Für die Orgel alle Register gezogen

Im Rahmen von «Spiel, Orgel, spiel» konzertierte am Sonntag der international preisgekrönte Organist Andreas Jud in der evangelischen Kirche Flawil. Damit leistete der Ostschweizer einen Beitrag für die Revision der 1911 erbauten Goll-Orgel.

Christoph Hunziker
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Am Sonntag bestritt der in der Ostschweiz aufgewachsene Organist Andreas Jud das letzte Zyklus-Konzert 2014 in der evangelischen Kirche. (Bild: Christoph Hunziker)

Am Sonntag bestritt der in der Ostschweiz aufgewachsene Organist Andreas Jud das letzte Zyklus-Konzert 2014 in der evangelischen Kirche. (Bild: Christoph Hunziker)

FLAWIL. Wagner zum Auftakt, Reger als Schlusspunkt, dazwischen Bach, Vierne und Rheinberger: Für den Fonds zur Instandstellung der Flawiler Goll-Orgel veranstaltet die evangelische Kirchgemeinde jedes Jahr mehrere Anlässe der Konzertreihe «Spiel, Orgel, spiel». Am vergangenen Sonntag bestritt der in der Ostschweiz aufgewachsene Organist Andreas Jud das letzte Zyklus-Konzert 2014 in der evangelischen Kirche.

Mystik und Abendstern

Leise klang das von Sigfrid Karl-Elert für Orgel bearbeitete Vorspiel zu Richard Wagners Oper Lohengrin. Immer mehr nahm die Musik, die eine unwirkliche Atmosphäre evozierte, den Raum der Kirche ein, die Zuhörenden gleichermassen. Der junge Organist wusste das Geheimnisvolle und Mystische aufrecht zu erhalten und liess die Spannungsblase erst am Ende platzen.

Viel Raum nahm auch Bachs bekanntes Orgelwerk Präludium und Fuge in h-Moll (BWV 544) ein. Vor allem das schmucke Vorspiel stellte an den Interpreten ausserordentliche musikalische Ansprüche.

Eine völlig neue Atmosphäre erarbeitete Andreas Jud mit dem Stück Étoile du soir des französischen Komponisten Louis Vierne. Heller schien dabei auch das Deckengewölbe. Dieser «Abendstern» schuf durch ausgehaltene Sekundreibungen und langsame Trillerketten in verschiedenen Stimmen eine geradezu impressionistisch-verträumte Klangwelt.

Unter der beibehaltenen Bewegung der Begleitstimmen entwickelte sich im Mittelteil ein ausgedehnter melodischer Kanon zwischen Sopran und Bass, bevor das Stück in die Ausgangsatmosphäre zurückkehrte.

Ältere Zeiten im Fokus

Die an klassische Kunst gemahnende Passacaglia Rheinbergers Orgelsonate Nr. 8 in e-Moll erklang trotz virtuoser Abschnitte, tiefer Passagen im Bassregister und schwungvoller Tempi als leichtfüssiges Werk.

Mit Regers Phantasie über den Choral «Halleluja! Gott zu loben, bleibe meine Seelenfreud», das sich formal an Bach anlehnt, tonal aber völlig andere Wege einschlägt, endete das Benefizkonzert zur Instandstellung der Goll-Orgel.

Hohe Konzentration gefordert

Ernsthaftigkeit und künstlerisches Ethos durchzogen Andreas Juds Vortrag. Seine Stückwahl forderte nicht nur von ihm hohe Konzentration, sondern auch von seinen Assistenten, die alle Register der Goll-Orgel zogen und schoben.

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