Frühmorgens und bei jedem Wetter

«Der Lohn reicht nicht zum Leben» Ausgabe vom 6. März 2014

Peter Thoma St. Gallerstrasse 77, 9500 Wil
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LESERBRIEF

Mit Freude habe ich den Bericht über die Interpellation von Kilian Meyer gelesen. Ohne Scheu erklärt er, dass gewisse Löhne kaum zum Leben reichen. Die aufgeführten Zahlen (Löhne und Stundenlöhne) erschrecken mich nicht. Auch ich arbeite im Tieflohnsektor – bei der Firma Presto AG mit Hauptsitz in Bern. Mein Stundenlohn beträgt 18.60 Franken. Ich und mein treuer Begleiter – mein Hund Barry – begeben uns sechs Tage die Woche, jeweils um 4.20 Uhr morgens auf Verträgertour in Wil. Beim Möbelhaus Gamma laden wir die Zeitungen ein, bei Wind, Schnee, Regen oder Sauwetter.

Nachher geht es mit Hund und Wägeli Richtung Südquartier. Dies zu Fuss, denn ein Auto liegt bei den tiefen Spesen nicht drin. Nur dank meines Hundes, der Auslauf braucht und vor allem der treuen Kundschaft wegen, übe ich diese Tätigkeit aus. Von den Kunden spüre ich Anerkennung für meine Arbeit. Von der Firma hingegen wird diese nicht verdankt. Seit Februar dieses Jahres haben wir einen neuen Gesamtarbeitsvertrag. Wiederum wird gestrichen. Bis jetzt bekamen wir alle Feiertage bezahlt. Neu nur noch den ersten August. Warum hat die Firma zu wenige Mitarbeiter? Klar: Für 18.60 Franken stehen nicht alle morgens um 3.30 Uhr auf. Ich möchte alle Leserinnen und Leser bitten, uns bei der Abstimmung über den Mindestlohn mit einem Ja zu unterstützen. Im Namen aller Presto-Verträgerinnen und Verträger danke ich.

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