FUSSBALL: «Ich habe mich selbst entlassen»

Gestern Abend stand FC-Wil-U20-Trainer Yannik Schwery wie üblich auf dem Trainingsplatz. Aber nur, um sich von seinen Spielern zu verabschieden. Am Sonntag hat er seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Urs Nobel
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Der eine, Yannik Schwery (seitlich hinten), geht, der andere, Salih Özdemir (im Vordergrund), dürfte vorderhand noch bleiben. (Bild: Jan Wegmann)

Der eine, Yannik Schwery (seitlich hinten), geht, der andere, Salih Özdemir (im Vordergrund), dürfte vorderhand noch bleiben. (Bild: Jan Wegmann)

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch

Yannik Schwery ist nicht mehr Trainer des FC Wil U20. Er hat, wie er sagt, sich selber entlassen. «Es ist ja niemand da, den es interessiert oder der mich hätte entlassen können, also tat ich es selber.» Er macht jedoch nicht der aktuellen Vereinsführung einen Vorwurf. «Diese haben jetzt Wichtigeres zu tun und machen einen guten Job.»

«Türkische Führung ­forderte immer mehr»

Sein aufgestauter Frust kommt noch aus den Zeiten der «Türken-Führung» und ist nachhaltig genug. «Obwohl ihnen die U20 scheissegal war, forderten sie laufend. Unter anderem sollte ich im Sommer an zwei Tagen in der Woche zwei Trainings durchführen. Dabei ging es der damaligen Führung lediglich darum, möglichst viele im Fanionteam nicht erwünschte Spieler fit zu halten.» Das sei für ihn eine sehr schwierige Zeit gewesen, da er noch in einem 70-Prozent-Pensum bei der Credit Suisse arbeite. «Ich musste zusätzliche freie Tage beantragen und auf meine Ferien verzichten.»

Es ist nachvollziehbar, dass Yannik Schwerys persönliches Feuer für seine Tätigkeit so nach und nach erlosch. Hinterfragt hat er sein Engagement ernsthaft nach dem Spiel gegen den FC Winkeln. Für den Rücktritt hat er sich nach der Partie gegen Linth 04 entschieden. «Obwohl sieben Spieler, die am Sonntag auf dem Platz standen, in der Woche zuvor mit der ersten Mannschaft trainierten, stimmte die Leistung in Näfels nicht. Die Truppe, die aus Profis, Erstteamler, Lehrlingen und Schülern bestand, zeigte kaum Engagement und stemmte sich nicht einmal gegen die Höhe der Niederlage»

Mit neuer Führung sollte es wieder besser werden

Yannik Schwery verlässt den FC Wil jedoch nicht im Zorn. Er ist im Gegenteil überzeugt davon, dass es mit der neuen Führung auch für die U20 wieder besser kommt. «Es muss aber einiges im Umfeld verbessert werden. Dass einfach das Trainergespann für alles verantwortlich ist, sollte nicht sein. Die Organisation und die Betreuung muss sich verbessern.» In diesem Bereich denkt Schwery beispielsweise auch an einen Physio, der dem Team fehlt.

Früheren Trainern ging es gleich

Yannik Schwery hat seinen Rücktritt erklärt, weil er in erster Linie von der türkischen Führung nicht unterstützt wurde. Was ihm wiederfahren ist, können auch seine Vorgänger bestätigen. Der FC Wil U20 fristete, ausser in seinen Anfangszeiten, stets ein Stiefmütterchen-Dasein. Andi Alder, der ehemalige U20-Trainer könnte Liederbücher davon singen. Sein Nachfolger Philipp Dux ebenfalls. Ob mit der alten Führung oder den Türken, für alle bisherigen Trainer war es dasselbe: Sie mussten – wie Yannik Schwery auch, alles alleine machen.