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Für einmal schrubbt der Chef das WC

Im Rahmen eines Seitenwechsels half Thurvita-CEO Alard du Bois-Reymond bei der alltäglichen Arbeit in der Pflege und Reinigung mit.
Nicola Ryser
Der Thurvita-CEO, Alard du Bois-Reymond, hilft für einen Tag in der Reinigung aus – und putzt, bis alles glänzt. (Bild: nir)

Der Thurvita-CEO, Alard du Bois-Reymond, hilft für einen Tag in der Reinigung aus – und putzt, bis alles glänzt. (Bild: nir)

Eine ungewohnte Szene ereignet sich an diesem Mittwochmorgen im Alterszentrum Sonnenhof: Statt wie gewohnt mit Anzug und Krawatte läuft Thurvita-Chef Alard du Bois-Reymond in Arbeitshemd, Joggingschuhen und mit Müllsack und Staubsauger in den Händen durch die Flure. «Gewisse Bewohner reagierten fast ein wenig perplex, als sie mich sahen, einige erkannten mich gar erst beim zweiten Hinsehen», sagt er.

Seit sieben Uhr in der Früh ist er mit einer Reinigungskraft unterwegs, saugt Böden, putzt Duschen und reinigt Toiletten, macht also exakt das, was das achtköpfige Reinigungsteam täglich im Altersheim leistet. Dabei ist er immer unter strenger Beobachtung, muss regelmässig Fragen zu den Arbeitsprozessen stellen, denn für einmal nimmt der Chef nicht die Rolle des Befehlshabers, sondern die des Handlangers ein. Die Arbeit sei anstrengend, den Befehlen zu folgen ein wenig stressig und die Routine fehle noch: «Es braucht Zeit, bis all die Abläufe richtig sitzen, beispielsweise wann ich welchen Schwamm zum Schrubben nehmen muss.»

Ein Seitenwechsel als Perspektivenwechsel

Die Aktion stellt keinesfalls eine Degradierung des CEOs dar, sondern ist vielmehr Auftakt eines internen Projektes der Thurvita, betitelt als «Seitenwechsel», das zum gemeinsamen Denken anregen soll. Arbeitskollegen tauschen für einen bestimmten kurzen Zeitraum die Plätze, um einen Einblick in die verschiedenen Bereiche des Unternehmens – bei der Thurvita unterscheidet man zwischen Restaurant, Reinigung und Pflege – zu erhalten. Sprich: Eine Reinigungskraft lernt die harte Gangart in der Küche kennen, eine Mitarbeitende aus der Pflege hilft bei der kraftraubenden Reinigung aus. Nebst du Bois-Reymond werden auch andere Mitarbeitende an diesem Seitenwechsel partizipieren.

«Primär geht es darum, eine neue Sichtweise von den Arbeitskollegen zu bekommen, mit denen man sonst nicht viel zu tun hat. Daraus entstehen interessante Perspektiven», erklärt du Bois-Reymond. Bei der Thurvita arbeiten über sechs Standorte verteilt in allen Bereichen unterschiedliche Berufs- und Menschengruppen, die unterschiedlich ticken. Diese zusammenzuführen und miteinander interagieren zu lassen, besonders wenn es um Zuständigkeiten bei Schnittstellen gehe, sei äusserst schwierig. Deswegen die Lancierung der Aktion: «Wir wollen mehr Verständnis aufbauen und zeigen, dass interne Hierarchien nicht so relevant sind.»

Ein wichtiger Einblick in die Realität

Am Donnerstag wechselt du Bois-Reymond vom Sonnenhof ins Pflegezentrum Fürstenau, von der Reinigung in die Pflege. Der CEO wird der Demenzabteilung zugewiesen, muss Bewohner waschen oder ihnen beim Essen helfen. Dort präsentiere sich schon eine andere Welt als bei der Reinigung: «Man bewegt sich noch näher bei den Menschen, braucht viel Gefühl, um auf sie einzugehen.» Obwohl man auch beim Putzen der Zimmer mit den Leuten in Kontakt käme, bedürfe es in der Pflege viel mehr Routine im Austausch mit den Menschen: «Die Pflegekräfte müssen vermitteln, dass sich die Bewohner wohl und beschützt fühlen. Das ist nicht einfach.» Wie bei der Reinigung zeigt sich du Bois-Reymond auch in der Pflege engagiert und lernbereit. Seine «Vorgesetzten» in den Abteilungen zeigten sich zufrieden mit seiner Arbeit als temporärer «Schnupperlehrling».

Nach den zwei Tagen zieht der CEO ebenfalls ein positives Fazit. Der Blick in die Realität sei sehr wertvoll gewesen, gar eine Lektion: «Als CEO beschäftigt man sich halt mehr mit Strategien als mit alltäglicher Arbeit. Da weiss man nicht immer genau, was die Mitarbeitenden eigentlich leisten.» Diesen Einblick hat er jetzt bekommen. Und gewisse Aspekte, die er gelernt hat, könne er nun auch privat anwenden: «Ich weiss jetzt, wie ich das Badezimmer am besten putzen kann. Da wird meine Frau zu Hause Freude haben», sagt er schmunzelnd.

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