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FÜHRUNG: Grosses Haus mit grosser Geschichte

Archivar und Historiker Markus Kaiser blickte aus Anlass der 1200-Jahr-Feier von Oberbüren zurück in die Geschichte des Grossen Hauses. Dazu öffneten Margret und Lukas Willen die Tür zu ihrem prachtvollen Heim.
Zita Meienhofer
Der Saal wurde von der Decke mit der Stuckatur über das Tannenholz-Knietäfer bis zum passenden Parkett erneuert. (Bilder: Jazinta Kempter)

Der Saal wurde von der Decke mit der Stuckatur über das Tannenholz-Knietäfer bis zum passenden Parkett erneuert. (Bilder: Jazinta Kempter)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

817 fand Oberbüren erstmals Erwähnung in den Geschichtsbüchern. 990 Jahre später wird ein Haus gebaut, dessen Geschichte ebenso in die Annalen eingeht. Von dieser Geschichte sollen auch die Oberbürer Kenntnis haben – von einer Geschichte, die ein bedeutender Abschnitt im 1200-jährigen Bestehen des Ortes ist. Eine Geschichte, erzählt von Markus Kaiser, der in Oberbüren einst unterrichtet hat und später als Archivar und Historiker tätig war, das Dorf bestens kennt und äusserst lebendig erzählen kann. Im Jahr 1807 wurde das Grosse Haus, das zwischen der Bäckerei Dörig und der Kirche steht, erstellt, und zwar an der Stelle des ehemaligen Schlosses. In den Geschichtsbüchern ist die Rede vom «Turm zu Büren». Ein «monströses Möbel», wie Markus Kaiser es nennt, vergleichbar mit dem Schloss Mammerts­hofen in Roggwil.

Erbauer des Grossen Hauses war Karl Häfelin, der in der Spitzrüti in Oberbüren aufgewachsen ist. Häfelin war Spross einer wohlhabenden Familie und genoss deshalb als einer der wenigen zu dieser Zeit eine Ausbildung. Er ging zum Militär, wurde Leutnant, 1792 in den Krieg eingezogen und nach seiner Rückkehr bald zum Gemeindeammann von Oberbüren gewählt. 1803 ernannten sie ihn zum Bezirksgerichtspräsidenten Wil-Gossau, was ihn zum mächtigsten Mann der Region werden liess. 1807 liess er sich das Grosse Haus erbauen, da ihm sein Heim in der Spitzrüti zu wenig war. Ein Prachtsbau entstand.

«Solche Häuser gibt es noch in Trogen. Dort heissen sie Paläste», erklärte Markus Kaiser, um einen Vergleich aufzuzeigen. Karl Häfelin sah sich zwar als König, seine Schatzkammer war allerdings schneller leer, als ihm lieb war. 1814 ging er Konkurs. Die Schadenssumme belief sich auf einen Betrag, der heute 6,5 Millionen Franken Wert wäre. Häfelin wurde zu einer Höchststrafe von 20 Jahren verurteilt, die er im Schloss Rapperswil absitzen musste. Nicht nur über Karl Häfelin und seine Familie weiss Kaiser eingehend Bescheid, er ist auch über deren Nachfolger informiert. Eine Familie wohnt in Paris und führt ein Unternehmen, das bestes Leder verkauft.

Das Interesse an der Führung im Rahmen des 1200-Jahr-Jubiläums war gross. Margret und Lukas Willen öffneten deshalb die Tür zu ihrem Heim gleich zweimal. An Weihnachten 2008 zogen sie in das Grosse Haus in Oberbüren, in das sie sich auf den ersten Blick verliebt hatten. Diese Liebe ist nun zu sehen und zu spüren. Die Liebe, mit welcher Margret und Lukas Willen das Haus stetig schöner machen im Stil des Ursprünglichen.

Ein Geschenk für Oberbüren

Etwa die zweiflügelige Eingangstüre mit den prachtvollen Schnitzereien und dem vergoldeten Familienwappen. Etwas, das Willens gleich nach dem Einzug restaurierten. Oder der grosse Saal im dritten Stock. Den Boden hat Lukas Willen mit passendem selbsthergestelltem Parkett belegt. Das Tannenholz-Knietäfer wurde, soweit vorhanden, abgelaugt und die fehlenden Teile ergänzt. Danach, wie zu jener Zeit üblich, mit Ölfarbe gestrichen. An der Decke erstrahlt die Stuckatur aus Gips – wunderbar ins Detail gefertigt. Die Besucher waren fasziniert. Markus Kaiser sagte ganz ergriffen: «Das ist ein Geschenk, das die Familie Willen den Oberbürern macht. Sie machen etwas, was sonst niemand machen würde und wohl auch nicht selber könnte.»

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