FUNKENSONNTAG: Ein lauter Knall

Es dauerte nicht lange, bis der Böögg auf dem Flawiler Landberg explodierte und der Winter vertrieben wurde.

Christine Gregorin
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Trotz des garstigen Wetters scharten sich am Sonntagabend auf dem Landberg zahlreiche Schaulustige um den Funken. (Bilder: Christine Gregorin)

Trotz des garstigen Wetters scharten sich am Sonntagabend auf dem Landberg zahlreiche Schaulustige um den Funken. (Bilder: Christine Gregorin)

Christine Gregorin

redaktion@wilerzeitung.ch

Kurz vor 19 Uhr ist es am Sonntagabend auf dem Flawiler Landberg schon ziemlich dunkel. Leichter Regen und Temperaturen um die sechs Grad lassen die trotzdem zahlreich erschienenen Schaulustigen – wasserdicht eingepackt oder ausgerüstet mit bunten Schirmen – eintrudeln. Neugierig blicken sie auf den Böögg. Noch hat dieser gut lachen. Aber nicht mehr lange, falls der Funken bei dem Wetter denn auch wirklich brennt. Inzwischen hat es aufgehört zu nieseln. Gerade rechtzeitig, um sich mit Punsch, Ortsbürgerwurst und Brot das Warten zu verkürzen.

Zu den Klängen der Wyssbach Geischter wird der grosse Scheiterhaufen in Brand gesteckt. Zunächst züngeln nur einzelne Flammen schüchtern aus dem Innern des Haufens. Nach und nach bahnen sie sich ihren Weg in Richtung der Puppe ganz oben. Um 19.30 Uhr unterbricht dann plötzlich ein lauter Knall das Platzkonzert der einheimischen Guggenmusik. Der Kopf des Böögg ist explodiert – dem Winter ist definitiv der Garaus gemacht worden.

Anlass mit einer langen Tradition

«Unseren Funkensonntag gibt es seit mehr als 20 Jahren», sagt Sara Büchler vom organisierenden Ortsbürgerrat Flawil. Wie in den vergangenen Jahren ist der Böögg von Schülerinnen und Schülern der Heilpädagogischen Schule Flawil kreiert und gebastelt worden. Und der Gastgeber, Landwirt und Ortsbürger Roman Stüdli, war verantwortlich für Holzbeschaffung, Aufbau und Überwachung des Funkens.

Funkensonntag ist jeweils der erste Sonntag nach Aschermittwoch. Der Ursprung dieses Brauches ist, obwohl bereits früh belegt, unklar. Überlegungen dazu gehen meist davon aus, dass es sich um Überreste eines heidnisch-germanischen Brauchtums zur Vertreibung des Winters handelt. «Wir haben hier doch keine zürcherischen Verhältnisse», verneint Sara Büchler die Frage, ob in Flawil die Zeitspanne zwischen dem Feuerlegen und der Böögg-explosion ebenfalls als Gradmesser für die Güte des Sommers gedeutet werde.