Wil: Der Frühling ist bereits in Produktion

Während viele noch auf den Wintereinbruch warten, hat der Frühling in der Gärtnerei Rutishauser bereits Einzug gehalten – die Tulpenproduktion ist angelaufen. Ein Geschäft mit harter Konkurrenz.

Lara Wüest
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Noch sehen sie aus wie gewöhnliche Küchenzwiebeln, die Tulpenknollen mit ihren gelblichen Sprossen, die im dunklen Kühlraum der Gärtnerei Rutishauser heranwachsen. Doch so unscheinbar sie wirken, für das Familienunternehmen Rutishauser AG sind die Zwiebeln wertvoll: Die Tulpen, die daraus wachsen, machen einen wichtigen Teil des Firmenumsatzes aus.

Fünf Millionen Tulpen pro Saison

Bereits jetzt, kurz nach Weihnachten, läuft die Produktion auf Hochtouren. Es ist kurz vor Mittag an diesem ersten Donnerstag im neuen Jahr. In einer grossen Halle auf dem Gärtnereiareal zupfen drei Pflücker grüne Pflanzen aus einer schwarzen Plastikschale, der sogenannten Zwiebelplatte. Diese Tulpen haben die rund dreiwöchige Kühlphase im Kühlraum bereits hinter sich.

Die Arbeiter legen die Blumen, deren farbige Köpfchen erst zu erahnen sind, auf ein Förderband, wo ein scharfes Messer die Knollen von den Blumenstängeln abtrennt. Weiter vorne sortieren Mitarbeiterinnen die Tulpen nach ihrer Grösse. Dach werden sie von ihren Arbeitskolleginnen zu Sträussen verpackt.

Es ist der einzige Ort in dem Betrieb, wo noch von Hand gearbeitet wird, längst wurde ein Grossteil der Produktion automatisiert. Denn sonst wäre die Tulpenherstellung viel zu teuer.

Fünf Millionen Tulpen produziert die Gärtnerei Rutishauser jede Saison, so viele wie keine andere Gärtnerei in der Schweiz. Zu ihren Kunden zählen die grössten Schweizer Detailhändler. Zudem verfügen sie über eigene Geschäfte. Trotzdem machen ihre Tulpen nur einen kleinen Teil aller verkauften Tulpen in der Schweiz aus. Das zumindest schätzt Bruno Rutishauser, Geschäftsführer der Rutishauser AG. «Rund drei Viertel der in der Schweiz verkauften Tulpen werden importiert», sagt er. Die meisten Blumen stammen aus den Niederlanden, dem weltweit grössten Tulpenproduzenten – und einem harten Konkurrenten. «Die ausländischen Tulpen werden hier sehr günstig verkauft», sagt Rutishauser.

Für kurze Zeit aus Sortiment gestrichen

Einmal strich die Gärtnereifamilie die Tulpen sogar aus ihrem Sortiment. Die Produktion rentierte kaum noch. Doch glücklich waren die Rutishausers damit nicht, eine lange Tradition verbindet den Betrieb mit den Tulpen: Bereits der Grossvater von Bruno Rutishauser begann, diese in den 60er-Jahren zu kultivieren.

Eine Tradition, von der sich die Familie nicht lösen wollte: «Wir entschlossen uns, die Blumen wieder zu verkaufen», so Rutishauser, «es steckte viel Herzblut in der Produktion.» Eins war damals jedoch klar: Wenn man auf dem Markt bestehen wollte, mussten sich die eigenen Tulpen von den anderen abheben. Und so entschied sich die Familie, auf eine neue Produktionsmethode umzusteigen. Anstatt in der Erde wachsen die Blumen nun auf Wasser. «Dadurch wachsen sie langsamer, ihre Zellstruktur ist dichter und die Tulpen sind länger haltbar und von besserer Qualität», wirbt Rutishauser für sein Produkt.

Der Blumenverkauf ist jedoch ein unsicheres Geschäft, die Familie Rutishauser setzt deshalb künftig noch auf eine andere Sparte: Kürzlich entschied sie sich, ins Heilpflanzengeschäft einzusteigen – unter anderem in die legale Hanfproduktion.