Für die Sache – gegen das Projekt

Ein Radweg von Sonnental nach Oberbüren war einst Wunschdenken. Nun soll dieser gebaut werden. Mit dem Projekt sind allerdings nicht alle einverstanden. Einsprachen sind eingegangen. Nicht gegen die Sache an sich, sondern gegen das Projekt.

Zita Meienhofer
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Bruno Dudli, Gottfried Auerbach und Jakob Frick (von links) haben sich intensiv mit dem Projekt «Geh- und Radweg Sonnental–Brübach» auseinandergesetzt. Sie teilen die Meinung über das Projekt jedoch nicht. (Bild: zi.)

Bruno Dudli, Gottfried Auerbach und Jakob Frick (von links) haben sich intensiv mit dem Projekt «Geh- und Radweg Sonnental–Brübach» auseinandergesetzt. Sie teilen die Meinung über das Projekt jedoch nicht. (Bild: zi.)

SONNENTAL. Seit im Sommer 2002 die Oberstufenschule Thurzelg in Oberbüren eröffnet wurde, die auch die Sonnentaler Jugendlichen besuchen, wird ein sicherer Schulweg zwischen den Dörfern Sonnental und Oberbüren gefordert.

Tödlicher Unfall

Im Juni des gleichen Jahres wurden zwar die ersten Massnahmen zur Sicherung des Schulweges vorgenommen, mehr und mehr wurde allerdings das Begehren laut, dass ein durchgehender Rad- und Gehweg von Sonnental nach Oberbüren realisiert werden sollte.

Im Frühjahr 2006 verunfallte eine Sonnentaler Schülerin auf dem Weg zur Schule in Oberbüren tödlich. Die Forderung der Sonnentaler wurde nun auch bei den Verantwortlichen beim kantonalen Baudepartement gehört.

Sieben Einsprachen

Anfang 2008 erhielt der Gemeinderat Oberbüren die Unterlagen für das Projekt Geh- und Radweg Brübach–Sonnental zur Stellungnahme. Der Baubeginn wurde optimistisch auf Herbst 2008 geplant. Die zustimmende Stellungnahme des Gemeinderates wurde dem fakultativen Referendum unterstellt.

Das Referendum wurde nicht ergriffen. In der Folge erstellte der Kanton das eigentliche Ausführungsprojekt. Während der öffentlichen Auflage gingen sechs Einsprachen von Privaten ein. Die Gemeinde Oberbüren erhob ebenfalls vorsorglichen Einspruch mit dem Antrag, dass der Kanton die Möglichkeiten zur Erschliessung der gemeindeeigenen Baulandparzelle aufzeigen solle.

Mit der zugesicherten Lösung zeigte sich der Gemeinderat zufrieden und zog die vorsorgliche Einsprache wieder zurück – das taten allerdings nicht alle Einsprecher. Allen voran Jakob Frick.

Schwerverkehr

Jakob Frick befasste sich intensiv mit dem Projekt, studierte die Pläne, informierte sich bei den Verfassern des Projektes, bei den Verantwortlichen beim kantonalen Baudepartement sowie bei weiteren Personen, die sich mit dem Bau von Geh- und Radwegen befassen – und, er legte Varianten vor, die er für besser befand.

Jakob Frick betont immer wieder, dass er nicht gegen den Bau des Geh- und Radweges von Brübach nach Sonnental und ihm die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer wichtig sei, aber es seien Massnahmen zu realisieren, welche den Anwohnern und allen Verkehrsteilnehmern nützen.

Bedenken äussert er vor allem zur Verschmälerung der Fahrbahn von 7,5 auf 6,25 Meter – im Gegenzug wird der Gehsteig von 2 auf 3,25 Meter verbreitert.

Für Lastwagen und andere – teilweise noch bedeutend breitere Verkehrsmittel wie landwirtschaftliche Fahrzeuge, Schneepflüge, Ausnahmetransporte – werde es schwierig bis unmöglich sein, zu kreuzen, erst recht im Winter, sagt Frick, der aus der Praxis spricht, da er selber berechtigt ist, Lastwagen zu lenken. Als problematisch erachtet er die Überleitung aller Zweiradfahrer, auch der Mofafahrer, von der Nordseite auf den südseits gelegenen und verbreiterten Gehsteig.

Projekt in falsche Richtung

Und zudem ärgert es ihn, dass niemals öffentlich über dieses Projekt informiert wurde. Aus rechtlicher Sicht ist jedoch eine Orientierungsveranstaltung, wie sich Jakob Frick gewünscht hat, nicht nötig. Das Gesetz sieht vor, dass sich die Mitwirkung des Bürgers bei solchen Projekten auf das Referendumsverfahren gegen die Stellungnahme des Gemeinderates und auf die ordentlichen Einspracheverfahren beschränkt. Das hat nun Jakob Frick getan. Allerdings wurden Ende Jahr seine Einsprache und zwei weitere vom Regierungsrat abgelehnt.

Frick gibt jedoch nicht auf und gelangte nun als einziger der Einsprechenden an das Verwaltungsgericht.

Unterstützung hat er inzwischen bei Bruno Dudli gefunden. Dudli zog vor noch nicht allzu langer Zeit nach Sonnental und hat sich erstmals im Frühjahr 2009 mit diesem Projekt befasst – er wurde damals zum Präsidenten der SVP Oberbüren-Niederwil-Sonnental gewählt. Eine Einsprache war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Auch Dudli hat viele Gespräche geführt, seine Bedenken bei verschiedenen Stellen deponiert und, wie er sagt, meist Zustimmung erfahren. Dudli betont jedoch: «Ich bin nicht gegen Massnahmen zur Sicherung des Schulwegs, es soll etwas gemacht werden, jedoch etwas Sinnvolles und am richtigen Ort. Das vorliegende Projekt ist hingegen ein Schritt in die falsche Richtung, und es ändert an der Gefahrenstelle des tödlichen Unfalls nichts. Es wird am falschen Ort umgebaut.»

Dorfkorporation für Projekt

Dudli kritisiert zudem die Haltung der Dorfkorporation Sonnental-Brübach. «Der jetzige Verwaltungsrat ist nicht überzeugt vom Projekt, trotzdem werden die sachlichen Argumente bewusst ignoriert», so Dudli. Und fügt an: «Man geht lieber einen Pakt mit dem Teufel ein, als mit der SVP sachliche, sinnvolle, lösungsorientierte und durchdachte Projekte auszuarbeiten.»

Dem entgegnet Gottfried Auerbach, seit zwei Jahren Präsident des Verwaltungsrates der Dorfkorporation: «Wir stehen hinter dem Projekt. Wir kritisieren einzig, dass der Radweg nicht nur von Brübach nach Sonnental, sondern durchgehend bis nach Oberbüren realisiert werden sollte.» Es war letztlich vor allem die Dorfkorporation, die sich vehement für einen Geh- und Radweg einsetzte.

Elmar Schönenberger, der den Verwaltungsrat bis 2008 präsidierte, wurde immer wieder bei verschiedenen Stellen vorstellig, tat das Anliegen der Sonnentaler kund und befasste sich ebenfalls intensiv mit der Materie. Er und zwei weitere Mitglieder des Verwaltungsrates hatten damals auch dem Projekt zugestimmt. «Es ist das, was wir wollen», zeigt sich Schönenberger noch heute überzeugt vom Projekt.

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