Fundgrube für Schnäppchenjäger

DEGERSHEIM. Das Brockenhaus der Stiftung Tosam in Degersheim feiert sein 25jähriges Bestehen. Manches hat sich seit dessen Eröffnung verändert, vieles befindet sich im Wandel. Geblieben aber ist die Attraktivität des «Brocki» als Fundgrube.

Andrea Häusler
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Brockenhaus-Leiter Alain Litera vor einem Trouvaillen-Schrank im Kellergeschoss der Industrieliegenschaft an der Taastrasse 11. (Bild: Andrea Häusler)

Brockenhaus-Leiter Alain Litera vor einem Trouvaillen-Schrank im Kellergeschoss der Industrieliegenschaft an der Taastrasse 11. (Bild: Andrea Häusler)

Die Brockenstube an der Taastrasse 11 ist ein Treffpunkt. Seit nunmehr 25 Jahren begegnen sich hier Sammler und Händler auf der Suche nach Trouvaillen, passionierte Schnäppchenjäger und Menschen, deren Haushaltsbudget Sparsamkeit gebietet. Das Sortiment umfasst nahezu alles, was gebraucht, aber noch brauchbar ist: Vom Kaffeelöffel bis zum Rasenmäher, vom Wäscheknopf bis zum Hochzeitskleid. Alain Litera führt die Brockenstube der Herisauer Stiftung Tosam seit neun Jahren als Betriebsleiter. Im Rückblick spricht er vor allem das sukzessive Wachstum der Secondhand-Einrichtung an, die 1990 als erste externe Institution zur Finanzierung der Stiftung Tosam eröffnet worden sei.

Neu: Onlineshop für Bilder

Anfänglich habe die Brockenstube nur das Obergeschoss des Industriebaus belegt, erinnert sich Litera. Dann sei in die Erd- und Untergeschosse expandiert worden und, im Frühjahr dieses Jahres, habe man weitere Verkaufs- und Präsentationsflächen hinzugemietet. «Im Untergeschoss, dort, wo zuvor Werkstätten Feldegg der Stiftung Säntisblick untergebracht waren.» Der zusätzliche Raum wird einerseits als Verkaufsfläche für Möbel, Sport- und Freizeitartikel genutzt und dient anderseits dem Personal als Garderoben- und Aufenthaltsbereiche. Hier soll ausserdem der neue Onlineshop für Bilder untergebracht werden: bilderplanet.ch. In dieser neuen, virtuellen Vermarktungsform sieht Alain Litera eine vielversprechende Möglichkeit, wertvollere Gemälde oder Zeichnungen einem breiteren Publikum anzubieten. Gleichwohl soll Kunst nicht aus dem Brocki-Sortiment verschwinden.

Brocki-Gut ist trendy

Litera bestreitet nicht, dass gerade das virtuelle Einkaufen, Verkaufsplattformen für Gebrauchtwaren und Sammelartikel wie «ricardo», «ebay», «tutti» oder «gratis-inserate» den Privatverkauf attraktivieren und das traditionelle Brockenhaus konkurrenzieren, sagt aber: «Finanziell geht es nach wie vor aufwärts.» Shopping im Brocki sei nicht nur für «Jäger und Sammler» reizvoll, sondern geniesse bei der sehr jungen Kundschaft geradezu Kultstatus. «Es zeichnet sich ein Trend ab: Junge mischen in ihren Wohnungen gern Altes mit Neuem.»

Ausbau des Transportbereichs

Die guten Geschäftszahlen hat das Brockenhaus auch den Neben- oder Parallelbetrieben im Hause zu danken. Alain Litera nennt den Transportbereich, namentlich den Abhol-, bzw. Lieferservice und die Räumungen sowie den in Zusammenarbeit mit dem ZAB betriebenen Entsorgungsfachmarkt «easydrive». Betriebszweige, für die Paul Kappeler verantwortlich ist. Litera betont die Nachfrage nach derlei Dienstleitungen und verrät: «Da ist Potenzial vorhanden, das wir ausschöpfen wollen.»

Der finanzielle Erfolg der Brockenstube sei wichtig, sagt Alain Litera, weist aber gleichzeitig auf die Bedeutung der Institution als Arbeitsort und als Arbeitgeber für Menschen hin, die im ersten Arbeitsmarkt keinen Arbeitsplatz finden. Wie alle neun Tosam-Betriebe bietet das Brockenhaus Degersheim – nebst Praktikumsplätzen und Einsatzmöglichkeiten für Zivildienstleistende – Stellen auf dem alternativen Arbeitsmarkt an.

In den vergangenen 25 Jahren wurde das «Brocki» laufend erweitert.

In den vergangenen 25 Jahren wurde das «Brocki» laufend erweitert.