Für drei Kantonsräte aus dem Wahlkreis Wil ist die Zeit im Parlament zu Ende: Was bleibt nach der Zeit als Kantonsrat?

Mit dem Ende der Aufräumsession endete für drei Kantonsräte aus dem Wahlkreis Wil auch die Zeit im Parlament überhaupt.

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Die Aufräumsession war für drei Parlamentarier aus dem Wahlkreis Wil nicht nur wegen des ungewohnten Sitzungsortes in den Olma-Hallen speziell.

Die Aufräumsession war für drei Parlamentarier aus dem Wahlkreis Wil nicht nur wegen des ungewohnten Sitzungsortes in den Olma-Hallen speziell.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Am Mittwochmittag ging die Aufräumsession des St.Galler Kantonsrates zu Ende. Und mit ihr auch die Amtsdauer. Wenn das Parlament im Juni zur nächsten Session zusammenkommt, werden drei Kantonsräte aus dem Wahlkreis Wil nicht mehr dabei sein. Peter Hartmann (SP, Flawil) war nicht mehr zu den Wahlen angetreten, Erich Baumann (FDP, Flawil) und Peter Haag (SVP, Jonschwil) schafften die Wiederwahl nicht.

Die drei nun Alt-Kantonsräte beantworteten der Wiler Zeitung vier Fragen.

Peter Hartmann (SP), Flawil

Bild: Urs Bucher

Was war der grösste Erfolg in Ihrer Kantonsratszeit?

Mit der immer besseren Vernetzung in andere Parteien konnten Vorlagen erfolgreich verbessert werden. So wurde die Sanierung der Pensionskasse möglich. Mit dem Kompromiss bei der Unternehmenssteuerreform konnte eine Entlastung der Familien und des Mittelstandes erreicht werden.

Was war Ihre grösste Niederlage?

Schon vor Jahren forderten wir einen energieautarken Kanton St.Gallen. All dies wurde abgeschmettert und obwohl heute die Klimakrise unsere Lebensgrundlagen akut bedroht, werden im St.Galler Kantonsrat griffige Massnahmen durch SVP, FDP und CVP abgelehnt.

Wie hat sich der Ratsbetrieb in dieser Zeit verändert?

Der Ratsbetrieb entwickelte sich zu einem Ort mit immer wieder heftigen Debatten um politische Grundsatzthemen. Die Regierung ist Teil des Ratsbetriebs. Hier zeichnete sich während meiner Zeit eine negative Entwicklung ab. Wir haben heute ein geschwächtes Regierungsgremium.

Wofür bleibt jetzt endlich mehr Zeit?

Politische Themen werden mich weiterhin beschäftigen. Die Diskussion um die Spitalstrategie verfolge ich weiter und setzte mich gegen die Schliessung der Regionalspitäler ein. Zudem werde ich unsere Enkelin und die Enkel hüten, Freiwilligenarbeit leisten, im Garten arbeiten und lesen.

Erich Baumann (FDP), Flawil

Bild: Regina Kühne

Was war der grösste Erfolg in Ihrer Kantonsratszeit?

In den Kommissionen war ich massgeblich beteiligt, Lösungen zu erarbeiten. Haupterfolg war der Konsens bei der Unternehmenssteuervorlage Staf. Wir konnten Steuern bei den Unternehmen sparen und gleichzeitig für die Familien Vergünstigungen ermöglichen.

Was war Ihre grösste Niederlage?

Die finanzielle Situation der St.Galler Spitäler ist alarmierend, Rat und Bevölkerung blenden dies noch immer aus. Es geht um eine bezahlbare qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung, nicht um regionale Besitzstandswahrung.

Wie hat sich der Ratsbetrieb in dieser Zeit verändert?

Die Digitalisierung nimmt im Ratsbetrieb noch zögerlich, aber unaufhaltsam Einzug.

Wofür bleibt jetzt endlich mehr Zeit?

Nun habe ich neben meiner beruflichen Tätigkeit mehr Zeit für Familie, Freunde und Sport.

Peter Haag (SVP), Flawil

Bild: PD

Was war der grösste Erfolg in Ihrer Kantonsratszeit?

Dank meiner guten Kontakte über die Parteigrenzen hinaus konnte ich eine Vorentscheidung im Projekt Zivilschutz 2015+ bereits im Vorfeld der Kommissionssitzung beeinflussen. Die Umsetzung dauerte so zwar länger, aber meines Erachtens hat es sich für alle Beteiligten zum Guten entwickelt.

Was war Ihre grösste Niederlage?

Die Nichtwahl von Michael Götte in die Regierung hat mich stark beschäftigt, da er eine ganz ähnliche politische Einstellung pflegt wie ich. Obwohl ich in meiner Wohngemeinde einen unbeschreiblichen Rückhalt spüren durfte, zähle ich aber auch meine Abwahl dazu.

Wie hat sich der Ratsbetrieb in dieser Zeit verändert?

Insgesamt war ich zehn Jahre im Kantonsrat. Insbesondere die Veränderung der Platzverhältnisse mit der Reduktion auf 120 Mitglieder war markant zu spüren, aber auch der persönliche Umgang untereinander hat sich aus meiner Sicht zum Positiven entwickelt.

Wofür bleibt jetzt endlich mehr Zeit?

Viele Abende und Samstage stehen nun zur Verfügung, welche ich zu Gunsten meiner Familie investieren kann. Aber auch auf dem Tennisplatz werde ich vermehrt anzutreffen sein.