Für «Sicherheit» geworben

Am Freitag war Landsgemeinde in Oberbüren mit Bundespräsident Ueli Maurer. Alle Redner sprachen sich gegen die Initiative «Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht» aus. Über 500 Besucher wollten wissen, was die Politiker zu sagen haben.

Zita Meienhofer
Merken
Drucken
Teilen
Vier Redner, eine Meinung: Regierungsrat Fredy Fässler, Nationalrat Jakob Büchler, Bundespräsident Ueli Maurer und Ständerätin Karin Keller-Sutter (von links).

Vier Redner, eine Meinung: Regierungsrat Fredy Fässler, Nationalrat Jakob Büchler, Bundespräsident Ueli Maurer und Ständerätin Karin Keller-Sutter (von links).

OBERBÜREN. Eine Landsgemeinde in Oberbüren! Eine «Sicherheits-Landsgemeinde», organisiert vom St. Galler Komitee «Nein zur Unsicherheits-Initiative» und der Kantonalen Offiziersgesellschaft (KOG) St. Gallen mit Markus Bänziger an der Spitze. Organisiert aber vor allem vom Kampagnenleiter des Komitees, Sven Bradke, Wirtschafts- und Kommunikationsberater sowie Oberst im Stab der Territorialregion 4.

«Wir wollten mit einem besonderen Anlass gegen diese Initiative, über die in einem Monat abgestimmt wird, ankämpfen», sagte Bradke am Ende der Veranstaltung, «mit einem Anlass mit Politprominenz, am liebsten mit dem obersten Chef.» Diesen holte er dann tatsächlich auch nach Oberbüren. Der Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Bundespräsident Ueli Maurer, legte seine Beweggründe für den Erhalt der Wehrpflicht ebenso dar wie Nationalrat Jakob Büchler, Präsident des St. Galler Kantonal-Schützenverbandes, wie Ständerätin Karin Keller-Sutter, ehemalige Präsidentin der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, und wie Regierungsrat Fredy Fässler, Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements des Kantons.

Politprominenz

Über 500 Personen nahmen an dieser Landsgemeinde teil. Leute aus der Region, welche die hochkarätige Politprominenz nicht verpassen wollten, Mitglieder oder Ehemalige der Armee, Behördenvertreter, Politiker und ehemalige des kantonalen und nationalen Parlaments. Sven Bradke zeigte sich zufrieden über die Besucherzahl. Diese konnten sich bei Most und Käse verköstigen, bis die Redner zu den Tönen der Musikgesellschaft Oberbüren in den «Ring» marschierten.

Wohlstand dank Sicherheit

«Als eines der reichsten Länder der Welt dreht sich in der Schweiz letztlich fast alles um die Sicherheit», sagte Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) einleitend, «Sicherheit und Wohlstand hängen zusammen.» Für diese Sicherheit sind mehrere Organisationen zuständig, auch die Armee. Er bezweifelt, dass eine Armee mit Freiwilligen funktioniere und deshalb mit der Annahme der Initiative das Sicherheitsnetz des Landes ein Loch bekommen würde. Maurer zeigte auf, dass dank der Wehrpflicht eine qualitativ und quantitativ gute Armee bereit stehe, die kostengünstig sei und auf die vertraut werden könne.

Beschützen statt Kriege führen

«Wehrpflicht heisst, Menschen vor Gefahren schützen und nicht Krieg führen», sagte Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP). Sie wies darauf hin, dass die Armee die einzige Sicherheitsreserve bei Naturkatastrophen oder anderen Bedrohungen sei, und gab zu bedenken: «Ein Staat, der die Bürger nicht schützen kann, der gibt sich auf.» Auch Nationalrat Jakob Büchler (CVP) wies auf die Bedeutung der Armee als Teil des Sicherheitsverbundes der Schweiz hin.

Regierungsrat Fredy Fässler (SP) legte dar, dass mit dem Wegfall der Wehrpflicht auch die Zivilschutzdienstpflicht aufgehoben werden würde. «Militär und Zivilschutz sind zwei tragende Pfeiler im Bereich Sicherheit», betonte Fässler. Er ist der Ansicht, dass der Bevölkerungsschutz in Zukunft mehr beansprucht werde und deshalb die Sicherheitsorganisationen ausgebaut werden müssten. Im Anschluss an den offiziellen Teil gestand Fässler, dass er in den letzten Jahren seine Meinung zu diesem Thema grundlegend geändert habe. «Der Auftrag der Armee hat sich mit den Reformen gänzlich verändert», sagte Fässler, der bei der Fliegerabwehrtruppe gedient hat, «viele Sicherheitsaufträge könnten nicht mehr erfüllt werden, stünde die Armee nicht zur Verfügung».

Nach der einstündigen Landsgemeinde war die Möglichkeit geboten, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen, was rege benutzt wurde.

Viel Publikum an der Landsgemeinde in Oberbüren. Einige taten ihre Meinung mit Transparenten kund: «freie Miliz = Illusion». (Bilder: zi)

Viel Publikum an der Landsgemeinde in Oberbüren. Einige taten ihre Meinung mit Transparenten kund: «freie Miliz = Illusion». (Bilder: zi)

Bild: ZITA MEIENHOFER

Bild: ZITA MEIENHOFER