FUSSBALL: Erik Regtop: «Zur Nummer eins heranwachsen»

Im Interview reflektiert Uzwils Trainer Erik Regtop den Saisonstart in der 2. Liga interregional. Greifen die Automatismen, dann soll der FC Uzwil in drei Jahren wieder über eine Mannschaft in der 1. Liga verfügen.

David Metzger
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Uzwils Trainer Erik Regtop verlangt von seinen Spielern, dass sie künftig noch resoluter im Sinne des Teams denken. (Bild: Coralie Wenger)

Uzwils Trainer Erik Regtop verlangt von seinen Spielern, dass sie künftig noch resoluter im Sinne des Teams denken. (Bild: Coralie Wenger)

David Metzger

sport@wilerzeitung.ch

Erik Regtop, seit gut einem halben Jahr sind Sie beim FC Uzwil. Gefällt es Ihnen immer noch?

Ja natürlich, sehr sogar. Der FC Uzwil ist ein ambitionierter Verein mit hervorragenden Möglichkeiten, um vorne mitzuspielen. Wir haben diese Saison gegen viele Mannschaften sehr gute Spiele absolviert und auch Punkte eingefahren. Noch müssen wir an unserer Chancenauswertung arbeiten. Wir lassen derzeit zu viele Möglichkeiten ungenutzt.

Das Derby gegen Bazenheid (1:4-Niederlage, Red.) hat gezeigt, dass man noch nicht dort ist, wo man sein will.

Das ist richtig. Wir haben viele gute Einzelspieler, ziehen aber noch nicht alle am gleichen Strick. Auch deshalb haben wir uns im Anschluss an das Spiel entschieden, uns von Yusuf Shala und Faton Ziberi aus disziplinären Gründen zu trennen. Dadurch geht uns eine Menge Qualität abhanden. Für die Mannschaft ist es so aber besser. Und wir hoffen, dass ein Ruck durch sie geht.

Diesen Sommer wurden viele Spieler nach Uzwil geholt. Dass es mit so vielen unterschiedlichen Mentalitäten nicht gut kommen kann und jetzt Trennungen erfolgen mussten, war doch absehbar.

Wir haben uns erhofft, dass es funktioniert. Dass in einem Team aber alle Neuzugänge einschlagen, ist fast nie der Fall. Der eine passt besser als der andere. Timon Waldvogel, Alija Ifraim oder Dusan Ranisavljevic haben beispielsweise eingeschlagen. Dann gibt es andere, welche sich nicht derart positiv zu integrieren wissen. Solche Dinge kann man aber immer erst nach einer gewissen Zeit, wenn der Prozess im Gang ist, erkennen. So schwierig die Aufgabe deshalb ist, so reizvoll ist sie auch.

Würde man nicht besser vermehrt auf Eigengewächse setzen?

Das machen wir schon auch. Derzeit sind sechs Spieler im Kader, welche auch noch bei den A-Junioren spielen können. Sie trainieren regelmässig bei uns und profitieren davon. Potenzial ist zweifelsohne vorhanden. Das Ganze braucht einfach noch etwas Zeit, auch weil der Sprung von den A-Junioren zur 2. Liga interregional ziemlich gross ist. Optimistisch stimmt mich, dass unsere A-Junioren die Coca-Cola-League derzeit anführen.

Einst haben Sie den SC Brühl bis in die Challenge League geführt. Ist ein ähnlicher Coup mit dem FC Uzwil wiederholbar?

Bei Brühl erlebten wir einen regelrechten Aufstiegsschwung, welchen wir über Jahre mit einem praktisch unveränderten Kader geniessen durften. Hier in Uzwil ist die Ausgangssituation nun eine andere. Bedingt durch den grossen Kaderschnitt diesen Sommer ist ein ähnliches Szenario so gar nicht möglich, da die Automatismen im Team längst noch nicht so eingespielt sind.

Mit 15 Punkten aus neun Spielen belegt Uzwil derzeit den nach eigenen Aussagen «zufriedenstellenden» fünften Tabellenrang. Angesichts der Qualität des Kaders ist das doch tiefgestapelt.

Wir haben neun Punkte Rückstand auf Leader Linth. Die ersten drei sind so gut wie weg. Also ist es realistisch, Ende Saison auf Rang vier bis sechs zu rangieren. Viel wichtiger ist mir aber, dass die Mannschaft hungrig bleibt und sich weiterentwickelt. Nach 26 Spielen wird sich dann schon weisen, wo wir effektiv hingehören. Fakt ist aber, dass wir nicht auf den ersten Platz starren müssen, auch wenn wir noch Luft nach oben haben.

Wer mit dem Budget des FC Uzwil für die 1. Mannschaft kalkuliert, gilt in der Region aber als potenzieller Aufstiegskandidat.

Die Zahl möchte ich nicht kommentieren, sie stimmt so nicht ganz. Aber natürlich besitzen wir ein gutes Kader. Jede Position ist individuell sehr gut besetzt. Das ist auch nicht unser Problem. In Bazenheid vergangene Woche hat sich unser Problem gezeigt: Wir haben verloren, weil wir nicht als Mannschaft aufgetreten sind. Klar, können Einzelspieler mal ein Spiel entscheiden. Aber alle Uzwiler Spieler müssen zukünftig noch resoluter im Verlangen des Teams denken.

Auch die Chancenauswertung ist ein Grund, warum man gegen Teams wie den Tabellenführer Linth verloren hat. Foppt es Sie manchmal nicht, dass Sie nicht mehr auf dem Platz stehen können, wie damals, als Sie für den FC St. Gallen in 47 Pflichtspielen 20 Treffer erzielten?

Ich kann ja nicht mehr selber spielen. Und ganz so aktiv würde ich mich wohl auch nicht mehr bewegen. Aber die Chancen täte ich schon rein. (lacht) Natürlich versuchen wir die Chancenauswertung zu verbessern, aber so einfach ist das nicht. Es gehört zum Prozess dazu. An dieser Stelle sei vermerkt, dass wir auch die Defensive nicht vernachlässigen dürfen. Zuletzt mussten wir sechs Gegentore in zwei Spielen hinnehmen. Das ist zu viel.

Wo gibt es sonst noch Verbesserungspotenzial?

Wir müssen im Team konkurrenzfähiger werden. Von jenen, die nicht zum Einsatz kommen, muss mehr Druck ausgeübt werden. Das fehlt mir im Training manchmal. Hier bin aber auch ich gefragt, diesen Umstand im Training noch stärker zu provozieren. Gelingt uns das, können wir in den Spielen auch von der Bank aus noch stärker operieren.

Und wo steht der FC Uzwil in drei Jahren?

Wünschen täte ich mir, dass wir dann über eine gute Mannschaft in der ersten Liga verfügen. Der FC Seuzach ist ein gutes Beispiel, dass dieser Weg funktionieren kann. Ob es möglich sein wird, zur angestrebten Nummer eins in der Region heranzuwachsen, wird sich weisen.