«Es tut im Herzen weh»: Für Uzwil und die Region endet eine Ära – das Café Stalder schliesst Ende November

Nach 36 Jahren schliesst das Café Stalder in Uzwil per Ende November. Grund dafür sind schwindende Margen und steigende Fixkosten.

Dinah Hauser
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Peter Müller hat sich schweren Herzens dazu entschieden, das Café Stalder zu schliessen. Seit 17 Jahren ist es sein Arbeitsort.

Peter Müller hat sich schweren Herzens dazu entschieden, das Café Stalder zu schliessen. Seit 17 Jahren ist es sein Arbeitsort.

Bild: Dinah Hauser

«Mir tut es im Herzen weh.» Gerne hätte Peter Müller das Café Stalder in Uzwil weitergeführt. Doch er hat sich nach neun Jahren Leitung dazu entschieden, im November die Türen für immer zu schliessen. Der Mietvertrag an der Bahnhofstrasse 88 wäre sowieso Ende Jahr ausgelaufen. «Seit einem Jahr haben wir uns Gedanken gemacht, wie es weiter gehen könnte», sagt der gelernte Konditor-Confiseur.

Hauptgründe für die Schliessung sind steigende Fix- und Personalkosten sowie die Coronapandemie.

«Die Kundenzahlen sind eingebrochen. Es scheint, als ob es nie mehr gleich wird wie vor Corona.»

Peter Müller schaut im Café umher. Nur wenige Tische sind an diesem Nachmittag besetzt. Er blickt dankbar auf die Unterstützung der Bevölkerung zurück. Einige Kunden hätten ihm gesagt, dass sie nun keinen Treffpunkt mehr hätten, oder dass sie es sehr schade fänden. «Die Rückmeldungen zeigen uns, dass wir doch einiges richtig gemacht haben.»

Rahmenbedingungen haben sich geändert

Der Gründer Werner Stalder sagt:

«Es tut weh. Aber ich gebe Peter Müller nicht die Schuld, mein Lebenswerk zerstört zu haben.»

Vielmehr seien die Rahmenbedingungen denkbar schlecht geworden. So habe über die Jahre etwa die Bürokratie massiv zugenommen und es müssten viel mehr Vorschriften eingehalten werden. Auch der Gesamtarbeitsvertrag sei hinderlich. «Preise und Löhne unterscheiden sich je nach Region. Es macht für mich daher keinen Sinn, die gleichen Bedingungen auf dem Land wie in einer Grossstadt wie Zürich zu schaffen.» Als Branchenkenner würde Werner Stalder auf einen Leistungslohn setzen, der sich dann auch im Preis zeige. Gute Qualität darf für ihn auch einen höheren Preis haben.

Das Cefé Stalder liegt im Zentrum von Uzwil.

Das Cefé Stalder liegt im Zentrum von Uzwil.

Bild: Hans Suter

Zudem haben sich der Markt und das Konsumverhalten über die Jahre stark verändert. Werner Stalder weiss von Sonntagen zu berichten, an denen er sehr hohe Umsätze erzielt hat.

«Wir haben an einem einzigen Tag 700 Gipfeli und 500 bis 600 Patisseriestücke verkauft. Wir kamen kaum noch nach mit der Herstellung.»

Ihm sei damals nichts zu viel gewesen und er sei sieben Tage im Laden und in der Backstube gestanden –nicht wegen des Geldes, wegen der Anerkennung. Damals war es ein Lifestyle, ins Café zu gehen. Die Kunden kamen scharenweise. «Heute hingegen gehen Kunden oft zum Grossverteiler oder gar über die Grenze. Der Lifestyle hat sich gewandelt.» Zudem hätten Grossverteiler den Vorteil der Mischrechnung und könnten so die Preise einzelner Produkte tiefer halten.

«Mir liegt die Qualität am Herzen»

Vergangene Tage. Auch die Margen schwinden immer mehr. Peter Müllers Wunschtraum von einer Konditorei mit Café und eigener Produktion sei heutzutage nicht mehr möglich. Viele Unternehmer würden auf mehrere Standorte mit einer einzigen Produktion setzen. Eine andere Möglichkeit wäre, Tiefkühlprodukte einzukaufen und diese im Café zu verkaufen. «Das würde vielleicht mehr rentieren. Aber mir liegen das Handwerk und die Qualität am Herzen. Zudem will ich den Lehrlingen auch etwas bieten können.»

Ebenso sieht er die Gefahr, dass das Ortszentrum in Uzwil mehr und mehr stirbt. «Viele Geschäfte sind in den vergangenen Jahren zugegangen.» Bald zieht auch die Migros weg – in die Linden-Überbauung. Die Lage des Café sei eigentlich gut, jedoch fehle es an Parkplätzen. Jene fünf hinter dem Haus würden oft von Fremdparkierern genutzt. Zudem verfügt das Café über keine Terrasse, der Wintergarten ist im Sommer sehr heiss. Hätte er mit besseren Rahmenbedingungen weiter machen können, so hätte Müller das Café modernisiert.

Sich über mehrere Standorte zu verteilen, hatte bis Oktober 2019 mit dem Café Schöntal in Wil geklappt. Der Eigentümer wollte aber ein Konzeptwechsel vollziehen, zu dem Peter Müller nicht bereit war. Seit Mai ist die Café Stalder AG Partnerin von Möbel Svoboda in Schwarzenbach. Dort entstand «S Kafi», welches vom Café Stalder beliefert wird. «‹S Kafi› ist nur schon vom Konzept her nicht zu vergleichen mit dem ‹Schöntal›, aber wir können die Backstube trotzdem gut auslasten.»

Svoboda-Geschäftsführer Ruedi Bosshard bedauert, dass Peter Müller aufhört. Er habe ihn als flexiblen und zuverlässigen Partner erlebt. Das «S Kafi» soll weitergeführt werden. Derzeit sucht das Schwarzenbacher Möbelhaus einen neuen Partner.

Lehrlinge haben Anschlusslösung gefunden

Zwei der vier Stalder-Lehrlinge haben bereits einen neuen Lehrmeister gefunden. «Bei den anderen beiden sieht es ebenfalls gut aus», sagt Peter Müller. Es sei ihm ein grosses Anliegen, dass seine Schützlinge gut unterkämen. Die elf Mitarbeitenden seien derzeit noch auf der Suche oder hätten schon etwas gefunden.

«Ich bin überzeugt, dass alle eine neue Stelle finden. Denn sie leisten sehr gute Arbeit.»

Peter Müller selbst weiss noch nicht, wie es bei ihm persönlich weiter geht. «Ich möchte erst einmal gut abschliessen und lasse es auf mich zu kommen.» Andere Lokalitäten habe er geprüft. Aber Miete und Einrichtung seien sehr kostenintensiv. Auch habe er schon Pläne gehabt für einen Standort bei der Linden-Überbauung mit Drive-in. «Die Fertigstellung würde allerdings zu lange dauern. Ich kann nicht zwei bis vier Jahre überbrücken.»

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