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Furcht vor dem Trojanischen Pferd

Das Klingenkreuzen blieb aus. Am Informationsabend über die Abstimmungsvorlage «Teilzonenplan Flawil Ost» punktete der Gemeinderat mit sachlichen Voten und entkräftete damit die meisten gegnerischen Argumente.
Andrea Häusler
«WG 4 Nein, Wohnzone 3 Ja». Das Plakat hängt in den Vorgärten der Anstösser des Areals Flawa-Ost. Ein Begehren, das im Gemeinderat ohnehin keine Chance hätte, wie Elmar Metzger sagt. (Bild: Andrea Häusler)

«WG 4 Nein, Wohnzone 3 Ja». Das Plakat hängt in den Vorgärten der Anstösser des Areals Flawa-Ost. Ein Begehren, das im Gemeinderat ohnehin keine Chance hätte, wie Elmar Metzger sagt. (Bild: Andrea Häusler)

Das Referendumskomitee hatte sich kräftig ins Zeug gelegt, um aus dem Informationsanlass der Gemeinde den optimalen Propaganda-Nutzen für ein Nein am 25. November zu ziehen. Ein Pappe-Modell im Foyer visualisierte, wie sich das Planungsareal nach der Bebauung präsentieren könnte. Zumindest nach den Befürchtungen der Gegner der Umzonung des heutigen Industrie- und Gewerbegebiets in die Wohn-/Gewerbezone 4. Ein Worst-Case-Szenario, das dergestalt nie umgesetzt werden dürfte, wie Florian Schällibaum urteilt. Er muss es wissen. Sein Unternehmen hat für das Areal ein Kaufrecht und würde die auf 78 Einwohner ausgelegte Wohnüberbauung nach einem Ja an der Urne planen und ausführen. Später räumt Nicolai Gempel, Sprecher des Referendumskomittees, ein, dass natürlich übertrieben worden sei. «Wie so oft im Leben.» Dies schon bei der Unterschriftensammlung für das Referendum, als von jenen «Türmen» gesprochen wurde, die sich nun auf den Abstimmungsflyern wiederfinden. Auf den Handzetteln, mit denen ein Nein zur Wohn-/Gewerbezone 4 und ein Ja zur Wohnzone 3 gefordert wird.

Wohnzone 3 würde nicht entsprochen

Dies ungeachtet dessen, dass über diese Frage gar nicht abgestimmt wird. An der Urne geht es allein um den Entscheid darüber, ob das rund 7000 Quadratmeter grosse Flawa-Areal in der Industrie- und Gewerbezone verbleiben oder – zwecks Überbauung – in die Zone WG4 überführt werden soll. Dennoch liess sich Gemeindepräsident Elmar Metzger en passant zum Anliegen «Wohnzone 3» vernehmen. Eine solche stünde auch dann nicht zur Debatte, wenn der Teilzonenplan abgelehnt und – in einigen Jahren – ein neuer aufgelegt werden könnte. «Weil das Grundstück unternutzt und damit nicht mit den Vorgaben des Raumplanungsgesetzes kompatibel wäre», wie er begründete.
Obwohl nicht Gegenstand der Abstimmung, konzentrierte sich die dienstagabendliche Diskussion im Lindensaal weitgehend auf die vorgesehene Nutzung des Grundstücks. Wie viele Bauten in welcher Anordnung und mit welchen Abständen im Rahmen der planerischen Vorschriften erstellt werden, ist unbestritten unklar und begründet die Angst der Gegner vor einem «Trojanischen Pferd», wie eine Votantin sich ausdrückte. Dass kein Projekt vorliege, sei dem Verfahren geschuldet», sagte Pascal Bossart, Bereichsvorsteher Bau und Infrastruktur im Gemeinderat. Derart kostspielige Planungen führe ein Investor erst aus, wenn er Planungssicherheit habe. Dass ortsbildverträglich unter Berücksichtigung des angrenzenden Strukturschutzgebiets gebaut wird, garantiere rechtsverbindlich der verlangte Sondernutzungsplan. Dieser müsse vom Gemeinderat und vom Kanton genehmigt werden. Wobei jedes Mal Rechtsmittelgenutzt werden könnten, wie Elmar Metzger betonte. Gleichzeitig versicherte er, dass die Anstösser von Anbeginn weg in die Planung einbezogen würden mit dem Ziel, Einsprachen zu verhindern.

Leerwohnungsbestand und verlotterte Stickerhäuser

Braucht denn Flawil überhaupt neue Wohnungen? Die Grundsatzfrage stellte nicht nur Nicolai Gempel, der glaubt, dass der vorgesehene «hochwertige Wohnraum» genauso unattraktiv für Familien ist wie die verlotternden Altliegenschaften, welche Sozialhilfebezüger anlockten. Wobei Elmar Metzger einräumte, dass der Unterhalt von Privathäusern Sache der Eigentümer und nicht der Gemeinde sei. Und ein Votant klarstellte, dass Flawil zwar den viertgrössten Leerwohnungsbestand im Kanton habe, dieser sich jedoch nicht auf Neubauwohnungen beziehe. Die rund 100 Mietinteressierten für die 30 Wohnungen im Objekt «Wohnen in der alten Post» zeigten dies, sagte Elmar Metzger.

Mauersegler versus Wohneinheiten

«Wohnpark statt Industriebrache», damit werben die Befürworter der Vorlage um Stimmen. Auch eine Industriebrache könne ihren Reiz haben, meinte eine Anstösserin und verwies auf die Mauerseglerkolonie, die im Flawa-Werk heimisch sei. Ob ein Nein an der Urne den Erhalt des Status quo sichere, ist allerdings fraglich. Wahrscheinlicher ist laut dem CEO der Flawa AG, Nicolas Härtsch, eine anderweitige industrielle/gewerbliche Nutzung. Wobei, bei einem Neubau, 18 Meter hoch gebaut werden dürfte, wie Elmar Metzger klarstellte. In der WG4 sind vier Etagen plus ein Attika-Geschoss sowie Gebäudehöhen von maximal 13 und Firsthöhen von 17 Metern erlaubt.

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