrgenommen werden.